Eltern waren mit Täter befreundet

Sexueller Missbrauch an Kindern im Miramar: Urteil gefallen!

+
Im Landgericht Mannheim startet am Montag (26. November) der Prozess gegen den 51-jährigen Mike W. wegen sexuellen Missbrauchs.

Mannheim - Am Donnerstag wird das Urteil im Kindermissbrauchs-Prozess gegen den 51-jährigen Mike W. erwartet. Währenddessen kommen weitere Details ans Tageslicht:

+++ UPDATE (13. Dezember 12:08 Uhr): 

Am Donnerstagmittag fällt am Landgericht das Urteil im Missbrauchs-Prozess: Mike W. wird zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt! 

Die 7. Strafkammer legt dem einschlägig vorbestraften Mann am Donnerstag sexuellen Missbrauch eines acht- und eines neunjährigen Mädchens in 15 Fällen und Besitz kinderpornografischen Materials sowie Tankbetrug zur Last.

Mike W. ist bereits wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und des Besitzes kinderpornografischer Schriften vorbestraft. Die 2-jährige Haftstrafe wurde damals zur Bewährung ausgesetzt. Ob durch die von ihm begangene Taten ein sogenannter Bewährungsbruch begangen worden ist, muss das Gericht, das die Bewährungsaufsicht führt, entscheiden. Somit könnten aus den 2 Jahren und 9 Monaten Haft auch 4 Jahre und 9 Monate werden.  

Die Staatsanwaltschaft hatte 3 Jahre Haft gefordert. Strafmildernd hatte sich der Umstand ausgewirkt, dass der Angeklagte geständig war und sich kooperativ gezeigt hatte. Dadurch hatte er den Kindern erspart, in der Hauptverhandlung aussagen zu müssen.  

Laut Anwalt Maximilian Endler waren der Mann und die Familie der beiden Mädchen befreundet. Dem Vernehmen nach handelt es sich um ein Paar, dessen Tochter und eine Cousine des Mädchens. Es muss demnach davon ausgegangen werden, dass sich die Familie und der nicht aus der Region stammende Mann in dem Bad verabredet hatten.

Richter Dr. Joachim Bock merkt bei der Urteilsverkündung an, dass mehrfach die Frage in den Raum gestellt worden wäre, warum die Kinder sich überhaupt zu so einer späten Uhrzeit im Saunabereich des Miramars aufgehalten hätten. Dies sei jedoch nicht durch das Gericht zu beurteilen, sondern durch die Eltern der Kinder und die Betreiber des Freizeitbades. 

Ein Sprecher des Betreibers sagt, dass die Aufsicht über die Kinder die Eltern hätten. Den Aufenthalt im Saunabereich wolle man den Familien nicht verwehren. Die Eltern müssten entscheiden, ob sie das Angebot nutzen wollten. Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen hatte Eltern angesichts des Falls dazu aufgerufen, ihre Kinder im Schwimmbad im Blick zu behalten.

Der von der Anklagebehörde verlangte Haftbefehl wird nicht erlassen. Der Verteidiger, der eine Bewährungsstrafe erreichen wollte, will Revision zum Bundesgerichtshof einlegen. Zuvor hatte der Angeklagte in seinem Schlusswort angegeben, dass er sich seiner Verfehlungen bewusst sei und die Strafe annehmen werde. Das Urteil nimmt Mike W. gefasst auf. 

+++

+++ UPDATE (13. Dezember): Das Urteil im Missbrauchs-Prozess wird am Donnerstag erwartet. Wie der Presse-Berater des Freizeitbades Miramar, Hardy Prothmann, berichtet, sollen sich einige der Taten tatsächlich im Miramar zugetragen haben! Vorher wurde das nur vermutet – eine offizielle Bestätigung hat es zunächst nicht gegeben.

Außerdem sollen laut Prothmann die Eltern dem Angeklagten den Kontakt zu den beiden Mädchen gestattet haben! Sie sollen den mutmaßlichen Täter schon lange gekannt haben. Doch der Missbrauch wird erst angezeigt, nachdem ein Stammgast des Miramar den Bademeistern einen Hinweis gegeben hat.

+++

Am Montag (26. November) beginnt der Prozess gegen den 51-jährigen Mike W. aus Koblenz vor dem Landgericht Mannheim. Bereits vor gut zwei Wochen wird bekannt, dass sich der gelernte Dachdecker unter anderem wegen des Verdachts des mehrfachen sexuellen Missbrauchs zweier Kinder verantworten muss.  

Enorme Sicherheitsvorkehrungen: Öffentlichkeit und Pressevertreter beim Betreten des Verhandlungssaales. 

Die enormen Sicherheitsvorkehrungen, zu denen selbst Richter Dr. Joachim Bock sagt: „Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass es während eines Prozesses mit meiner Beteiligung Einlasskontrollen gibt“, haben damit nichts zu tun.  

Zu Beginn der Verhandlung stellt Verteidiger Endler den Antrag, den Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortzuführen, da ein Teil des Sexualleben des Angeklagten sowie der beteiligten Personen thematisiert werden wird. Nach kurzer Beratung mit den Schöffen beschließt der Vorsitzende Richter Dr. Joachim Bock abschnittsweise vorzugehen, den Ausschluss also vom jeweiligen Themenpunkt abhängig zu machen. „Wir werden peu à peu entscheiden“, sagt er. 

Sexueller Missbrauch und Herstellung von Kinderpornographie

Verständlich: Die Vorwürfe sind so brisant, dass Intimstes von Angeklagten und Zeugen zu Tage kommen wird. Dem gepflegten Koblenzer wird zwischen 2016 und 2017 18-maliger sexueller Missbrauch im Lauf der Jahre 2016 und 2017 vorgeworfen. Zudem soll er Unterwasseraufnahmen unbekleideter Kinder gemacht haben. 

Nach Ausschluss der Öffentlichkeit räumt der gelernte Dachdecker ein, sich an beiden Kindern vergangen zu haben, heißt es laut Deutscher Presse Agentur.

Ob die Vorfälle sich im Miramar zugetragen haben, ist nach wie vor nicht bestätigt. Die zeitliche Überschneidung eines vorgeworfenen und eines dort statt gefundenen Falles und nicht zuletzt die Anwesenheit von Hardy Prothmann - Presse-Berater des Miramar - sprechen aber dafür. 

Als weitere Delikte nennt die Staatsanwältin den Besitz von Kinder- und Jugendpornographie und Magazinen mit ebenso pornographischen Inhalten Minderjähriger. Zudem soll er versucht haben selbst kinderpornographisches Material zu produzieren. Außerdem soll der Angeklagte Ende 2016 ein gestohlenes Kennzeichen an seinem Auto angebracht haben, um seinen Wagen zu betanken, ohne den Kraftstoff zu bezahlen. Der Betrag läuft sich auf 99 Euro. Das genannte ‚peu à peu‘ greift nur wenig später. 

Ausschluss der Öffentlichkeit

Zwar gibt der Angeklagte, gekleidet mit Brille, grauem Jacket und 10-Tage-Bart an, sich umfassend zu den Vorwürfen äußern zu wollen. 

Wie diese Äußerungen aussehen, erfahren wir jedoch nicht, da hier das ‚peu à peu‘ greift und die Öffentlichkeit und somit auch die Presse von der Vernehmung des 51-Jährigen ausgeschlossen werden. Nach der Vernehmung des Angeklagten soll der Prozess am Montagnachmittag mit der Zeugenbefragung fortgesetzt werden. 

Chh/kp/dpa

Quelle: Mannheim24

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare