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Eine Jacke, ein Gürtel oder Hygieneartikel – auf der Straße freut man sich über „alltägliche“ Gebrauchsgegenstände.

MANNHEIM24 auf Tour

Weihnachten auf der Straße: „Wichtel“ besuchen Obdachlose

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Mannheim – Die „Mannheimer Wichtel“ sind am Samstag in der Stadt auf Tour, um Obdachlosen zu helfen. Wir haben die Ehrenamtlichen begleitet und erlebt, wie kleine Dinge große Freude machen können.

Treffpunkt 10 Uhr vor dem Bäckereiladen am Marktplatz: Noch einen Kaffee trinken, eine Kleinigkeit frühstücken. Und los gehts. 

Die Mission: den Mannheimer Obdachlosen Dinge geben, die sie brauchen, einen Augenblick zuhören, was sie zu erzählen haben, dazu eine Kleinigkeit, wie einen Apfel, ein paar Mandarinen oder eine Handvoll Kekse. Kurz: eine Freude bereiten. Es ist Samstag vor dem vierten Advent: in der Stadt weihnachtet es sehr – auch bei Mannheims Bedürftigsten.

Auf Tour mit den „Mannheimer Wichteln"

Mitten in den Quadraten steht als Anlaufpunkt ein Auto, voll mit gespendeten Pullovern, Hosen, Mützen, Isomatten, Handschuhen und Sachen, die für die allermeisten von uns „alltägliches Zeug“ sind. Bei Männern und Frauen, die „Platte machen“, sorgen sie für leuchtende Augen und ein hocherfreutes Dankeschön.

Michael sitzt vor dem alten Rathaus, verkauft dort seine Obdachlosenzeitung und ein paar Postkarten aus vergangenen Tagen, verdient sich so den einen oder anderen Euro. Als er Vanessa sieht, weiß er, dass dieses Mal sie etwas für ihn dabei hat: eine warme Jacke und eine neue Wollmütze, die alte macht es nicht mehr lange. Die Mütze, die er letzens bekommen hat, sei ihm zu klein gewesen, „die habe ich weiter gegeben". Man hilft sich also, und das freut auch die Wichtel. Handschuhe mag er nicht so, verrät Michael uns und steckt seine Hände wieder in seine Jackentasche. Wir würden ihm gerne noch etwas länger zuhören, aber wir müssen weiter. „Etwa 30 bis 40 Männer und Frauen werden wir heute treffen“, schätzt Stephanie Dewald (30), die die Tour organisiert.

Am Paradeplatz treffen wir gleich eine ganze Gruppe Männer. Auch ihnen sieht man die Freude sofort an, als Stephanie mit ein paar Pullovern in der Hand „Hallo“ sagt und fragt: „Braucht ihr was?“ Nicht nur über die Pullover freuen sie sich, auch über Zahnbürsten, Zahnpasta und Duschgel. Es ist auch ein Gürtel dabei. Der ist zwar deutlich zu lang, mit einem Messer wird schnell ein neues Loch reingestochen – dann passts, die Hose sitzt wieder und einer der Männer strahlt – so einfach kann man eine Freude machen.

Eine Ecke weiter treffen wir Olga. Auf den ersten Blick könnte man meinen, sie sitzt da und ruht sich aus. Beim zweiten Mal Hinsehen erkennt man aber, dass auch sie auf der Straße lebt. Pflaster für ihre wunden Finger – das ist es, was sie braucht. Dazu einen Schal und eine Mütze, die Farben passen gut zu ihr. Danke will sie mit einem Bibelvers sagen, den sie uns leider nicht vorlesen kann – ihre Bibel, die sie immer mit sich trägt, ist in kyrillischer Schrift. Wie es der Zufall so will, kommt ihre Bekannte Doris dazu und schenkt ihr das Buch „Wenn Tiere reden könnten“ von Werner Gitt, auch in Kyrillisch. „Ich bin Christin, erklärt sie, „daher verstehen wir uns so gut.“

Heinrich sitzt auf den Planken. Man kennt ihn vielleicht vom sehen, bis vor einiger Zeit, hatte er noch einen weißen Rauschebart. Er erzählt von seinen Arztbesuchen und ist auch sichtlich erfreut, dass ihm ein paar Leute zuhören, sich Zeit für ihn nehmen. Auch für ihn gibt es Hygieneartikel, einen Schal und etwas Obst. Und auch ihm sieht man die Freude an. Er wünscht uns ein frohes Fest – wir ihm natürlich auch.

Wer die Ehrenamtlichen bei ihren Aktionen unterstützen will, kann die Facebook-Gruppe der Mannheimer Wichtel „liken“ und teilen – oder noch besser: selbst mitmachen. Oft sind es Kleinigkeiten, die ausreichen, um Menschen glücklich zu machen. 

Quelle: Mannheim24

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