Prozessauftakt am Landgericht

Angeklagter (25) gesteht Schüsse im Jungbusch!

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Aktenordner im Sitzungssaal (Symbolfoto).

Mannheim-Innenstadt – Die Schießerei im Jungbusch im Juni 2014: Jetzt der Prozessauftakt gegen Mehmet C. vor dem Landgericht. Der 25-Jährige hatte vier Mal um sich geschossen.

Versuchter Totschlag, gefährliche Körperverletzung, unerlaubter Besitz einer halbautomatischen Schusswaffe und Sachbeschädigung – bis zu 15 Jahre Haft drohen Mehmet C. vor dem Mannheimer Landgericht. Am Dienstag Prozessauftakt in Saal 1.

Der 25-Jährige gesteht, am 13. Juni 2014 nach einer Auseinandersetzung im Jungbusch vier Mal auf offener Straße um sich geschossen zu haben.

Mit an den Seiten rasierten, gegelten Haaren und Bart lächelt der in U-Haft sitzende Angeklagte seinen Freunden im Zuhörerraum zu. Er trägt Jeans und einen grauen Pulli.

Rechtsanwalt Jochen Hoos verliest die Stellungnahme seines Mandanten: „Um  19 Uhr rief mich Oguz mit sehr ernster Stimme an, bat mich um Hilfe. Sein Bruder sei mittags zusammengeschlagen worden und er wolle das jetzt mit der Großfamilie klären.

Mit einem Taxi fährt der führerscheinlose Gelegenheitsarbeiter zum Treffpunkt im Jungbusch – der ARAL-Tankstelle in der Hafenstraße. Von dort laufen Oguz K. und er in die Beilstraße. 

Noch wenige Stunden zuvor raucht Mehmet einen Joint – in der Nacht vor der Auseinandersetzung konsumierte er laut eigenen Angaben ein Gramm Kokain!

Vorsitzender Richter Dr. Ulrich Meinerzhagen am Mannheimer Landgericht. 

Vorsitzender Richter Dr. Ulrich Meinerzhagen fragt nach: „Wenn man zu einer Aussprache geht, nimmt man doch keine Waffe mit.  In meinen 15 Jahren am Landgericht Mannheim wurde noch nie im Jungbusch geschossen! Warum wollten Sie der Erste sein, der dort rumballert?“

Mehmet C. kleinlaut: „Ich habe die Waffe nicht gewohnheitsmäßig eingesteckt, sondern zur Sicherheit. Ich hatte keine Zeit, richtig zu entscheiden – und habe mich leider falsch entschieden... Ich habe nicht auf Personen gezielt, wollte keinen verletzen. Hätte ich dies gewollt, wäre dies ein Leichtes gewesen.“

Nur aus Angst um Ogus K.s und sein Leben, habe er von seiner Schusswaffe (Kaliber 7,65mm) Gebrauch gemacht.

Oberstaatsanwalt Reinhard Hofmann: „Der Angeklagte hat billigend in Kauf genommen, dass Menschen verletzt oder getötet werden. Erst recht als ungeübter Schütze...“ 

RÜCKBLICK

Oguz K. sei auf eine zehn- bis 15-köpfige Personengruppe zugegangen, habe nur gefragt, wer Probleme mit seinem Bruder habe. Sofort sei er mit einem Schlag ins Gesicht niedergestreckt, am Boden getreten und geschlagen worden.  

Damit die Meute von Oguz K. ablässt und weil Mehmet C. jemanden in der Gruppe mit einem großen Messer“ sieht, der ihn „mit Blicken fixiert“ habe, schießt der Angeklagte zur Warnung einmal in die Luft! 

Merkwürdig: Laut Zeugen-Aussagen sei gar nicht auf den am Boden liegenden Oguz K. eingeprügelt worden...

Als sich mehrere Männer Mehmet C. zuwenden, ihn ‚umzingeln‘, gerät der unter Platzangst leidende 25-Jährige in Panik, schießt im Weglaufen: „Ich habe durch eine Lücke in der Menge extra in den Rollladen geschossen, um denen zu zeigen, dass es keine Gaspistole ist! Es war ein großer Fehler, aber ich bin dankbar, dass ich eine Waffe dabei hatte. Sonst würde ich vielleicht heute nicht mehr hier sitzen...“

In der Mannheimer Beilstraße fielen die Schüsse.

Doppelt fatal: Da Mehmet C. weder einen Waffenschein besitzt, noch jemals geschossen hat, wird wie durch ein Wunder keiner der fünf in zehn Metern Entfernung vor dem Internet-Café Stehenden verletzt. Das Projektil durchschlägt in einer Höhe von 1,84 Metern Rollladen und Fenster (Sachschaden 1.264 Euro). Dem Angeklagten wird ein bedingter Tötungsvorsatz angelastet.

Als er flüchtet und den Mob hinter sich sieht, schießt Mehmet C. zwei weitere Male in den Boden. Er springt in ein Taxi, die Verfolger holen ihn ein, schlagen mit einem Baseballschläger die Seitenscheibe ein. 

Auf der Flucht wirft er die Pistole ins Gebüsch. Noch auf der benachbarten Jungbuschbrücke wird Mehmet C. festgenommen – einer seiner Verfolger tritt trotz Polizisten sogar noch nach.

Mehmet C. (Scheidungskind, schwere Kindheit, Alkohol und Drogen) ist kein unbeschriebenes Blatt: Bereits im Jahr 2013 wurde er zu einem Jahr Haft wegen Körperverletzung verurteilt, musste neun Monate davon absitzen. Erst nach seiner Haft beginnt er, Kokain zu nehmen, weil er „nicht so ganz klargekommen ist damit“. Und das nicht zu knapp: alle zwei bis drei Tage für rund 1.500 Euro im Monat.

Laut Oberstaatsanwalt Hofmann drohen Mehmet C. bis zu 15 Jahren Haft, er geht jedoch von einem Urteil im einstelligen Bereich aus.

Der Prozess wird am 5. Februar fortgesetzt.

pek

Quelle: Mannheim24

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