Zwölfjähriger Bombenbauer

Mutmaßlicher Anschlagsversuch durch Kind: „Einzelfall“

+
Ein Zwölfjähriger versucht Ende November eine Nagelbombe auf dem Ludwigshafener Weihnachtsmarkt zu zünden.

Ludwigshafen/Mainz - Der Fall schreckte bundesweit auf: Ein Zwölfjähriger versucht zwei Mal, in Ludwigshafen eine Nagelbombe zu zünden. Ein „Einzelfall“, meint die Familienministerin.

Der sogenannte Islamische Staat (IS) wendet sich nach Ansicht der rheinland-pfälzischen Familienministerin Anne Spiegel (Grüne) zunehmend an Jugendliche und Kinder. 

Das Altersspektrum hat sich erweitert in diesem Bereich, und es wird auch weiblicher“, sagte Spiegel am Montag. Dies sei eine Herausforderung, auf die sich die Interventions- und Präventionsstellen des Landes einstellen müssten. 

Am Freitag war bekannt geworden, dass ein Zwölfjähriger einen Bombenanschlag in Ludwigshafen geplant haben soll. Einen ähnlichen Fall gab es nach Angaben von Spiegel bislang im Bundesland nicht. „Dass von einem Zwölfjährigen offenbar radikalisierten Jugendlichen mutmaßlich eine konkrete Gefahr ausgeht, ist in Rheinland-Pfalz bisher ein absoluter Einzelfall.

Das Jugendamt habe in diesem Fall „schnell, professionell und hoch engagiert“ reagiert. Der Junge werde von Fachleuten betreut. „Die Eltern arbeiten kooperativ mit.

Deutschland stehe weiter im Fokus des Terrorismus, sagte Innenstaatssekretär Günter Kern. Doch sei es auf Weihnachtsmärkten derzeit nicht besonders gefährlich. „Uns liegen zur Zeit keine aktuellen Informationen vor, die eine konkrete Gefahr bedeuten“, sagte Kern. Er riet aber generell zur Wachsamkeit. 

Aufklärung als Prävention

Spiegel sagte, die Bevölkerung müsse aufgeklärt werden darüber, wie sich Radikalisierung äußere. „Extrem wichtig für eine gelingende Prävention ist die Sensibilisierung der Bevölkerung.“ Dabei solle keine Panik geschürt werden. „Es geht hier um Aufmerksamkeit und Sensibilisierung im unmittelbaren sozialen Umfeld.“ 

Auch sollte schon in der Schule eine politische Bildung vermittelt und Demokratieerziehung geleistet werden. Der Islamforscher Marwan Abou-Taam vom Landeskriminalamt wies darauf hin, dass der IS mit seinen Botschaften und Bildern gezielt junge Menschen zu Beginn ihrer Pubertät anspricht. „Kinder und Jugendliche geraten in den Fokus“, sagte er. 

Eine Terrororganisation passe sich immer den Rahmenbedingungen an. Wenn die Terroristen nicht mehr so leicht junge Männer verführen könnten, weil dort die Präventionsarbeit greife, dann suchten sie sich andere Opfer – in diesem Fall Kinder. 

Dabei ziele die Propaganda der Islamisten auf die muslimische Identität der jungen Menschen. 

Während die Eltern den jungen Muslimen oft vorwürfen, sie seien zu Deutsch, belegte die Mehrheitsgesellschaft ihre Religion mit negativen Narrativen. „Es gibt einen Identitätskonflikt, das kann man bei sehr vielen beobachten“, sagte Abou-Taam. In dieser Konfliktsituation kämen radikale Gruppen und böten den jungen Menschen eine vermeintliche Alternative. 

Der Zwölfjährige aus Ludwigshafen ist noch nicht strafmündig. Das wird man erst mit 14. Familienministerin Spiegel sagte, die Debatte über eine Absenkung des Alters der Strafmündigkeit werde sicherlich geführt werden. Sie plädierte aber dafür, dies in „nüchtern, pragmatisch und anhand von Fakten“ zu tun.

Weitere Artikel zum Thema:

>>> Zwölfjähriger Bombenbauer vermutlich „ferngesteuert“

>>> Polizeieinsatz beim Rathaus-Center

>>> LKA stellt pyrotechnisches Material sicher

>>> Zwölfjähriger für Großeinsatz verantwortlich

>>> Anschlag durch Zwölfjährigen? Ludwigshafen geschockt

dpa/rmx

Quelle: Ludwigshafen24

Mehr zum Thema

Unsere Tipps fürs Wochenende!

Unsere Tipps fürs Wochenende!

Schwerer Verkehrsunfall in Seckenheimer Landstraße 

Schwerer Verkehrsunfall in Seckenheimer Landstraße 

‚Poser‘ (22)  verursacht schweren Unfall in Fressgasse!

‚Poser‘ (22)  verursacht schweren Unfall in Fressgasse!

Kommentare