Wollte Pfarrer die Kehle durchschneiden

Versuchter Anschlag auf Weihnachtsmarkt: Attentäter (14) hatte 3 weitere Ziele!

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Der Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen (Archivfoto)

Ludwigshafen/Wien - Der damals 12-Jährige hatte 2016 nicht nur einen Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt geplant, sondern auch in einem Bus, Kirche und in einem Krankenhaus:

Seit Mittwoch (4. April) läuft im Wiener Landgericht der Prozess gegen einen 19-Jährigen. Er soll unter anderem die Anleitung für die Nagel-Bombe, die auf dem Ludwigshafener Weihnachtsmarkt gezündet werden sollte, geliefert haben.

Am Donnerstag (5. April) schaltet sich per Videokonferenz der mittlerweile 14-jährige Bombenbauer hinzu. Er hatte im November 2016 den Anschlag in Ludwigshafen geplant. Er soll als Zeuge befragt werden, da er laut Anklage vom 19-jährigen IS-Sympathisanten zum Anschlag angestiftet wurde.

Sein Ziel war zuerst ein Bus

Vor Gericht präsentiert sich der Jugendliche als wild entschlossener Selbstmordattentäter. „Ich habe mich schon mit neun Jahren mit Bombenbau beschäftigt", erklärt der zur Tatzeit strafunmündige Jugendliche in der Videoschaltung.

Eigentlich sei das Ziel im November 2016 zunächst ein Bus gewesen. Er hatte nach eigenen Worten bereits einen Sprengkörper dabei, aber das Zünden habe nicht geklappt. Später habe er eine Kirche als Anschlagsort ausgewählt. Doch er habe an dem Tag verschlafen, so der 14-Jährige weiter. Dabei habe er nach dem Vorbild des IS auch daran gedacht, dem Pfarrer die Kehle durchzuschneiden. Der Weihnachtsmarkt als Anschlagziel sei eigentlich nicht erste Wahl gewesen. „Da sind höchstens zehn, 20 Leute dort." Er habe mehr Menschen treffen wollen. 

Kontakt zu IS

Er habe eigenständig den Kontakt zur Terrormiliz IS gesucht. „Das Einzige, auf das ich gehört habe, war der IS persönlich." Nachdem die Bombe nicht explodiert war, wollte er nach eigenen Worten und in Absprache mit seinem IS-Verbindungsmann mit einem Kanister Benzin und einem Beil ein Krankenhaus angreifen und zumindest zwei Menschen töten und den Eingang anzünden. 

Damit relativiert er die Bedeutung des in Wien angeklagten 19-jährigen IS-Sympathisanten. Der Angeklagte habe ihm keine Anleitung zum Bau der Bombe geschickt. „Ich wollte nur wissen, was er denkt und ihn auf dem Laufenden halten", so der 14-Jährige über seinen Kontakt nach Wien. „Die Idee kam von mir. Ich bin selbst drauf gekommen", gibt der Jugendliche zu Protokoll. Sein Gesicht ist während der Videoschaltung nur für das Gericht, die Geschworenen und den Angeklagten sichtbar. 

Der 14-Jährige gibt sich voller Selbstbewusstsein und lässt keine Zweifel an seinem damals geplanten Tun erkennen. Er lebt aktuell in einer Sozialeinrichtung und wird auch von einem Psychotherapeuten betreut

Jungfrauen im Paradies motivierten ihn

Zu seiner Motivation äußert er sich eher generell: Er habe den IS gut gefunden. „Deshalb wollte ich was in Deutschland machen." Sein Motiv sei auch die Aussicht auf die Jungfrauen im Paradies gewesen, die nach islamischen Vorstellungen dort warten. 

Im September 2016 habe er testweise eine Bombe gebaut und in einem Wald in Ludwigshafen vergraben, erzählt der Zeuge weiter. Beim fehlgeschlagenen Attentat auf dem Weihnachtsmarkt spielte offenbar auch eine Rolle, dass dem damals Zwölfjährigen keine Zündschnur verkauft worden war. „Wurde mir nicht verkauft. Hatte keinen Ausweis. Deswegen hab' ich Wunderkerzen genommen." Die brannten nicht vollständig ab. 

Die Geschworenen sichten am zweiten Verhandlungstag auch Videos auf dem Handy des 19-jährigen Angeklagten. Auf einem dort gespeicherten IS-Propagandafilm sei nach Angaben des Verteidigers zu sehen, wie man am besten Menschen ersticht oder in die Luft sprengt. 

dpa/jol

Quelle: Ludwigshafen24

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