Schon als Jugendlicher verurteilt

Oppenau: „Waldläufer“ Yves R. verletzt SEK-Polizisten bei Festnahme

Oppenau: Er entwaffnete vier Polizisten – und verschwindet anschließend spurlos. Jetzt ist Yves R. endlich verhaftet worden. Die Details seiner Festnahme:

  • Oppenau in Baden-Württemberg: Am 12. Juli entwaffnet Yves R. (31) vier Polizeibeamte und flieht mit ihren Dienstwaffen in den Wald.
  • Yves R. hat wochenlang in einer Gartenhütte im Wald gehaust und kennt sich gut in der Gegend um Oppenau aus.
  • Die Polizei sucht mit einem Großaufgebot nach dem Flüchtigen - doch auch am Dienstag, 14. Juli fehlt von Yves R. immer noch jede Spur.
  • Jetzt ist ein Brief aufgetaucht, den der „Waldläufer“ von Oppenau in einer Kneipe hinterlassen hat. Das Schreiben liest sich wie ein Manifest - doch ist es auch von ihm?

Update vom 17. Juli, 18:00 Uhr: Der „Schwarzwald-Rambo“ Yves R. ist verhaftet worden! Nach Angaben der Polizei sind bei der Festnahme auch die vier entwendeten Schusswaffen sichergestellt worden. Bei der Festnahme soll der „Waldläufer" einen SEK-Polizisten mit einem Beil verletzt haben.

Oppenau: „Waldläufer“ Yves R. weiter auf der Flucht – erschreckende Details aus Jugendzeit bekannt

Update vom 17. Juli, 7:00 Uhr: Immer mehr Details über den gesuchten 31-Jährigen Yves R. aus Oppenau kommen ans Licht. Nach Angaben der Justiz soll der Mann als Jugendlicher im Alter von 15 Jahren bereits wegen Volksverhetzung verurteilt worden sein. Demnach soll er ein Schild eines Jugendwerks durch Entfernen und Hinzufügen von Buchstaben so verändert haben, dass die Aufschrift die Worte „Juden weg“ enthielt. Das teilt die Staatsanwaltschaft Offenburg am Donnerstag (16. Juli) gegenüber der Deutschen Presseagentur mit. Zudem sei während des Aufenthalts in dem Jugendwerk eine rechtsradikale Gesinnung zum Ausdruck gekommen, unter anderem durch Verwendung von Hakenkreuzen und SS-Symbolen sowie judenfeindliche Äußerungen. Die Polizei Offenburg nennt Details zur Flucht von Yves R. in Oppenau. Bei der Festnahme spricht der 31-Jährige, wie er sich vor den Beamten verstecken konnte und wie er sich in dieser Zeit ernährt hat.

Opppenau: Ist das aufgetauchte „Manifest" gar nicht von Yves R.?

Update vom 16. Juli: Aktuell prüft die Polizei das in einer Kneipe in Oppenau aufgetauchte „Manifest“. Es sei nicht sicher ob das Manifest überhaupt von Yves R. stammt, so Polizeisprecher Yannik Hilger. Eine politische Richtung ließe sich daraus nicht ableiten - lediglich eine Affinität des Verfassers zum Wald, so Hilger. Nach Recherchen des SWR stammt das Manifest nicht aus der Feder von Yves R, sondern von einem Mann aus Nordrhein-Westfalen. Er hätte ihn 2005 verfasst, als er mit zwei Bekannten eine Waldläufer-Gruppe gegründet hat. Am Donnerstag gibt die Polizei an, dass das Manifest in den Ermittlungen keine Rolle spielt.

Oppenau: Waldläufer Yves weiter auf der Flucht - wirres Manifest aufgetaucht

Update vom 14. Juli, 21 Uhr: Vor seinem spurlosen Verschwinden hat Yves R. in einer Kneipe in Oppenau offenbar einen Brief hinterlassen, der sich liest, wie ein Manifest. „Der Ruf der Wildnis“ heißt das zwei Seiten lange Schreiben, dass der 31-Jährige laut eines Berichts von Baden online im Oppenauer Lokal „Pavillon“ hinterlegt hatte. Wie die BILD (Plus-Artikel) berichtet, beklage R. in seinem Brief zwar gesellschaftliche Zustände, wie zum Beispiel dass Technik die Menschheit versklaven würde, enthielte aber keine Drohungen. „Waldläufer zu sein, bedeutet unabhängig durch die Wälder streifen zu können. Ein Stück Freiheit. Es bedeutet aber auch, einen Schritt zurückgehen zu können, zu verzichten“, zitiert BILD aus dem Manifest von Yves R.

