Prozessauftakt am Landgericht Mannheim

Familiendrama von Neulußheim: 18-Jähriger auf Anklagebank

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Mannheim/Neulußheim - Im September 2016 geht ein damals 18-Jähriger mit einem Messer auf seine Eltern los, verletzt sie lebensgefährlich. Jetzt beginnt der Prozess am Landgericht Mannheim.

Den Blick gesenkt, die Hände in den Taschen - so betritt Lyuboslav G. am Montagmorgen den Verhandlungssaal im Landgericht Mannheim. Er wirkt schüchtern, unscheinbar – fast  noch wie ein Kind. Umso schockierender der Grund, warum der 19-Jährige auf der Anklagebank sitzt. 

Am 3. September 2016 greift G. gegen 6:30 Uhr seine Mutter und seinen Vater mit einem Messer an und versuchte sich anschließend selbst zu töten. 

Mit sechs Stichen verletzt er den Vater, Lasko G., so schwer, dass dieser nur mit viel Glück überlebt. Seine Mutter, Lybka G., erleidet ebenfalls schwere Verletzugen - ihr werden durch die Stiche Muskeln und Sehnen am Arm durchtrennt. 

Zwei Tage später wird gegen den Jungen ein Haftbefehl erlassen.

Fotos: Familiendrama: Vater, Mutter und Sohn schwer verletzt

Die Tat: Die Familienmitglieder beschreiben den Vorabend des 3. September 2016 als „vollkommen gewöhnlichen Tag“. G. und sein Vater gehen einkaufen, die Mutter arbeitet und am Abend essen sie zusammen und trinken Wodka. Wie viel sie getrunken haben, können alle nicht beantworten. Es sei nicht besonders viel gewesen, doch laut Aussage des Vaters „wirkt der Alkohol bei G. schnell“. Der Blutalkoholtest nach der Tat wird einen Wert von 1,02 Promille ergeben. Außerdem ist in seinem Blut noch Ephedrin gefunden worden, das sich niemand erklären kann.

Den darauffolgenden Tag wollen sie gemeinsam im Holiday Park verbringen, weswegen der Vater früh ins Bett geht. Auch die Mutter schläft schließlich auf der Couch ein. Sie wacht um 6:30 Uhr auf und bemerkt, dass G. immer noch wach neben ihr sitzt.

Von da an geht alles sehr schnell: Die Frau bemerkt, dass ein nasses T-Shirt neben ihr liegt und möchte dieses ins Bad bringen. Dort sieht sie, dass der Duschvorhang abgerissen wurde und fragt ihren Sohn, was passiert sei. Der Vater wird nun ebenfalls wach und kommt ins Badezimmer. 

Ihr werdet gleich sehen, was hier los ist“, soll G. noch gesagt haben, ehe er angefangen habe, seinen Vater zu verletzten, um kurz darauf auch auf seine Mutter loszugehen. 

Die 46-Jährige erinnert sich nicht an alles, was an diesem Abend passiert ist. Jedoch habe G. noch gesagt, dass sie „alle in den Himmel kommen werden.“ Lybka will den Notruf wählen, doch ihr Sohn verbietet es ihr und sagt, dass „sie nirgendwo anrufen werden.“ Eine Nachbarin hat zu dem Zeitpunkt bereits Schreie in der Wohnung gehört und den Notruf verständigt.

Auch der Angeklagte kann sich nach eigenen Angaben ab circa 22:30 Uhr an nichts mehr erinnern.

Die Mutter habe sich daraufhin zu ihrem Sohn auf den Boden gesetzt und seinen Kopf gestreichelt und ihn gefragt, warum er das getan habe.

Jedoch gibt es bis heute keine Antwort darauf.

Seit dem 6. September 2016 sitzt G. in einer Justizvollzugsanstalt.

Aufgewachsen ist G. in Sophia, Bulgarien. Seine Eltern sind 2010 nach Deutschland gezogen und haben ihn und seine Schwester bei den Großeltern gelassen, um in Deutschland Fuß zu fassen, bevor sie ihre Kinder zu sich holen.

Im Laufe des Prozesses kommt heraus, dass die Eltern in einer Art „Nacht und Nebel-Aktion“ nach Deutschland gezogen sind und die Kinder nicht über ihre Pläne informiert hatten. Der Angeklagte ist während des Umzugs in der Schule gewesen und hat sich von seinen Eltern nicht verabschieden können. Obwohl der damals 14-Jährige auch nach Deutschland kommen wollte, sei er nicht sauer auf die Eltern gewesen, dass sie ihn nicht mitgenommen hatten, erklärt der Vater.

2013 ist G. zu seinen Eltern nach Deutschland gezogen und besucht die achte Klasse. Die  neunte Klasse bricht er schließlich ab, da er nach eigener Aussage lieber arbeiten möchte. Daraufhin schicken ihn die Eltern wieder nach Bulgarien, damit er dort seinen Führerschein macht. Dort lebt er zunächst bei seiner Oma und „hängt den ganzen Tag mit Freunden rum.“ Alkohol und Drogen sollen in Bulgarien eine Rolle gespielt haben.

„Ich war damals dumm und habe nicht nachgedacht“, sagt der mittlerweile 19-Jährige. Nach fast einem Jahr in Bulgarien kehrt er wieder zu seinen Eltern nach Deutschland zurück - ohne Führerschein. Streit habe es deswegen aber nie gegeben.

Das Verhältnis zu seinen Eltern beschreibt G. als „perfekt“ - umso erschreckender, wie es dann dennoch zu der brutalen Tat kommen konnte.

Seine Eltern hat der Junge seit der Tatnacht nicht mehr gesehen. Als seine Mutter als Zeugin vor Gericht erscheint, bricht er in Tränen aus und versucht sich auf Bulgarisch bei ihr zu entschuldigen. Diese muss ebenfalls beim Anblick ihres Sohnes weinen. Während der Aussage der Mutter kann sich G. nicht beruhigen und auch als sein Vater vor Gericht erscheint, merkt man ihm die Erschütterung über seine eigene Tat an.

„Ich kann nicht glauben, dass ein Abend so enden kann“, sagt der 46-jährige LKW-Fahrer. Er und seine Frau sind seit dem Familiendrama arbeitsunfähig - wie lange, ist noch unklar.

Auf die Frage der Richterin, ob sie mit ihrem Sohn Kontakt haben möchte, antwortet Lybka G.: „Mein Herz sagt mir ja, aber mein Kopf und meine Angst sagen nein!“

Weitere Prozesstage sind am 23., 27. und 31. März geplant sowie am 3. April.

jab

Quelle: Mannheim24

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