Emotionale Reden

Zweite „Black Lives Matter“-Demo in Mannheim: Hunderte Teilnehmer marschieren trotz Hitze durch die Stadt

Mannheim – Am 27. Juni findet die zweite „Silent Demo“ statt in der Quadratestadt statt. Hunderte Teilnehmer marschieren trotz Hitze vom Schloss zum Alten Meßplatz um eine Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Das fordern sie:

  • In Mannheim demonstrieren am 6. Juni 6.000 Menschen bei der „Silent Demo“ gegen Rassismus und Polizeigewalt.
  • Am 27. Juni findet wieder eine „Black Lives Matter“-Demo in Mannheim statt – etwa 750 Menschen nehmen daran teil.
  • Anlass der Demonstration ist der Mord an dem Amerikaner, George Floyd, der von einem Polizisten getötet wurde.

Update vom 28. Juni: Die zweite „Black Lives Matter“-Demo in Mannheim verzeichnet nicht so viele Teilnehmer wie die erste. Waren es am 6. Juni noch 6.000 Teilnehmer, versammeln sich am Samstag, 27. Juni nur etwa 750 Menschen im Ehrenhof des Schlosses. Doch das tut der Stimmung keinen Abbruch. Ein Dutzend Teilnehmer halten emotionale Reden darüber, wie sie Ausgrenzung und Rassismus aufgrund ihrer Herkunft und Hautfarbe erfahren haben – einige brechen dabei in Tränen aus.

Der Mannheimer Morgen zitiert Rednerin Nicole: „Ignoranz und Wegschauen macht euch schuldig“. Sie fordert Gleichberechtigung für alle Brüder und Schwestern. Nach den Redebeiträgen, Musik- und Tanzeinlagen sieht marschiert der Demonstrationszug über den Paradeplatz zum Alten Meßplatz.

Am Samstag wieder „Black Lives Matter“-Demo in Mannheim – Marsch inklusive!

Update vom 27. Juni: Heute findet eine zweite Demo unter dem Motto „Silent Demo – nein zu Rassismus" in Mannheim statt. Wie bereits bei der Demo zuvor (6. Juni) startet der Protest um 14 Uhr im Ehrenhof des Schosses. Neu ist diesmal jedoch eine geplante Demonstrations-Route: Vom Barockschloss aus wird am Paradeplatz vorbei bis zum Alten Meßplatz marschiert. Die Veranstalter vertrauen darauf, dass die Teilnehmer die Abstandsregeln einhalten und einen Mund-Nase-Schutz tragen. Nach Angaben des Mannheimer Morgen rechnen die Organisatoren jedoch mit weniger Teilnehmern als bei der letzten Demo; lediglich 1.000 Teilnehmer seien angemeldet. Bei der letzten Demo haben sich etwa 6.000 Menschen im Ehrenhof versammelt.

Mannheim: Gleich zwei Demos am Samstag – Sperrungen zu erwarten

Auf der Marschroute der „Silent Demo“ vom Schloss, über den Paradeplatz zum Alten Meßplatz , könnte es zu kurzfristigen Sperrungen kommen. Dies hänge jedoch von der Anzahl der Teilnehmer ab. Am Samstag findet in Mannheim jedoch auch eine zweite Demo statt: Wegen der „Pop-up-Bike-Lane" wird der Kaiserring zwischen der Kunststraße und der Bismarckstraße in Fahrtrichtung Hauptbahnhof von 10 bis 16 Uhr halbseitig gesperrt. Die Zufahrt in die Straße M 7/N 7 sowie die Ausfahrt aus der Straße M 7/L 14 werden voll gesperrt. Von 8 bis 18 Uhr gilt auf dem Kaiserring ein absolutes Halteverbot. Auch am 1. Juli muss eine Straße in Mannheim voll gesperrt werden – Grund ist ein Großeinsatz der Polizei in der Neckarstadt.

6.000 Teilnehmer bei „Black Lives Matter“-Demo – wurden die Corona-Regeln eingehalten?

Update vom 9. Juni: Am Samstag (6. Juni) haben 6.000 - und nicht wie zuerst angenommen 4.000 - Personen an der „Silent Demo“ gegen Rassismus und Polizeigewalt in Mannheim teilgenommen. Das berichtet der Mannheimer Morgen. Mit dieser hohen Zahl hatten selbst die Organisatoren nicht gerechnet – sie hatten 1.000 Teilnehmer kalkuliert.

Trotz dieser hohen Zahl an Demonstranten zieht die Polizei eine erfreuliche Bilanz. Aus ihrer Sicht wurden die Abstandsregelungen eingehalten, auch trugen die Teilnehmer einen entsprechenden Mund-Nase-Schutz. Die Polizei habe nur wenige Personen auf die Corona-Auflagen hinweisen müssen, die von den Veranstaltern auch mehrmals durch das Megafon durchgegeben worden sind. 

6.000 Demo-Teilnehmer versammeln sich am Samstag, 6. Juni vor dem Mannheimer Schloss.

Kritiker hatten bemängeln, dass es auf den Fotos so gewirkt habe, als hatten sich die Demo-Teilnehmer dicht auf dem Ehrenhof gedrängt. 

Mannheim: „Black Lives Matter“-Demo – Tausende protestieren am Schloss

In ganz Deutschland versammeln sich am Samstag (6. Juni) tausende Menschen, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. Unter dem Motto „Nein zu Rassismus! Black lives matter“ kamen auch in Mannheim tausende Menschen auf dem Schlosshof zusammen. Anlass für die Demonstration war der Mord am Amerikaner, George Floyd, der am 25. Mai starb, nachdem ihm ein Polizist in Minneapolis acht Minuten und 46 Sekunden lang das Knie auf den Hals gedrückt hatte.

Bei der „Silent Demo“ in Mannheim schwiegen die anwesenden Demonstranten für exakt diese Zeit, um an George Floyd und an andere Opfer rassistisch motivierter Polizeigewalt zu gedenken. Insgesamt rechneten die Organisatorinnen mit 1.000 Teilnehmenden, doch ihre Erwartungen wurden bei Weitem übertroffen. Wie ein Polizeisprecher auf Anfrage von MANNHEIM24 sagt, nahmen „in der Spitze“ knapp 4.000 Personen an der Demonstration teil. Ein Großteil der Personen war in Schwarz gekleidet, um ihre Trauer um den verstorbenen George Floyd zu verdeutlichen. Die Demonstration verlief friedlich. Trotzdem hatte die Polizei alle Hand voll zu tun, da sie Abstandsregeln und die geltende Maskenpflicht durchsetzen mussten.

Mannheim: „Rassismus ist auch eine Pandemie“ – Tausende protestieren am Schloss

Die Stimmung am Schloss war während der Demonstration emotional aber stets friedlich. Zwar sah es von Weitem nicht so aus, als würden die Demonstranten das Abstandsgebot einhalten, doch in der Menge achtete der Großteil der anwesenden Personen auf die geltenden Regeln. Zahlreiche Polizeibeamte waren vor Ort, um Personen zu ermahnen, die keine Maske trugen oder sich nicht an die Abstandsregeln hielten. Insgesamt seien die meisten aber einsichtig und achteten auf die Regeln, wie ein Polizeisprecher im Gespräch mit MANNHEIM24 erklärte.

Mit selbst gebastelten Schildern mit Aufschriften, wie „Rassismus ist auch eine Pandemie“, nahmen überwiegend junge Menschen an der Demonstration teil. Während im 20-Kilometer-entferntem Worms ein Nazi-Aufmarsch stattfand, hielten in Mannheim mehrere Personen Ansprachen oder trugen Gedichte vor, in denen sie Rassismus und Polizeigewalt thematisierten.

Mannheim: Rassismus in der Quadratestadt? Das sagt das Antidiskriminierungsbüro

Im Vorfeld der Demonstration fragten sich viele Menschen, warum in Deutschland Menschen auf die Straße gehen sollten, um gegen Rassismus in den Vereinigten Staaten zu demonstrieren. Doch auch im bunten Mannheim gibt es Rassismus, wie Tina Koch vom Antidiskriminierungsbüro Mannheim im Gespräch mit MANNHEIM24 erklärt. „Viele Menschen sind sich gar nicht bewusst, dass sie rassistisch handeln. Denn es zählt nicht die Absicht, sondern die Wirkung. Auch aufgeklärte, tolerante Menschen in der Mitte der Gesellschaft denken oder handeln rassistisch. Da kann sich niemand von freisprechen“, erklärt Koch.

Solche Personen zu verteufeln und ihnen pauschal das Gespräch zu verwehren sei allerdings nicht der richtige Weg, sagt Koch: „Es müsste eine Diskussionskultur geschaffen werden, in der ‚Rassist‘ nicht nur als Schimpfwort verstanden wird, sondern auch als Möglichkeit, das eigene Handeln zu reflektieren. So könnte statt Gegenwehr und Verteidigung ein wirklicher Dialog entstehen. Erst wenn man versteht, wie tief der Rassismus in unserer Kultur verankert und wie allgegenwärtig er ist, kann eine fruchtbare und nicht nur vorwurfsvolle Auseinandersetzung stattfinden.

Nach dem Mord an George Floyd gehen die Menschen unter dem Motto „Black lives matter" auf die Straße. Auch in Heidelberg findet eine Demo auf der Neckarwiese statt, um auf Raissmus und Polizeigewalt aufmerksam zu machen. Nach den brutalen Krawallen in der Stuttgarter Innenstadt im Juni 2020, kochen bei vielen die Emotionen hoch. Auch der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir verliert während eines Interviews die Fassung und beschimpft einen Passanten, der ihm dauernd ins Wort fällt.

Um ein Fahrverbot an Wochenenden und Feiertagen zu verhindern, fahren tausende Biker bei einer Motorrad-Demo mit. Ein paar von ihnen fahren bis nach Karlsruhe, um dort ihre Thesen an das Bundesverfassungsgericht zu hängen.

mw

Rubriklistenbild: © MANNHEIM24/Michael Watson

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