Weil er „Hells Angel“ war?

Meuterei im Gefängnis: Häftling wird 3 Jahre lang zu Unrecht beschuldigt!

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Amtsgericht Mannheim

Mannheim - Drei Jahre lang muss sich Danny A. anhören, dass er an einem Gefängnisausbruch beteiligt gewesen sein soll. Doch nun herrscht Klarheit – und sein Verteidiger findet deutliche Worte.

Danny A. (37) sitzt bereits seit über fünf Jahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge in der Mannheimer JVA. Seit drei Jahren hat er noch einen weiteren Prozess am Hals. Er wird wegen des Versuchs der Gefangenenmeuterei angeklagt.

Die Anschuldigung: Er soll gemeinsam mit einem weiteren JVA-Häftling am 1. Juni 2015 einen Ausbruchsversuch in der Umkleidekabine der Sporthalle unternommen haben. Dafür soll er zuvor einen Akkuschrauber besorgt haben.

Allerdings: Bei der Flucht ertappte ein Gefängnis-Bediensteter die Männer und konnte eine mögliche Flucht verhindern.

Am Mittwoch (12. September) fällt das Urteil am Amtsgericht Mannheim – A. drohen bis zu weiteren fünf Jahren Knast!

Nach drei Jahren herrscht Klarheit!

Pünktlich um 9 Uhr betritt der 37-Jährige den Gerichtsaal, sichtlich entspannt. Er lächelt seinen Bekannten zu, die in der ersten Reihe auf ihn warten. Der Mitangeklagte Janek G. erscheint nicht zum Prozess, da er in einem ausländischen Gefängnis sitzt. 

Schlüsselzeuge überzeugt Staatsanwaltschaft

Als erster und einziger Zeuge (57) kommt an diesem Tag der JVA-Bedienstete, der damals die Männer erwischte. Er lässt die Situation Revue passieren: 

Der 57-Jährige habe bemerkt, dass Personen beim Sport fehlen und ist deshalb zur Umkleidekabine gelaufen. Dort habe er gesehen, dass „ein Fenster zum Teil keine Umrandung“ mehr hat. A. habe in diesem Moment auf einer Bank gesessen und seinen Fuß gehalten – wie sich später herausstellt, hat er schon länger Probleme mit dem Fußgelenk und hat dieses in diesem Moment nur kühlen wollen. G. wiederum habe erschrocken reagiert, sein Gesicht sei rot und verschwitzt gewesen.

Häftling gesteht alles!

Die Richterin liest nach der Zeugenaussage ein Protokoll aus dem vergangen Jahr vor. Darin gesteht G. alles. Er habe von einem Hausmeister den Akkuschrauber bekommen und einen Kontaktmann, der ihn bei seiner Flucht „draußen“ abhole. Mit A. bestehe laut dem Protokoll keinen Kontakt. 

Als Grund für die Flucht habe G. angegeben, dass seine Gefängnisstrafe „die schrecklichste Zeit in seinem Leben“ sei. Er wolle nicht weitere zwei Jahre im Gefängnis sitzen und viel mehr ein neues Leben in Estland beginnen. Seine Frau habe ihn wegen seiner Inhaftierung verlassen und sein zehnjähriges Kind mitgenommen.

Verteidiger lässt Empörung freien Lauf!

Nachdem die Staatsanwaltschaft aufgrund des alleinigen Ausbruchs von G. und der Zeugenaussage für Freispruch plädiert, meldet sich der Verteidiger zu Wort. 

Jens Graf meint, dass die ,Hells Angels‘-Zugehörigkeit von A. die Verhandlung besonders beeinflusst habe. Die Tat sei „nicht ganz so spektakulär“ gewesen, dennoch habe sich der Prozess drei Jahre in die Länge gezogen. Für die Anschuldigung „gab es keinen einzigen Anhaltspunkt – außer, dass er Hells Angel war!“, so der Verteidiger im Gericht. Zudem sei „alles untergraben worden“, was die Verteidigung zugunsten des 37-Jährigen vorgelegt hatte. 

Graf klagt ebenfalls an, dass sich das Gericht auf einen Kronzeugen gestützt habe, der laut Verteidiger ein Betrüger sei. Denn der Zeuge sei selbst Häftling und wolle mit seinen Aussagen bloß seine Strafe mildern. 

Graf ist froh, dass „dieses Martyrium für A. nach drei Jahren endlich ein Ende hat“. 

Denn: Der Angeklagte hat in dieser Zeit unter den höchsten Sicherheitsmaßnahmen gestanden, konnte keine Ausbildung anfangen und wurde ständig beobachtet. 

Für A. endet der Mittwoch zwar mit dem langersehnten Freispruch, die nächsten vier Jahre muss der Sträfling aber weiterhin im Gefängnis verbringen. 

jol

Quelle: Mannheim24

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