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Hafen49 in Mannheim: Corona-Modellprojekt – 500 Leute sollen ohne Masken und Abstand tanzen

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Von: Peter Kiefer

Der Mannheimer Hafen49, wie ihn die Leute lieben.
Der Mannheimer Hafen49, wie ihn die Leute lieben. (Archivfoto) © MANNHEIM24/Manuel Dietrich

Mannheim – Was vor Corona nicht nur im Jungbusch völlig normal war, gilt jetzt als richtungsweisendes Modellprojekt – Tanzen und Feiern am „Hafen49“ ohne Masken und Abstand. Alle Infos:

Ein von NEXT Mannheim konzeptioniertes Projekt für eine Open-Air Tanzveranstaltung ist vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg als Modellvorhaben ausgewählt worden. Bislang konnten wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse bezüglich der potentiellen Übertragungsdynamik von COVID-19 in unterschiedlichen Veranstaltungskontexten gewonnen werden. In Deutschland wurden diese Tests allerdings bislang fast alle unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregelungen und fast ausschließlich im Innenbereich mit entsprechender Lüftung und einem sitzenden Publikum durchgeführt. Für Clubs und kleinere Livemusikspielstätten sind derartige Veranstaltungen jedoch entweder nicht möglich oder wirtschaftlich nicht durchführbar.

StadtMannheim
BundeslandBaden-Württemberg
Fläche144,96 km²
Einwohnerzahl310.658 (Stand: 31. Dez. 2019)
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)

Mannheim möchte daher jetzt als erste deutsche Stadt wissenschaftliche Erkenntnisse darüber gewinnen, unter welchen Bedingungen auch Clubveranstaltungen im Freien stattfinden können und entsprechende wissenschaftliche Testungen in Kooperation mit dem Uniklinikum Mannheim, dem Fraunhofer Institut, der DHBW Mannheim, dem Schnelltestzentrum Mannheim, EventKultur Rhein-Neckar e.V. und dem Hafen49 / Loft GmbH durchführen.

Modellprojekt in Mannheim: Alle Infos zur Party am Hafen49 im Jungbusch

Das von der Kulturellen Stadtentwicklung / NEXT Mannheim entwickelte Konzept wurde jetzt vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg als Modellvorhaben ausgewählt und kann somit am 4. Juli in die Umsetzung gehen. Geplant ist eine elektronische Musikveranstaltung am Hafen49, die unter realen Bedingungen, also ohne Abstandsregeln, Getränkeverkauf und mit expliziter Tanzerlaubnis durchgeführt werden. Es sollen dabei Aerosolmessungen ohne Maske stattfinden sowie mögliche Ansteckungsdynamiken in einem kontrollierten und sicheren Verfahren analysiert werden. Die teilnehmenden Gäste müssen sich verpflichtend sowohl einem Antigen-Schnelltest als auch, drei Tage nach der Veranstaltung, einem PCR-Test unterziehen. Die Registrierung der Gäste erfolgt unter www.hafen49.de.

Bei dem exklusiven Event am 4. Juli 2021 können maximal 500 Gäste (Mindestalter 18 Jahre) von 13 bis 22 Uhr mitfeiern und abtanzen. Und ja, ganz ohne Masken und Abstand! Jedoch müssen ALLE vorher getestet werden – auch Geimpfte und Genesene.

Übrigens: Bei leichtem Regen findet die Modellveranstaltung trotzdem statt, ein Ausweichquartier oder Ersatztermin gibt es nicht. Bei drohendem Gewitter muss die Party jedoch abgesagt werden.

Das Line Up bilden Bunte Bummler, Sasch BBC und Cnscs. Nach dem Event gibt es eine Empfehlung zu einer freiwilligen Quarantäne bis zum PCR Test. Sie wäre dem wissenschaftlichen Ergebnis der Studie dienlich, ist aber nicht zwingend. 

Das sind die Spielregeln für die Veranstaltung am Hafen49 in Mannheim am 4. Juli.
Das sind die Spielregeln für die Veranstaltung am Hafen49 in Mannheim am 4. Juli. © Hafen49

Mannheim: Rathaus erhofft sich zielgerichtete Wiederöffnungskonzepte

Die Stadt Mannheim erhofft sich durch das Modellvorhaben und den daraus gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnissen, dass zielgerichtete Wiedereröffnungskonzepte entwickelt werden können, die lokalen Veranstaltenden, aber auch Akteurinnen und Akteure aus dem ganzen Bundesgebiet bei der Wiederbelebung des kulturellen Lebens wichtige Unterstützung bieten.

OB Kurz über Konjunkturpaket – „für Mannheim sehr positive Entscheidung“
Mannheims OB Dr. Peter Kurz (SPD) freut sich auf das Event am Hafen49. © picture alliance/dpa

Ich freue mich sehr, dass nach der Zusage der Förderung des Mannheimer Kultursommers durch die Kulturstiftung des Bundes nun auch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg das von der Kulturellen Stadtentwicklung / NEXT Mannheim erarbeitete Konzept für eine Open-Air Clubveranstaltung als Modellvorhaben ausgewählt hat“, sagt OB Dr. Peter Kurz (SPD). „Ich bin sicher, dass wir hier wichtige Erkenntnisse gewinnen, die für Veranstaltende und Betreibende für die Weiterentwicklung von Konzepten zur graduellen Öffnung hilfreich sind und wir hier einen wichtigen Schritt gehen können“, führt Dr. Kurz weiter aus.

Mannheim: Nachtbürgermeister betreut das Projekt und ist optimistisch für die Zukunft

Wir haben die aktuellen Studienergebnisse zu Kulturveranstaltungen unter COVID-19 Bedingungen von Anbeginn an sehr genau beobachtet und es wurde schnell deutlich, dass wir auch Modellversuche für Clubs und kleinere Livemusikspielstätten brauchen, um hier ebenfalls sichere und wirtschaftlich tragfähige Wiedereröffnungskonzepte zeitnah erarbeiten zu können“, sagt Dr. Matthias Rauch, Leiter des Bereichs Kulturelle Stadtentwicklung & Kultur- und Kreativwirtschaft bei NEXT Mannheim.

Robert Gaa übernimmt ist Mannheims neuer Nachtbürgermeister.
Robert Gaa übernimmt ist Mannheims neuer Nachtbürgermeister. © Startup Mannheim

Auch Nachtbürgermeister Robert Gaa, der das Projekt operativ von Seiten NEXT Mannheim betreut, blickt optimistisch in die Zukunft: „Die aktuellen Vorgaben ermöglichen Veranstaltungen nur unter sehr strengen Bedingungen und sind somit für viele Veranstaltenden nur schwer zu realisieren. Wir erhoffen uns nun, dass wir durch die Generierung neuer Daten bessere und passgenauere Sicherheits- und Hygienevorgaben für die Veranstaltungsbranche entwickeln können“, erklärt Nightlife-Profi Gaa. „Im Laufe unseres Modellvorhabens werden sowohl verschiedene Testverfahren auf ihre Performance untersucht, Pooling-Strategien entwickelt, als auch Aerosolverteilungen in Menschenmengen untersucht. Hier gibt es aktuell definitiv noch Erkenntnislücken, die wir zumindest partiell füllen möchte“, weiß Gaa. (PM/pek)

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