Nach Zulassung in Großbritannien

Corona-Impfstoff von BioNTech: Probleme bei der Produktion – weniger Dosen als erwartet

Mainz - Der Impfstoff von BioNTech und Pfizer ist in Großbritannien zugelassen worden – weitere Staaten sollen bald folgen. Die Gründer erklären, wie es weiter gehen soll.

Update vom 4. Dezember: Der Impfstoff von BioNTech und Pfizer hat einen kleinen Dämpfer erlitten. Das amerikanische Unternehmen erklärt gegenüber dem Wall Street Journal, dass bis zum Ende des Jahres nur die Hälfte der bisher geplanten Impfdosen ausgeliefert werden kann – also 50 statt 100 Millionen. Der ursprüngliche Plan stamme noch von Mitte November, bevor klar geworden sei, wie groß die Hürden einer Lieferkette sein würden, erklärt eine Sprecherin von Pfizer. Zudem hätten die klinischen Studien länger gebraucht als erwartet.

Normalerweise entstehen solche Probleme nicht, weil zwischen den Studien und der Auslieferung viel Zeit liegt. „Dieses Mal ist alles gleichzeitig passiert. Wir haben die Lieferkette im März eingerichtet, während der Impfstoff noch entwickelt wurde. Das ist beispiellos“, erklärt ein Mitarbeiter von Pfizer dem Wall Street Journal.

Ein weiteres Problem, das zur Halbierung der geplanten Impfdosen geführt hat, liegt im Rohmaterial. Ein paar der ersten Chargen hätten nicht den Qualitätsanforderungen entsprochen. „Wir haben das behoben, hatten aber keine Zeit mehr, damit es zu den verschifften Projekten für dieses Jahr kommen konnte“, sagt ein Sprecher von Pfizer. Die ersten Impfstoff-Dosen sind mittlerweile unterwegs nach Großbritannien, wo das Vakvin eine Notfallzulassung erhalten hat.

Corona-Impfstoff: So viele Impfdosen plant BioNTech weltweit

Erstmeldung: Im Kampf gegen das Coronavirus hat das Unternehmen BioNTech aus Mainz aktuell die Nase vorne. Zusammen mit der US-amerikanischen Firma Pfizer haben sie einen Impfstoff entwickelt, der zu 95 Prozent Schutz vor Covid-19 verspricht. Damit das Serum schnellstmöglich eingesetzt werden kann, sind bereits Notfallzulassungen in den USA und Europa beantragt worden. Am Mittwoch (2. Dezember) wird zudem bestätigt, dass der Impfstoff in Großbritannien zugelassen worden ist. Ein paar Stunden später stellen sich die Entwickler und BioNTech-Gründer Uğur Şahin, Özlem Türeci sowie Sean Marett, der für die Verteilung zuständig ist, bei einem Online-Interview zahlreichen Fragen. Darin geht es um Erkentnisse der Forschung, Pläne zur Verbreitung und Logistik.

NameBioNTech
SitzMainz
GründerUğur Şahin, Christoph Huber und Özlem Türeci

Corona-Impfstoff: BioNTech plant über eine Milliarde Dosen

BioNTech hat von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA eine vorbehaltliche Erlaubnis bekommen, um ihren Impfstoff in einer sogenannten „rollenden Zulassung“ zu beantragen. Das bedeutet, dass nicht alle Ergebnisse nach jahrelanger Forschung auf einem Haufen abgegeben werden müssen. Stattdessen können neue Erkenntnisse immer in Stücken weitergereicht werden. Ab Montag (7. Dezember) hat BioNTech zudem die Genehmigung, ihren Impfstoff in Großbritannien, den USA und Europa zu verteilen – sobald sie eine Notfallzulassung erhalten.

Doch damit wird das Unternehmen aus Mainz noch nicht fertig sein. Laut Sean Marett haben BioNTech und Pfizer die Produktion von etwa 570 Millionen Impfdosen geplant, die 2020/21 in 13 Staaten verteilt werden sollen. Die EU hat zudem noch eine Option auf 600 Millionen weitere Dosen – diese Zahlen änderten sich aber täglich. Für Großbritannien werden bereits am Mittwoch (2. Dezember) die ersten Impfdosen von Belgien aus verschifft. Auch in Kanada, Japan und China soll das Serum mit dem Namen „BNT162b2“ vertrieben werden. In letzterem hilft das chinesische Unternehmen „FosunPharma“.

Corona-Impfstoff: Uğur Şahin will Zweifel an mRNA-Medikament nehmen

Eine der großen Sorgen vieler Kritiker des Impfstoffes ist die Tatsache, dass er mit mRNA hergestellt wird. Ein solches Medikament hat zuvor noch nicht gegeben. Vor allem in Verschwörungsmythen heißt es daher, dass der Impfstoff die DNA eines Menschen verändern würde – was aber nicht stimmt. Diese Zweifel versucht Uğur Şahin mit einer Erklärung zu mindern.

So liefert mRNA, dass sich in jedem menschlichen und tierischen Körper befindet, Proteine und wird dann nach wenigen Tagen schnell im Körper zurückgebildet. Die synthetische mRNA, die von BioNTech genutzt wird, spiegelt die originale mRNA. Das bedeutet, dass auch diese nach kurzer Zeit wieder verschwindet und die DNA nicht überschreibt.

Corona-Impfstoff: Vier Wochen und zwei Spritzen bis zur Immunität

Nach bisherigen Ergebnissen dauert es etwa vier Wochen, bis der Impfstoff die versprochenen 95 Prozent Immunität gegen das Coronavirus gebildet hat. Eine Woche zuvor erhält man noch die zweite Injektion, um die Impfung abzuschließen. Nach Aussage von Uğur Şahin und Özlem Türeci habe das Vakzin keine schlimmeren Nebenwirkungen bei den Probanden hervorgerufen, als sonstige Impfstoffe auch. Zudem sei es verträglich, unabhängig der Ethnie, des Geschlechts oder des Alters.

Auch Menschen, die bereits an dem Virus erkrankt waren, hätten keine Probleme gehabt. Nur bei schwangeren Frauen sei es bislang noch nicht getestet werden. Wie Menschen mit Vorerkrankungen auf „BNT162b2“ reagieren, werde demnächst der Öffentlichkeit präsentiert werden. (dh)

Rubriklistenbild: © BioNTech SE/dpa

Das könnte Dich auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare