Bevölkerungsvorausberechnung

Kleiner, älter, städtischer: Rheinland-Pfalz im Jahr 2035

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Ludwigshafen – Wie wird Rheinland-Pfalz in 20 Jahren aussehen? Was nach einem Auftrag für einen Wahrsager klingt, unterfüttert das Statistische Landesamt nun mit neuen Zahlen. Ein Ergebnis: Das Land wird deutlich älter. 

Landflucht, Vergreisung, bröckelnde Steuereinnahmen – wer sich mit der Zukunft von Rheinland-Pfalz beschäftigt, bekommt schnell ein eher trübes Bild präsentiert. 

Fakt ist: Die Rheinland-Pfälzer werden künftig wahrscheinlichim Durchschnitt älter sein, und es wird weniger von ihnen geben. Das belegt auch die neue Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Landesamtes. Ist das zwangsläufig eine Katastrophe? Einige Experten sagen: Nein. 

Die wichtigsten Erkenntnisse der Statistiker

Statistiker haben die Zahl der Rheinland-Pfälzer bis 2035 und auch bis 2060 hochgerechnet. Dem Land gehen demnachzwischen 2013 und 2035 rund 153.000 Einwohner verloren – das entspricht der Größenordnung eines Kreises wie Bad Kreuznach. 

Bis 2060 könnten es sogar 627.000 weniger werden. Dann hätte Rheinland-Pfalz noch 3,37 Millionen Einwohner – so viele wie etwa 1959.

Was verändert sich neben der Einwohnerzahl noch?

Rheinland-Pfalz wird älter. Bis 2035 nimmt die Zahl der Menschen, die 65 Jahre oder mehr auf dem Buckel haben, um satte 43 Prozent zu. Bei den ab 80-Jährigen sind es sogar 56 Prozent. Die Zahl der jüngeren nimmt gleichzeitig deutlich ab - auch die Zahl der Geburten sinkt.

Bevölkerungsanstieg in Ludwigshafen

Es gibt Regionen, die relativ glimpflich davon kommen – vor allem die Städte und die Regionen an der Rheinschiene. 

Ludwigshafen, Mainz, Trier und die angrenzenden Regionen wachsen sogar leicht bis 2035. Landkreise wie Birkenfeld oder die Südwestpfalz verlieren bis zu 15 Prozent ihrer Einwohner. 

Auch beim Verhältnis von Alten zu Jungen klafft die Schere. Kommen in der einigermaßen jungen Stadt Mainz im Jahr 2035 auf 100 Einwohner im Alter von 20 bis 65 Jahren rund 37 Menschen ab 65 Jahren, sind es in der Südwestpfalz 74.

Einfluss durch Einwanderung 

„Die Zuwanderung, die nötig wäre, um das Altersproblem zu lösen, können wir uns – glaube ich – kaum vorstellen“, sagt der Präsident des Landesamtes, Jörg Berres. 

Zuletzt war Rheinland-Pfalz allerdings jenseits seiner Grenzen sehr beliebt. Die hohe Zuwanderung, vor allem aus der EU, konnte sogar die fehlenden Geburten mehr als ausgleichen. Die Statistiker nehmen aber an, dass das nicht so bleiben wird. Ein Grund ist, dass es vielen EU-Staaten in Sachen Alter ähnlich geht – und Ältere seltener auswandern.

Auswirkungen

„Ganz klar: Auf die Dörfer kommen harte Zeiten zu. Man wird Entscheidungen treffen müssen, was man vielleicht aufgibt“, sagt Bernhard Köppen, Bevölkerungsgeograf am Luxembourg Institute of Socio-Economic Research. 

Dennoch rät er zur Besonnenheit. „Es ist eher unwahrscheinlich, dass hier ganze Landstriche wüst fallen und wilde Tiere durch die Straßen streunen.“ Was sich verändern wird, ist die Art des Zusammenlebens – mehr Ältere treffen auf weniger Junge. 

„Für die Dörfer in den ländlichen Regionen ist es wichtig, nicht in Konkurrenz zueinander zu treten, sondern zu kooperieren“, sagt der Bevölkerungs- und Stadtforscher Paul Gans von der Universität Mannheim.

Steht es also schlecht um die Dörfer in Rheinland-Pfalz?

Nicht unbedingt. Natürlich gebe es Landkreise mit einem gehörigen Bevölkerungsschwund, sagt der Sozialwissenschaftler Steffen Kröhnert von der Hochschule Koblenz. „Aber auch dort gibt es einzelne Städte oder Dörfer, die dem Trend trotzen. Man muss also versuchen, diese attraktiven Orte zu stärken. Das ist möglich.“

dpa/lin

Quelle: Ludwigshafen24

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