Lebende Geschenke

Hund, Katze, Maus unter dem Weihnachtsbaum? So drastisch reagieren Tierheime! 

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Tierheime über die Vermittlung an Weihnachten (Symbolfoto)

Mannheim/Heidelberg - Tiere landen immer wieder unter dem Weihnachtsbaum. Doch ist das süße Geschenk eigentlich vielmehr eine traurige Tatsache? Wir haben mit Tierheimen gesprochen:

Es ist Weihnachten. Unter dem festlich geschmückten Tannenbaum liegen bereits einige Geschenkpakete und die Vorfreude auf das besinnliche Fest ist groß. Plötzlich hörst Du ein leises Fiepsen und tapsende Pfoten. Als Du Dich umdrehst, kommt ein kleiner Golden Retriever-Welpe auf Dich zugerannt. Um den Hals: eine große rote Schleife.

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Diese Vorstellung löst bei vielen Menschen sofort ein liebevolles Seufzen aus. Auch im Netz wimmelt es von Clips, die millionenfach geklickt werden. Zu sehen sind Haustiere, die an Weihnachten verschenkt werden.

Aber gehören Hund, Katze und Meerschweinchen überhaupt unter den Weihnachtsbaum? 

Wir haben mit einigen Tierheimen aus der Region gesprochen, die teilweise unterschiedlich mit der Tiervermittlung rund um die Weihnachtszeit umgehen. Aber ein Gedanke teilen alle Befragten: Hund, Katze und Co. sind keine Geschenke und gehören NICHT unter den Weihnachtsbaum!

„Vermittlungsstopp“ in einigen Tierheimen!

Im Heidelberger Tierheim gibt es einen sogenannten ,Vermittlungsstopp‘. In dem Zeitraum vom 15. Dezember bis zum 2. Januar werden keine Schützlinge vermittelt. „Interessenten können sich natürlich Tiere anschauen und diese auch reservieren“, erklärt das Team. 

Auch das Frankenthaler Tierheim möchte seine Lieblinge schützen und übergibt sie vor Weihnachten an keine neue Familie. „Manche erzählen uns offen, dass sie Tiere gerne zu Weihnachten verschenken möchten und andere lügen uns an“, erklärt Simone Jurijiw, 1. Vorsitzende des Tierheims. 

In Worms wird die Angelegenheit ähnlich behandelt. „Gerade über die Feiertage und Silvester hat man familiär genug zu tun und zu wenig Zeit für die Eingewöhnung. A uch ist Silvester ein riesiger Stressfaktor für das Tier, welchen man ihm in neuer Umgebung nicht antun sollte“, erklärt uns Christiane Gumpert. Währenddessen hat das Tierheim Mannheim einen Aufnahmestopp ausgerufen. Denn das Tierheim ist mittlerweile völlig überfüllt.

Tiere bekommen neues Zuhause nur bei absoluter Sicherheit!

Im Gegensatz zu Heidelberg, Worms und Frankenthal, vermitteln andere Städte ihre Tiere rund um die Weihnachtszeit - allerdings unter höchster Vorsicht! Denn auch hier wird ganz genau nachgefragt, warum die neuen Besitzer ausgerechnet zu dieser Jahreszeit ihre Katze oder ihren Hamster haben wollen. „Wir unterhalten uns sehr lange mit den Menschen. Bislang haben wir keine schlechte Erfahrungen gemacht“, erklärt Karin Schuckert vom Tom-Tatze-Tierheim. Vor allem bei Kleintiere sei das Team vorsichtig. Denn Hunde und Katzen werden grundsätzlich niemals sofort vermittelt.

Bei uns muss man ein Bogen ausfüllen, Informationen über sein Zuhause geben und wer ein Hund will, der muss eine Zeit lang erst einmal Gassi gehen“, meint Herbert Rückert vom Mannheimer Tierheim. Sobald der Verdacht bestehe, dass das Tier als Geschenk ende, werde kein Tier vermittelt. 

Neuer Freund gesucht? Wieso nicht im Tierschutzverein?

Menschen kaufen ihre neuen Familienmitglieder auf ebay!

Menschen, die an Weihnachten ein Tier verschenken möchten, gehen nicht in ein Tierheim. Sie holen sich irgendwo einen Billigwelpen, die zum Beispiel bei EBay Kleinanzeigen oder Dhd24.de massig angeboten werden oder gehen in ein Tiergeschäft und kaufen sich ein kleines Kaninchen oder Meerschweinchen“, so Gaby Strobel-Maus vom Sinsheimer Tierheim. 

Falls jemand doch in der Weihnachtszeit das Tierheim aufsucht, wird er kontrolliert und muss (wie in allen Tierheimen) einen Schutzvertrag unterzeichnen und eine Schutzgebühr zahlen. Von einem Vermittlungsstopp hält Strobel-Maus nichts:Der Gedanke, dass die Tiere mindestens drei Wochen lang keine Chance haben, ein Zuhause zu bekommen und die ganzen Feiertage alleine im Zwinger sitzen müssen und da dann oft nur Notbesetzung in den Tierheimen ist, finde ich traurig.“

Was passiert mit den Tieren, die unter dem Weihnachtsbaum landen?

Wir haben auch schon ungewollte Tiere, die zu Weihnachten verschenkt wurden, bekommen, aber diese Tiere waren nicht aus dem Tierschutz“, erklärt Gaby Strobel-Maus weiter. 

Direkt nach Weihnachten bekommen aber die Tierheime in der Region kaum Schützlinge zurück. Im Februar und März werden jedoch wieder viele Vierbeiner lieblos ausgesetzt. Karin Schuckert vom Walldorfer Tierheim geht davon aus, dass hierbei eine Verbindung zu Weihnachten bestehe. Die neue Familie bekommt zum Feiertag den süßen, kleinen Welpen. Doch nach und nach überfordert er sie und sie wollen ihn wieder loswerden. 

Tierisch gut – Zwei- und Vierbeiner feiern Weihnachten

Simone Jurijiw vom Frankenthaler Tierheim sagt dazu: „Kurz vor den Osterferien werden Weihnachtsgeschenke, die in Zoofachhandlungen oder Internetportale gekauft wurden, abgegeben.“ Dieser traurige Umstand habe sogar in den letzten Jahren zugenommen.

Fazit: Ein Tier ist niemals eine Sache, die man einfach mal so verschenkt! Ein Tier – egal ob der große Bernhardiner, die flauschige Perser-Katze oder die winzige Spitzmaus – bedeutet eine große Verantwortung. Man muss sich viel Zeit nehmen und eine gerechte Chance geben. Wer das macht, wird einen treuen Freund an seiner Seite haben – und das ist ja wohl das größte Geschenk, das man bekommen kann. 

jol

Quelle: Mannheim24

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