6,5 Millionen sehen „Babbeldasch“

Quotenschwach und heiß diskutiert: Der LU-‚Tatort‘!

Ludwigshafener Tatort "Babbeldasch"
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Der Ludwigshafener Tatort „Babbeldasch"

Ludwigshafen - Nur 6,35 Millionen Zuschauer interessieren sich am Sonntagabend im Ersten für den ‚Tatort‘ aus Ludwigshafen. In den sozialen Medien sorgt der Krimi „Babbeldasch“ für Diskussionen:

Ein ‚Tatort`im ARD hat normalerweise zwischen acht und zehn Millionen Zuschauer. Trotz der schwachen Zuschauerzahlen verbucht der Film mit Ermittlern Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) jedoch die beste Quote am Hauptabend um 20:15 Uhr. Der Marktanteil betrug 17,6 Prozent. Die ‚Tagesschau‘ um 20 Uhr zuvor noch 6,58 Millionen Menschen (19 Prozent) gesehen.

Odenthal ermittelt in der „Babbeldasch“: Das Set in Ludwigshafen

Diskussionen um den ‚Impro-Tatort‘

Schon vor dem Sendetermin hagelte es heftige Kritik für den Krimi „Babbeldasch“, der über weite Teile improvisiert und mit Laiendarstellern inszeniert wurde, die im Pfälzer Dialekt sprachen. Krimikenner Francois Werner nimmt in dagegen ausdrücklich in Schutz. Der Gründer der Webseite tatort-fundus.de sagt der Deutschen Presse-Agentur, er verstehe die Aufregung um die SWR-Folge nicht. Die Bild-Zeitung hatte die von Regisseur Axel Ranisch ohne festes Drehbuch gefilmte Folge am Samstag als „schlechtesten Tatort aller Zeiten" verrissen. Dabei kritisierte die Zeitung unter anderem schwer zu verstehende Szenen in pfälzischer Mundart. 

Werner sagt, er finde die teils harsche Kritik „völlig überzogen". „Ich glaube, darin steckt eher eine Kritik an der generellen Experimentierfreudigkeit am „Tatort" und das immer häufigere Weg vom „klassischen" Krimi hin zum betont „anderen" Krimi." Der Einsatz von Mundart sei „schon deshalb positiv, weil es zum ursprünglichen ‚Tatort‘-Konzept von 1970 gehört und in jedem ‚Tatort‘ präsent sein sollte", meint Werner. „Babbeldasch selbst ist eher konventionell erzählt und hat heitere und komische Momente und ist gute Unterhaltung." 

Kritik in sozialen Medien

Auf der offiziellen ‚Tatort‘-Facebookseite wurde das am Sonntagvormittag veröffentlichte kurze Video zur neuen Folge bereits mehr als 100.000 Mal aufgerufen – und auch sofort kontrovers kommentiert. „Dieser Tatort, der übrigens nicht zufällig am Fastnachtssonntag ausgestrahlt wird, ist eine Hommage ans Volkstheater und an Menschen, die das Theaterspielen und die Komödie lieben. Deshalb hat ihn Axel Ranisch ganz bewusst etwas „drüber" und zuweilen theatralisch inszeniert", teilt die Filmchefin des SWR, Martina Zöllner, dazu mit. „Weil es kein ausgeschriebenes Drehbuch gab, reden die Akteure andererseits, wie Menschen wirklich reden, sie fallen sich ins Wort, sprechen zum Teil Dialekt - das ist lebendig und mal was anderes als "Harry, hol den Wagen" oder "Wo waren Sie gestern Abend um halb zehn?"" 

Auf der ‚Tatort‘-Facebookseite gab es durchaus Posts mit ähnlichen Einschätzungen: „Ich find die Idee schon mal genial. Impro-Theater und Fernsehen vereint", heißt es anerkennend in einem davon. „Hört doch endlich auf aus den Tatorts "künstlerische Meisterstücke" machen zu wollen", lautet die Forderung in einem anderen. 

„Oh nee..furchtbar! Schon abgeschaltet, das geht gar nicht. Amateurhaft und langweilig!", lautete eine Kritik auf der Facebookseite am Sonntagbend. „Dass sich Frau Folkerts und Herr Hoppe für sowas hergeben ... Experimentalkino am Sonntagabend. Irgendwann ist es auch mal gut", postete ein anderer Zuschauer. "Zum ersten Mal in meinem Leben hab ich den Tatort abgeschaltet. Das geht gar nicht", erklärte der nächste. "Eine absolute Katastrophe. Und nicht wegen des Dialekts", wieder ein anderer.

Aber es gab auch Stimmen, die dagegenhielten: „Flexibilität ist angesagt, liebe Tatort-Gemeinde! Ich bin zwar auch ein Nordlicht, finde den Dialekt sehr lustig ... und ich verstehe ihn sogar. Meckert doch nicht immer so viel." Oder: „Der pälzer Dialekt isch doch schee...." betonte ein weiterer Post - und: „Grad weil der so schrill ist find ich den gut." Eine Zuschauerin fand sogar, die Folge sei schlicht „der Hit".

Die Dreharbeiten zum nächsten ‚Tatort‘ mit dem Titel „Waldlust" aus Ludwigshafen nach dem gleichen Konzept haben bereits begonnen. Wie bei der Folge „Babbeldasch" sind keine Dialoge vorgegeben worden. Regie führt erneut Axel Ranisch, Sendetermin ist 2018.

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dpa/kab

Quelle: Ludwigshafen24

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