Weil wir alle sie brauchen

Imker Heiko aus der Pfalz: Wenn Bienenzucht zur Bienensucht wird

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Heiko Zinn (2. v. links) ist Imker aus Leidenschaft. 

Mannheim-Vogelstang - Bienen gibt's kaum noch? Stimmt. Wohl aber in Heiko Zinn's Imkerei. Und zwar in Hülle und Fülle. Was an den schwarzgelben Brummern so faszinierend ist:

Es ist 10 Uhr morgens. Wir sitzen in einer Fressnapf-Filiale. Warum ausgerechnet hier? Nun ja, Heiko Zinn ist nicht nur leidenschaftlicher Bienenzüchter, sondern auch Fressmarkt-Filialleiter. Ein Mann, der seinen Beruf zum Hobby gemacht hat und wirklich alle Tiere liebt

Als wir mehr über seine Imkerei erfahren wollen, verraten seine leuchtenden Augen aber, dass Bienen ihm besonders am Herzen liegen. 

Wie alles anfing

Bereits seit vier Jahren kümmert sich der Pfälzer gemeinsam mit seiner Familie um mehr als 50 Bienenstöcke. „Wir ernten Honig, vermehren Bienen und züchten Königinnen“, erzählt er begeistert. 

Natürlich ist dies mit jeder Menge Arbeit und auch einer gewissen Portion Gefahr verbunden. 

Bienen können stechen, müssen aber nicht!

Oberste Pflicht: Ruhe bewahren! Der Bienenexperte erklärt, was das genau bedeutet: „Wer Bienenzucht betreibt, muss dies genau, fast minutiös tun. Im Vorbeigehen kann das nicht funktionieren. Vielmehr muss man sich darauf einlassen und mit größtmöglicher Präzision an die Arbeit gehen. Eigene Unruhe überträgt sich zwangsläufig auf die Bienen.“




Was passiert, wenn man doch mal hektisch wird?

Ganz einfach, es wird zugestochen

„Bienen merken sehr schnell, ob man hektisch ist. Dann bist du der Feind. Sieht dich eine der Bienen als solchen, sind die anderen nicht weit.“ 

Dass das nicht schlimm sein muss, weiß der Mannheimer aus eigener Erfahrung. 20 bis 30 Bienen haben ihn schon gleichzeitig in den Arm gestochen. Die Folgen: „Eigentlich keine Gravierenden“, schmunzelt der Bienenfreund. Aber nur dank seines Imker-Anzugs, ohne den der erfahrene Bienenzüchter nie ans Werk geht. 

Steckt der Stachel doch in der Haut, dringt mit jedem je ein Giftbläschen ein, dass sich dort langsam entleert. 

Dabei ist jeder Bienenstich eine Entscheidung gegen, nicht für das Leben. Die Angreifer sterben nämlich nach zwei bis drei Tagen, da samt Stachel ein Stück ihres Hinterleibes herausgerissen wird.

 

„Nun ja, warum nicht. Man könnte sagen, dass ich meinen Beruf zum Hobby gemacht habe. Ich habe täglich mit Tieren zu tun. Vor vier Jahren kamen eben noch Bienen hinzu. Tiere faszinieren mich eben grundsätzlich. Nicht umsonst gibt es bei uns die Adoptierstube.“ 

>>> ‚Adoptierstube‘: Fressnapf-Markt wird neues Schaufenster für Tierheim

Auf die Bienenzucht wurde Heiko Zinn zum ersten Mal durch einen Imkerkurs aufmerksam, der ihn nachhaltig beeinflusst und auch nachdenklich gemacht hat: 

„Bienen sind ungemein wichtig für unser Ökosystem. Ohne sie fehlt es anderen Tieren an Nahrung. Es kommt zu Ernteausfällen. Und auch unsere blütenbunten Städte würden an Farbenpracht verlieren. Ich hoffe, dass es möglichst schnell zu einem Umdenken kommt." 

Dass es ausgerechnet sein Steuerberater war, der ihm anfangs half, scheint dabei fast ironisch. Erfolgreich war es dennoch. Resultat nach vier Jahren ist eine eigene kleine Imkerei, die 50 Bienenvölkern ein zu Hause bietet und zudem eine Menge Honig abwirft.

Der Ertrag

„In diesem Jahr kommen wir auf etwa 800 Kilo Honig. Ein tolles Ergebnis“, freut sich der Imker. 

>>>Imkerei Zinn<<<

Leicht war das aber nicht. Aufgrund der hohen Temperaturen in diesem Jahr war das Tragen des Schutzanzuges kaum länger als zwei oder drei Stunden möglich, da es dann schlicht zu heiß wurde. 

Nur zwischen 7 und 10 Uhr morgens war das Arbeiten möglich. Zum Glück ist das - zumindest in diesem Jahr - bald vorbei, da nun die ‚faulen‘ Winterbienen kommen.

 

Winterbienen sind nämlich lange nicht so aktiv wie ihre sommerlichen Verwandten. „Im Gegensatz zu Sommerbienen, die gelegentlich nur vier bis sechs Wochen alt werden, können Winterbienen ein stolzes Alter von bis zu zehn Monaten erreichen." 

Sommerbienen sind einfach fleißiger. Sie holen Pollen und lagern Nektar ein, sorgen für das Bienenvolk sowie für den Honig des Imkers. Ihre frostigen Freunde hingegen schlüpfen erst im Herbst. Clever, da es dann nicht mehr so viel zu sammeln gibt. 

Um den Stock warm zu halten, bilden sie eine Traube und erzeugen mit ihrer Flugmuskulatur Wärme. Sie bringen das Bienenvolk so über den Winter und sichern sein Überleben.

Wenn das Hobby mit nach Hause kommt

Da das Züchten in der eigenen Imkerei nicht genug ist, zieht Familie Zinn auch am eigenen Haus Bienenvölker groß. „Wir peppeln sie hier hoch, um sie später rüber in unsere Imkerei zu bringen.“ 

Da Zucht zur Sucht werden kann. Einer guten Sucht, die hoffentlich noch den ein oder anderen befällt.

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chh

Quelle: Mannheim24

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