1. Heidelberg24
  2. Region

Corona-Masken: Tragen wir seit Frühjahr den falschen Mund-Nasen-Schutz?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Josefine Lenz

Die meisten Menschen haben eine Stoff- oder OP-Maske zu Hause. Doch neueste Forschungen haben ergeben, dass eine davon gar nicht so gut ist:

Seit Ende April gilt in Deutschland die Maskenpflicht. Seither müssen wir in Supermärkten, im ÖPNV und beim Stadtbummel einen Mundschutz tragen. Die Mund-Nasen-Bedeckung ist eins der wichtigsten Hilfsmittel gegen die Coronavirus-Pandemie. Denn laut Robert-Koch-Institut (RKI) hält eine Maske die Tröpfchen, die beim Reden, Niesen und Husten entstehen, zurück. Da sich Corona über eine Tröpfcheninfektion und herumschwebende Aerosole verbreitet, kann ein Mundschutz helfen, die Pandemie einzudämmen.

KrankheitCoronavirus
ÜbertragungTröpfcheninfektion
VerlaufEtwa 80 Prozent der Infektionen verlaufen milde bis mittelschwer

Es gibt unterschiedliche Maskenarten, die auch unterschiedlichen Schutz vor Corona bieten. Es gibt die sogenannten FFP2-Masken, die sowohl den Träger als auch die Mitmenschen vor Corona schützen. Dann gibt es noch die OP- beziehungsweise Einweg-Masken und die Stoff- beziehungsweise Alltagsmasken. Beide Mundschutz-Arten schützen in erster Linie die anderen und nicht den Träger. „Der Eigenschutz durch MNB ist bisher wissenschaftlich nicht belegt“, heißt es vom RKI.

Maskenpflicht in Deutschland: Tragen wir seit Frühjahr falsche Masken?

Stoffmaskenbestehen meist aus handelsüblichen, unterschiedlich eng gewebten Baumwollstoffen und entsprechen in ihrer Funktionsweise am ehesten einem medizinischen Mund-Nasen-Schutz (MNS). Sie sind jedoch i.d.R. keine Medizinprodukte und unterliegen nicht entsprechenden Prüfungen oder Normen“, so der RKI weiter. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erklärt jedoch: Durch das richtige Tragen guter ‚Alltagsmasken‘ kann also nach derzeitigem Erkenntnisstand die Gefährdung durch erregerhaltige Tröpfchen deutlich gemindert werden.“

Geht man also von diesem Kenntnisstand aus, ist es kaum verwunderlich, dass man auf den Straßen fast nur Stoffmasken und Einwegmasken sieht. Nun haben aber Experten erschreckende Erkenntnisse aus mehrere Studien gewonnen – jetzt steht die Frage im Raum: Tragen wir seit rund sieben Monaten falsche Masken?

Maskenpflicht in Deutschland: Wie gut sind Stoffmasken wirklich?

FFP2-Masken waren zu Beginn der Corona-Pandemie rasch ausverkauft und wurden in erster Linie für medizinische Zwecke benötigt. Wer also aufgrund der Maskenpflicht schnell einen Mundschutz brauchte, der kaufte Einwegmasken oder Stoffmasken. Es wimmelte zeitlich im Netz von Anleitungen und Tipps für selbstgemachte Mund-Nasen-Bedeckungen.

Am Ende hat wahrscheinlich jeder von uns mindestens eine Stoffmaske zu Hause. Allerdings besteht jetzt die Gefahr, dass wir über Monate hinweg falsche Masken benutzt haben. Hintergrund sind die Ergebnisse mehrere Studien.

Wie die ZEIT berichtet, glauben viele Forscher, dass Stoffmasken als Standard im Kampf gegen das Coronavirus nicht immer optimal sei. „Wer sich selbst wirklich schützen will, sollte die chirurgischen Masken nehmen, die filtern wesentlich besser als die Stoffmasken“, sagt Franz Daschner, emeritierter Professor für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene aus Freiburg. Die OP-Masken seien zudem so billig, dass man sie häufig wechseln könne. Daschner erklärt, dass Aerosole trotzdem durch die Stoffmasken gelangen und so den Träger mit Corona infizieren können.

Wie gut ist die Stoffmaske? Einfacher Mini-Test bringt Klarheit

Daneben muss ein Mundschutz richtig getragen werden, damit er auch wirklich etwas bringt. Konkret müssen diese Regeln laut dem BfArM beachtet werden:

Masken-Vergleich: So gut sind FPP2-, OP- und Stoffmasken

Bei einem Versuch von US-amerikansichen Forschern hat man FFP2-Masken mit Stoff- und OP-Masken verglichen. Man hat geschaut, wie viele Atemtröpfchen beim Sprechen durch die Masken gelangen. Gewinner war die FFP2-Maske, danach die OP-Maske. Die Stoffmaske unterschied sich im Material: Zwei Lagen Polypropylen oder eine Lage Polypropylen und eine Lage Baumwolle schnitt fast gleich mit der OP-Maske ab. Aber ein Mundschutz aus reiner Baumwolle – also wie bei vielen selbstgemachten Masken – ist deutlich durchlässiger. Völlig unnütz sind Haltücher und Schals aus synthetischen Fasern.

Wer als Normalbürger sicher sein will oder aus gesundheitlichen Gründen sichergehen muss, sollte eine gut sitzende FFP2-Maske nehmen“, sagt Hygieniker Daschner gegenüber der ZEIT. Von FPP2-Masken mit Ventil sollte man lieber die Finger lassen, da auch sie wieder die Luft ungefiltert nach draußen lassen. (jol)

Auch interessant

Kommentare