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„Unzumutbar“: Ministerium schimpft gegen Katzen-Arrest in Walldorf

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Von: Marten Kopf

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Walldorf - Der Hausarrest für Katzen schlägt weiter Wellen. Das Agrarministerium in Stuttgart hält die Maßnahme für kaum praktikabel.

Schon seit gut 20 Jahren ist der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz formuliert. Vermutlich aber ist selten eine – zweifellos gut gemeinte – Entscheidung zum Tierwohl auf derartigen Widerstand aus der Bevölkerung gestoßen. Eine eigentlich unscheinbare Verfügung der Unteren Naturschutzbehörde des Rhein-Neckar-Kreises nämlich verbietet Katzen in einem Teil des Städtchens Walldorf den Freigang.

VogelHaubenlerche
OrdnungSperlingsvögel
VerbreitungEuropa, Afrika, Asien

Bürgermeister zu Hausarrest für Katzen in Walldorf: „Realitätsfern“

Natürlich dient die Verfügung dem Tierschutz. Aber nicht etwa dem der Katzen – denen dürfte das im Gegenteil gar nicht gefallen – sondern dem der vom Aussterben bedrohten Haubenlerche. Ganze drei Lerchen-Brutpaare zählte die Behörde im vergangenen Jahr noch auf Walldorfer Gebiet. Und um die während der Brutzeit nicht zu gefährden, bekommen Katzen jetzt Hausarrest verordnet.

Das stößt nicht nur bei betroffenen Katzenhaltern auf Unverständnis. Als „realitätsfern“ bezeichnet etwa auch Walldorfs Bürgermeister Matthias Renschler diesen Katzen-Arrest. Der örtliche Tierschutzverein prüft derweil bereits juristische Schritte, hält die Maßnahme für unverhältnismäßig: Von einer „scheinheiligen Diskussion“ spricht gar der Vereinsvorsitzende wegen des Katzen-Arrests in Walldorf, womit die Abwägung Katzen- versus Lerchenwohl gemeint ist.

Beschreibung des Gefahren- und Geltungsbereiches zur Allgemeinverfügung Haubenlerche
Innerhalb des grün markierten Bereichs müssen Walldorfer Katzen bis Ende August zu Hause bleiben. Rot markiert der Bereich, in dem die Lerchen während der letzten beiden Jahre nisteten. © Rhein-Neckar-Kreis/Screenshot HEADLINE24

Freilauf-Verbot für Walldorfer Katzen: „Aus Tierschutzgründen unzumutbar“

Der Tierschutz liegt im Verantwortungsbereich des Landes. Und tatsächlich hat das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg eine Meinung zu der Sache. Die überrascht ein wenig. Eine praktische rechtliche Umsetzung einer Begrenzung des Freilaufs von Hauskatzen wird aus Sicht des Ministeriums nämlich kaum praktikabel sein. Es verweist auf eine ähnliche Fragestellung und Entscheidung des Petitionsausschusses des Bundestages vom Februar:

Demnach sei es aus Tierschutzgründen unzumutbar, Hauskatzen jeglichen Freilauf zu verbieten. Zudem sei es ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Rechte von Tierhaltern, wenn diese ihre Gärten vollständig umzäunen müssten, um ein Entkommen der Katzen zu verhindern, oder wenn die Anschaffung von Hauskatzen schlechthin verboten wäre.

Katzen-Arrest in Walldorf: Katzen an die Leine?

Nun hatte die Naturschutzbehörde in ihrer Verfügung durchaus einige Möglichkeiten aufgeführt, wie man Katzen trotz Verbots eben doch Freilauf gewähren könnte. An der Leine beispielsweise. Die darf dann zwar nicht länger als zwei Meter sein, aber immerhin. Doch auch diese Alternative hatte der Bundestagsausschuss im Februar schon diskutiert. Das Ergebnis: Es ist „mit dem Wesen von Katzen unvereinbar, sie beim Freilauf an der Leine zu halten“. Es regt sich mittlerweile auch Widerstand gegen die Katzen-Ausgangssperre. Zwei Besitzer legen Widerspruch ein.

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Das sieht im Übrigen auch der Deutsche Tierschutzbund so – und zeigt auf die wahren Schuldigen für die Gefährdung der Haubenlerche. In einer Stellungnahme vom 18. Mai heißt es: „Hauskatzen als „Schuldige“ für die Gefährdung bestimmter Vogelarten zu definieren, heißt auch, sie ausbaden lassen, dass der Mensch über lange Zeit Lebensräume und Nahrungsangebot für wildlebende Arten zerstört hat und diese so in ihrer Existenz bedroht.“ (mko/dpa)

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