Zwischen Krisen und „Do it yourself“

Aus dem Leben eines Ortsvorstehers

+
Ortsvorsteher sitzen nicht nur in Sitzungen des Ortsbeirates herum! (Symbolbild)

Ludwigshafen/Mainz -  Welche der schwerste Tag im Leben des Ortsvorstehers in Ludwigshafen war und was ein Amtsträger außer der Bürgerstunden und Sitzungen des Ortsbeirats so zu tun hat:

Sie leiten Bürgerstunden, verhandeln mit der Stadt oder diskutieren auf Sitzungen des Ortsbeirats. Und das ist bei weitem nicht alles. Mancher Ortsvorsteher in Rheinland-Pfalz baut Brücken, ein anderer bucht für Bürger Hotelzimmer. Unterstützung von der Stadt bekommen sie in ihrem Ehrenamt nicht immer. 

Krisenmanagement in Ludwigshafen 

Zügig selbst entscheiden musste Ortsvorsteher Udo Scheuermann (SPD), als im Oktober 2014 in Ludwigshafen eine Gasleitung explodierte. Zwei Menschen starben, 23 wurden verletzt. Etwa 50 Wohnungen im Stadtteil Oppau wurden so stark beschädigt, dass ihre Bewohner nicht mehr dorthin zurückkehren konnten. „Da kann man nicht lange fackeln, da muss man Zimmer besorgen“, erzählt Scheuermann. 

Wo Gasexplosion wütete, leuchtet ein Weihnachtsbaum!

Mit der Oberbürgermeisterin habe er sich nicht absprechen können, weil sie im Urlaub war. Er reservierte für die Betroffenen Zimmer in Hotels, damit sie ein Dach über dem Kopf haben. Die Zeit rund um die Explosion sei die schwierigste in seinen 23 Jahren als Ortsvorsteher gewesen, erinnert sich Scheuermann. Gerade beschäftigt sich der 71-Jährige mit Krach in Oppau. 

Etwa vier Wochen lang ertrugen die Anwohner Lärm, der bei Arbeiten auf dem Gelände des Chemieriesen BASF entstand. Scheuermann versucht nun, einen Spagat hinzubekommen. „Man muss schauen, dass so ein Unternehmen Zukunftschancen hat, und auf der anderen Seite muss man sehen, dass die Nachbarn nicht über Gebühr gestresst werden.“ 

Eine Lärmbeschwerde in Oppau konnte Scheuermann schon klären. Er hat mit Jugendlichen einen Platz abseits der Ortsmitte eingerichtet, mit Baumstämmen als Sitzgelegenheiten. Dort können sich die Jugendlichen auch zu später Stunde verabreden, ohne Nachbarn zu stören.

Mainz: Schrubben, Schleifen, Saubermachen 

Der Mainzer Ortsvorsteher Matthias Gill packt beispielsweise gerne mal selbst mit an, um seinen Stadtteil Ebersheim voranzubringen. Sein neuestes Projekt: die Sanierung einer alten Tischtennisplatte. Die Platte steht schon seit einigen Jahren auf einem Spielplatz im Ort, war uneben geworden und „komplett hinüber“, wie Gill (Grüne) sagt.

„Ich sehe auf dem Spielplatz oft einen Vater mit seinen Sohn Tischtennis spielen, und das hat mir so gut gefallen.“ Die Platte sei aber kaum noch zu benutzen gewesen. Die Oberfläche war durch Wind und Wetter rau geworden. Er habe gleich bei den Vertretern vom Jugendamt nachgefragt, was man machen könnte. 

Aber: „Da ging's ganz schnell um irgendwelche Preise, und ich habe dann gesagt: Das probiere ich einfach selbst aus.“ Also griff der 55-Jährige zur Stahlbürste, schrubbte die Platte sauber, schliff sie ab und ersetzte das alte Bindemittel, das vom Regen ausgewaschen worden war. Hilfe bekam er von zwei Schülern, die er zufällig auf dem Spielplatz traf. Der gelernte Wasserinstallateur werkelt gerne mal für Ebersheim, hat schon Tische und Bänke gebaut und das Dach einer Grillhütte repariert. 

Besonders stolz ist er darauf, einen jahrhundertealten Brunnen ausgegraben und ausgemauert zu haben. „Als Ortsvorsteher mache ich ganz andere Sachen als vor 20 Jahren. Daher bin ich ab und zu auch mal froh, wenn ich solche Arbeiten machen kann.“ In den nächsten Tagen will er ausprobieren, ob die Bälle auf der Tischtennisplatte wieder so hüpfen, wie sie sollen. Ob er die etwa zehn anderen in die Jahre gekommenen Platten in Mainz-Ebersheim auch sanieren wird, hänge davon ob, die zwei Jungs ihm nochmal unter die Arme greifen wollen. 

Do it yourself in Kaiserslautern

Reiner Kiefhaber (SPD), Ortsvorsteher des Ortsbezirks Erfenbach in Kaiserslautern, vermutet, dass ihm sein handwerkliches Engagement Pluspunkte bei den Bürgern eingebracht hat. Er baute 2014 eine Brücke aus Holz über den Bach im Ort und setzte sich so über die zuständigen Stellen hinweg. Die Bürger hatten sich die Brücke schon lange gewünscht, sagt Kiefhaber. 

Das Vorhaben sei jedoch nie realisiert worden, unter anderem wegen der Kosten von etwa 1.000 Euro. Der gelernte Handwerker nahm den Bau der Brücke schließlich selbst in die Hand, sein Arbeitgeber steuerte das Material bei. 

So habe das Unterfangen 50 Euro gekostet. „Ich würde mal behaupten, dass mir das einen Schub gegeben hat und mich in den Stadtrat katapultiert hat“, sagt der 55-Jährige. „Ich hatte danach auch ein deutlich besseres Wahlergebnis."

Er findet, dass er als Ortsvorsteher wenig Spielraum für große Projekte hat. „Weil man nur der Hausmeister vom Dorf ist. Bei dem schmalen Budget, das man hat, kann man das wirklich sagen.“ Zudem müsse er alles mit der Stadt abstimmen. 

dpa/kp

Quelle: Ludwigshafen24

Kommentare