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Bluttat in Sinsheim: Sinan (†13) brutal erstochen – Auftakt im Mord-Prozess

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Von: Marten Kopf

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Sinsheim/Heidelberg - Nach dem sinnlosen Tod eines 13-Jährigen nimmt die Polizei einen erst 14-Jährigen fest. Nun hat in Heidelberg der Mord-Prozess begonnen:

„Ermittlungen wegen Verdachts eines Tötungsdelikts eines 14-jährigen Jugendlichen zum Nachteil eines 13-jährigen Kindes in Sinsheim-Eschelbach abgeschlossen; Staatsanwaltschaft Heidelberg erhebt Anklage“. So nüchtern überschreibt die Staatsanwaltschaft Heidelberg Mitte Juli eine Pressemitteilung zu einem Verbrechen jenseits jeglicher Vorstellungskraft. Denn die Tat sorgt bis heute für Entsetzen: Nicht nur, dass ihr im Februar ein 13-Jähriger zum Opfer fällt – der mutmaßliche Täter ist selbst nur ein Jahr älter und bereits wegen eines Messerangriffs auf einen Mitschüler polizeibekannt.

Am Mittwochmorgen (20. Oktober) hat der Prozess gegen den zur Tatzeit 14-Jährigen vor dem Landgericht Heidelberg begonnen. Er soll den etwa gleichaltrigen Sinan Anfang des Jahres im Sinsheimer Stadtteil Eschelbach (Rhein-Neckar-Kreis, Baden-Württemberg) hinterrücks mit mehreren Messerstichen getötet haben. Aus Eifersucht.

Eschelbach: 14-Jähriger ersticht 13-Jährigen hinterrücks aus Eifersucht

Die Heidelberger Staatsanwälte gehen davon aus, dass die Tat detailliert geplant war. Als Motiv vermutet die Anklage die Eifersucht wegen eines Mädchens. Sie gehen davon aus, dass der 14-Jährige sein Opfer hinterrücks mit mehreren Messerstichen umgebracht hat. Er soll Sinan am 24. Februar in einem Waldstück in Sinsheim aufgelauert haben, als der Junge dort mit einem Mädchen spazieren ging. Den Vorwürfen zufolge spricht der Angreifer Sinan an, stürzt sich von hinten auf ihn – und sticht ihm mit einem Messer dreimal in den Rücken, als er schon am Boden liegt. Der 14-Jährige habe ihn auch an Brust und Hals verletzt, wobei die Hauptschlagader getroffen worden sein soll. Sinan stirbt kurz darauf.

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Die Polizei findet den 14-Jährigen mit einem Küchenmesser in der Hand neben der Leiche des Jungen und dem Mädchen im Stadtteil Eschelbach. Er beteuert seine Unschuld und schweigt dann Ermittlerangaben zufolge. Hinter der Tat steckte nach damaligen Erkenntnissen ein Eifersuchtsstreit um das zwölfjährige Mädchen.

Mordfall Sinan: Mutmaßlicher Täter polizeibekannt

Der Fall hat weit über Sinsheim hinaus Aufsehen erregt und eine Debatte über den Umgang mit Tätern im Alter um die Strafmündigkeit ab 14 Jahren entfacht, zumal der Verdächtige der Polizei bekannt war: Im November 2020 verletzt er einen Mitschüler an einer Realschule in Östringen im Landkreis Karlsruhe mit einem Messer schwer. Danach kümmert sich das Jugendamt um die Familie. Eine Gefahr für das Kindeswohl sieht man aber nicht, ein Familiengericht wird nicht eingeschaltet. Der damals strafunmündige 13-Jährige kommt nach Angaben der Behörde stattdessen für drei Wochen stationär in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendpsychiatrie unter – und nimmt dort an einem Programm gegen Gewalt als Mittel der Konfliktlösung teil.

Dass der 14-Jährige nun wegen Mordes vor Gericht steht, geht auf die Einschätzung von Sachverständigen zurück. Die Staatsanwaltschaft hatte Experten zurate gezogen und war zu dem Schluss gekommen, dass der Jugendliche strafrechtlich verantwortlich sei, „dass er also nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung reif genug war, das Unrecht seiner Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln“. Das Mädchen, mit dem das Opfer im Wald spazieren war, soll in den Plan des Angeklagten involviert gewesen sein.

Nach Mord in Eschelbach: Bis zu zehn Jahre Haft für Täter – Trauermarsch für Opfer

In dem Verfahren vor der Großen Jugendkammer in Heidelberg geht es aber nur um den 14-Jährigen, nicht um das Mädchen. Zehn Fortsetzungstermine hat das Gericht in einem ersten Schritt angesetzt. Es will 34 Zeugen und drei Sachverständige hören. Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Angeklagte habe an diesem ersten Prozesstag Angaben gemacht, sagt eine Gerichtssprecherin, mehr könne und dürfe sie aber nicht preisgeben. Denn wegen des Alters des Täters gelten gesetzliche Vorgaben zum Jugendschutz. Ein Urteil soll frühestens im Dezember fallen. Für die Tat droht eine Jugendstrafe von bis zu zehn Jahren.

Der Getötete – wie der Angeklagte mit deutsch-türkischer Staatsbürgerschaft – wurde nach islamischem Recht beerdigt. Rund 900 Menschen kamen am Wochenende nach der Tat zu einem Trauermarsch in den Ort. Am Mittwoch sind vor den verschlossenen Türen des Gerichtssaals keine Angehörigen zu sehen. Etwas erhöht scheinen die Sicherheitsmaßnahmen, so der Eindruck vor Ort: ein paar Justizbeamte mehr als sonst, eine Polizeistreife ums Gericht. (dpa/mko)

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