Was bringt die Zukunft?

Der Jungbusch im Wandel der Zeit 

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Der Jungbusch im Wandel: 2015 wurde das Kreativwirtschaftszentrum C-Hub eröffnet.

Mannheim-Innenstadt - Besonders die Schließung der Aral-Tankstelle sehen einige Jungbusch-Fans symptomatisch für die Gentrifizierung des belebten Künstler-Stadtteils. Ein Blick in die Zukunft: 

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Durch den günstigen Wohnraum war der Jungbusch vor vielen Jahren besonders für Migrantenfamilien mit geringen Einkommen attraktiv. Später, mit dem Bau der Popakademie, des Musikparks und der Wohnheime zog es auch immer Studenten und junge Künstler in den Busch – der Stadtteil wurde hip. 

Doch die Bewohner mussten für die günstigen Mieten auch einiges in Kauf nehmen: In den 90er- und 00-Jahren gab es in den meist unsanierten Altbauten teilweise keine Zentralheizungen und auch keine Telefonanschlüsse. 

Noch heute werden einige Wohnungen nur mit einem Holz- oder Brikettofen beheizt, was sie besonders im Winter schnell auskühlen lässt. Auch die Bausubstanz der Wohnungen ließ im unsanierten Zustand zu wünschen übrig. Mit vergammeltem Stroh als Dämm-Material in den Decken und von maroden und feuchten Wänden, hätte es keine dieser Wohnungen in das Magazin von „Schöner Wohnen“ geschafft. 

Die Beilstraße im Jungbusch.

Aber günstig waren sie und boten somit vor allem Künstlern und Studenten schier unendliche Möglichkeiten zum kreativen Austoben – auch weil sich kaum einer über den Lärm beschwerte. 

Belastend für die Anwohner des Jungbuschs war eher die Drogen- und Trinkerszene, die sich entweder vor dem Jungbuschmarkt oder in der Beilstraße versammelte. Die Akteure im Jungbusch haben sich deshalb 2015 an die Stadtverwaltung und an den Runden Tisch „Drogen“, an dem neben der Suchthilfe auch die Polizei und der Kommunale Ordnungsdienst sitzen, gewandt und um Unterstützung gebeten, die auch gewährt worden ist

Zwar findet man zwei Jahre später kein Besteck mehr auf den Straßen und auch nicht mehr so viele Scherben auf dem Boden, die Drogenabhängigen und Trinker sind jedoch zumindest unter der Woche tagsüber immer noch da. Wilder Sperrmüll und Hundekot runden das Bild ab. 

Besonders im Jungbusch findet man viel wilden Sperrmüll.

Doch den Charme des Jungbuschs macht auch seine Vielseitigkeit aus: So finden im Jungbuschzentrum regelmäßig Veranstaltungen und Konzerte statt, es gibt Angebote für Kinder auf dem Spielplatz in der Beilstraße, auf den Straßen herrscht immer ‚Multikulti-Highlife‘ – langweilig wird einem im Jungbusch also keineswegs.   

Durch die zugezogenen Studenten etablierte sich der Jungbusch dann langsam als Ausgehmeile. Viele wollten ein Stück vom Kuchen abhaben und eröffneten Bars und Restaurants, plötzlich horchten zahlreiche Investoren und Immobilienfirmen auf.  

Seit Jahren wird im Jungbusch gekauft, investiert, gebaut und saniert. 2015 wurde das Kreativwirtschaftszentrum C-Hub eröffnet, in wenigen Tagen steigt einige Meter weiter das Richtfest des ehemaligen Silos der Kauffmannmühle. In dem umgebauten Silo sind zahlreiche Lofts entstanden.

Der Jungbusch im Wandel: 2015 wurde das Kreativwirtschaftszentrum C-Hub eröffnet.

Durch die Sanierungen und Neubauten findet zwar eine Aufwertung des Multikulti-Stadtteils statt, gleichzeitig steigen aber auch die Mietpreise. Viele der Bewohner können sich die Wohnungen nicht mehr leisten und ziehen weg. Andere ertragen den Lärmpegel unter der Woche und vor allem am Wochenende durch die sogenannten ‚Sauftouristen‘ nicht mehr und verlassen deswegen den Jungbusch. 

Die Zahl der Polizeieinsätze in Jungbusch ist zwar in den letzten Monaten zurückgegangen, tut aber ihr Übriges, um das Gefühl „Was soll ich hier überhaupt noch?“ zu verstärken.

Wie sieht die Zukunft des Jungbusch aus? 

Ein mögliches Szenario: Durch die Neubauten wird noch mehr Kapital in den Jungbusch fließen, einige Anwohner werden dabei auf der Strecke bleiben. Schon jetzt werden sanierte 3-Zimmer-Wohnungen in der Jungbuschstraße für 1.000 Euro Warmmiete angeboten – vergleichbare Wohnungen auf der gegenüberliegenden Straßenseite gibt's schon für 600 Euro warm. 

Die Folge auf lange Sicht: Nur noch Menschen mit gut gefülltem Geldbeutel werden sich in ein paar Jahren eine Wohnung im Jungbusch leisten können – die Bewohner mit geringem Einkommen werden wegziehen. 

Die Ausgehmeile hat ihren Zenit so langsam erreicht. Ausgehwütige verteilen sich jetzt schon nicht gleichmäßig auf alle Locations, einige Hotspots sind ‚in‘, in anderen herrscht auch zur Primetime am Wochenende gähnende Leere. Einige Läden werden schließen oder umziehen müssen, entweder weil ihnen durch das Überangebot Gäste wegbleiben, oder weil sich die Nachbarn zu häufig über den Lärm beschweren.

Vielleicht werden andere Gastronomiekonzepte die bestehenden ersetzen. Vielleicht wird es mehr Restaurants geben, einen Bäcker, ein Blumenladen – wer weiß ...

Es wird ruhiger und sauberer sein, weitere Büros werden eröffnet, das Nachtleben findet woanders statt. Der Jungbusch wird nicht mehr für das Alternative, Multikulturelle, Kreative, und ein bisschen Gefährliche stehen, sondern wird zur neuen Oststadt mutieren. Das kann man gut finden. Oder auch nicht. 

Bis es soweit ist, erfreuen wir uns am Samstag (5. August) aber erst einmal an einer Käsebrezel und einem Konzert unter freiem Himmel beim Käsebrezel-Festival.  

An Aral-Tankstelle: Jungbusch-Fans feiern ihre Käsebrezel!

kp

Quelle: Mannheim24

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