Notruf

Wenn der Rettungsdienst zu lange braucht...

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Familie Bleier musste um ihre Tochter bangen, weil der Rettungsdienst nicht früh genug kam. (Symbolbild)

Mannheim/Heidelberg/Ludwigshafen/Region - Henry Bleier (Name von der Redaktion geändert) und seine Frau mussten am 14. Juli um das gesundheitliche Wohl ihrer Tochter zittern:

Das 10-jährige Mädchen stürzte schwer beim Rugby-Training auf dem HRK-Platz.

Es verletzte sich dabei am Hinterkopf. Die Mutter der Kleinen und andere Eltern begaben sich sofort zu dem Kind, das zuerst ruhig dalag und danach schrie und weinte, auf den Platz und wählten - zuerst fälschlicherweise - die 110. 

Die Polizei leitete daraufhin die Anruferin, die Mutter eines anderen Kindes, weiter an die Leitstelle in Ladenburg. Die Mutter des Mädchens hatte die Kleine die ganze Zeit über auf ihrem Schoß.

Bei der Leitstelle sagte man ihnen, dass sich ein Rettungswagen auf den Weg machen würde. Nachdem lange kein Fahrzeug kam, riefen die Frauen 20 Minuten später noch einmal bei der 110 an. „Wir schicken jetzt gleich jemanden los“, soll die Anruferin als Antwort bekommen haben.

Als nach 30 Minuten immer noch kein Rettungswagen erschien, riefen die Frauen ein letztes Mal bei der Leitstelle an. Diesmal direkt bei der 112. Die Dame am Telefon teilte ihnen mit, dass sich noch kein Fahrzeug auf dem Weg befinde. 

Die Begründung: Es stehe kein RTW zur Verfügung.

Frau Bleier packte schließlich ihre Tochter und fuhr sie selbst ins Krankenhaus. Dort war die Notaufnahme „gerammelt voll“. Mutter und Tochter wurden auf die Kinderstation geschickt, wo Krankenpfleger die 10-Jährige dann endlich an die Monitore anschlossen.

Sie hatte sich durch ihren Sturz eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen. Erst am nächsten Tag konnte sich ein Arzt um das Mädchen kümmern.

Herr Bleier weiß, dass er und seine Familie mit einem blauen Auge davongekommen sind. Allerdings wünscht er sich für Andere, dass sie niemals in solch eine Situation geraten müssen. Er hat jetzt einen Strafantrag beim Landgericht Mannheim gestellt und Beschwerde beim baden-württembergischen Innenministerium eingereicht.

Die Schilderung der rettungsdienstlichen Leitstelle

Wir telefonieren daraufhin mit Caroline Greiner von der Geschäftsstelle der Leitstelle in Ladenburg und Kreisgeschäftsführerin des DRK. Ihre Darstellung der Geschehnisse unterscheidet sich von der des Vaters.

Als der erste Anruf nach der Weiterleitung durch die Polizei bei der Leitstelle einging, so Greiner, empfand der diensthabende Disponent die Situation nicht als lebensbedrohlich.

Es erfolgte also kein Primäreinsatz mit Martinshorn der obersten Priorität. Wenn bestimmte Stichworte wie beispielsweise ‚Bewusstlosigkeit‘ oder ‚Herzinfarkt‘ nicht fallen, begibt sich der RTW nicht auf der Stelle in den Einsatz. 

Der Disponent erkannte im System, dass kein RTW zur sofortigen Verfügung stand und forderte auch nicht den Abzug von etwa einer Übergabe - der Überbringung eines Patienten ins Krankenhaus - an. 

Auch soll die Dame, die den Notruf absetzte, „unaufgeregt geklungen“ haben, so Greiner. Ein weiterer Grund, warum sich der Disponent in der Leitstelle nicht in Alarmbereitschaft versetzt sah.

Der zweite Anruf, der laut Bleier abgesetzt worden sein soll, existierte laut Greiner gar nicht. Sie erklärt, dass die Leitstelle Rhein-Neckar die größte in Deutschland und somit hochspezialisiert ist. Man könne sich das nicht so vorstellen, dass da nur ein Telefon steht. Alle Anrufe werden registriert und minutiös aufgezeichnet, sodass man sie in solchen Fällen exakt nachvollziehen kann.

Nachdem sie von der Beschwerde Herrn Bleiers erfahren hat, habe Frau Greiner die Tonbänder abgehört. Wo der Anruf verloren gegangen sein könnte oder warum unterschiedliche Aussagen dazu bestehen, vermag Greiner nicht zu vermuten. Sie „kann nicht nachvollziehen, wo das Delta liegt.

Der dritte Anruf fand allerdings laut Greiner statt. Diesmal wählte die Mutter des anderen Kindes tatsächlich die 112. Aber auch hier unterscheiden sich die Aussagen von Bleier und Greiner. Der Vater des Mädchens sagt, dass der Anruf um 19:58 Uhr eingegangen sein soll, Greiner hingegen 19:54 Uhr. 

Laut Greiners Aussagen wurde in der Leitstelle jetzt die Dringlichkeit der Situation erkannt, da die Anruferin das Stichwort ‚Bewusstlosigkeit‘ fallen ließ, das im ersten Anruf nicht auftauchte. Der Einsatz wurde nun als Primäreinsatz mit Martinshorn eingestuft und ein RTW sofort losgeschickt. 

Er soll um 20:03 Uhr auf dem HRK Rugby-Platz eingetroffen sein, also neun Minuten nach Absetzung des entscheidenden Notrufes. Nach Bleiers Aussagen ist seine Frau erst um 20:05 Uhr ins Krankenhaus gefahren. Auch hier sind die Angaben beider Parteien nicht deckungsgleich.

Greiner erklärt, dass es ein bestimmtes Zeitfenster von 15 Minuten gibt, das bei Einsätzen mit oberster Priorität nicht überschritten werden darf. Einmal im Jahr erfolgt eine Prüfung der Leitstellen. Sie müssen dieses Zeitfenster in 95 Prozent der Fälle einhalten. Die Leitstelle Rhein-Neckar liege knapp unter diesen 95 Prozent, so Greiner.

Insgesamt habe die Leitstelle aber deutliche Fortschritte im Vergleich zu den letzten Jahren gemacht. Frau Greiner ist zuversichtlich, dass die letzten Prozentpunkte auch noch erreicht werden.

Die Parteien wollen sich nun bei einem Gespräch einigen und haben gerade einen Termin vereinbart. „Ich freue mich, dass man sich darüber unterhalten kann“, so die Kreisgeschäftsführerin des DRK.

Drei Dinge seien beim Absetzen eines Notrufes besonders zu beachten, so Greiner:

  1. Der Notruf sollte immer über die 112 abgesetzt werden.
  2. Der Unfall beziehungsweise die Situation des sich in Not Befindlichen sollte so genau wie möglich geschildert werden.
  3. Derjenige, der den Notruf absetzt, sollte die Ursache für die Notsituation wenn möglich beobachtet haben.

>>> Immer mehr unnötige Notrufe in der Region!

hew

Quelle: Mannheim24

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