Der gesamte Text, der in mittelalterlicher Schnörkelschrift gedruckt und mit einem roten Siegel versehen ist, liest sich, als sehe sich Yves R. als Einzelgänger, der die Zivilisation als völlig Außenstehender betrachtet. „Unser Alltag ist dermaßen von Technik bestimmt, daß wir völlig den Sinn für das einfache Leben verloren haben. Wenn wir täglich mit Töpfen auf Herdplatten kochen, gelingt es uns einfach nicht, ohne Töpfe auszukommen. Wir versuchen Ersatz zu schaffen für die Dinge, die wir sonst im Alltag benötigen. Die Probleme, auf die man in den Wäldern trifft, lassen sich aber nicht immer durch bekannte Techniken lösen“, schreibt er.

Eine weitere Fahndung der Polizei in Baden-Württemberg endete am Mittwoch dramatisch: Beamte erschossen in Bad Schussenried einen entflohenen Psychiatrie-Patienten, der sie mit einem Messer verfolgte.

Der Waldläufer von Oppenau: Wie gefährlich ist Waffen-Narr Yves R.?

Update vom 14. Juli, 15:50 Uhr: Bei einer Pressekonferenz in Oppenau nennen die Ermittler am Dienstagnachmittag weitere Details zur Person des Yves R., der seit Sonntag schwer bewaffnet auf der Flucht ist. Laut dem Leitenden Oberstaatsanwalt Dr. Herwig Schäfer handle es sich bei dem 31-Jährigen um eine Person, die „zum Ortsbild von Oppenau gehört“. Er sei als Waffen-Narr einzustufen und sehe sich selbst „als eine Art Waldläufer, der auf sich selbst gestellt gut allein in der Natur auskommen kann.“ Yves R. sei laut Herwig nie in einem Schützenverein gewesen. 2010 sei ihm untersagt worden, Waffen und Munition zu besitzen.

Schon in jungen Jahren geriet Yves R. mit dem Gesetz in Konflikt. In seiner Akte finden sich neben Diebstählen und Verstößen gegen das Waffengesetz auch schwerere Straftaten. Im Oktover 2010, mit 20 Jahren, wurde der heute 31-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten verurteilt. Er hatte eine Bekannte im Streit mit einer Armbrust schwer verletzt. Den Notarzt habe Yves R. nach Angaben von Oberstaatsanwalt Herwig noch selbst alarmiert. Zuletzt sei Yves R. 2019 wegen unerlaubtem Umgangs mit Sprengmitteln und Waffen zu einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

Oppenau: Waffen-Narr Yves R. entwaffnet vier Polizisten – keine Hinweise auf politisches Motiv

„Wir wissen nicht, was den Beschuldigten bewogen hat, so zu handeln“, erklärt der Leitende Oberstaatsanwalt bei der Pressekonferenz in Oppenau. Es gebe jedoch keine Erkenntnisse, dass Yves R. die Tat aus politischen Motiven begangen habe. Es hätten sich keine Hinweise ergeben, nach denen der Flüchtige einem politischen Spektrum zuzuordnen sei. Fest steht, dass sich die Suche nach Yves R. für die Fahnder noch als schwierig gestalten könne. „Der Wald ist sein Wohnzimmer“, erklärt Polizeipräsident Reinhard Renter am Dienstag. Er kenne sich gut in dem unwegsamen, steil abfallenden Gelände aus und sei damit schwer zu finden. „Aber wir haben einen langen Atem.“

Oppenau: Bewaffnet und auf der Flucht - das wissen wir über Yves R.

Erstmeldung vom 14. Juli, 10 Uhr: Am Samstag, 11. Juli, macht ein Zeuge in der Gartenanlage „Friedberg“ oberhalb der Oppenauer Innenstadt eine kuriose Entdeckung: Er sieht einen Mann in Tarnkleidung in einer Hütte mit Pfeil und Bogen hantieren. Als die Polizei der Sache am Sonntag auf den Grund gehen will, zeigt sich Yves R. erst kooperativ. Doch plötzlich zieht er eine Waffe und bedroht die vier Beamten. Er zwingt sie ihre Dienstwaffen auf den Boden zu legen, greift sie sich und flieht.

Mit einem Großaufgebot macht sich die Polizei auf die Suche nach dem Flüchtigen. Die Beamten durchkämmen die Gegend um Oppenau mit Hunderten Einsatzkräften, Polizeihubschraubern und Hundestaffeln - doch Yves R. bleibt verschwunden. Das Waldgebiet um Oppenau ist sehr weitläufig: „Der schwer bewaffnete Mann hat in den hiesigen Wäldern genügend Möglichkeiten, sich zu verschanzen“, so Bürgermeister Uwe Gaiser.

Oppenau: Yves R. hauste schon seit Wochen unbemerkt in der Gartenhütte

Wie sich herausstellt, hat er schon seit Wochen unerlaubterweise in dieser Gartenhütte gehaust, nachdem er im Gasthaus „Schlüssel“ die Miete nicht mehr bezahlt hat und zwangsgeräumt wurde. In seiner Wohnung über dem Gasthaus sollen Waffen, Munition und Benzinkanister gefunden worden sein. Seitdem ist Yves R. offiziell wohnsitzlos. Der Besitzer der Gartenlaube gibt gegenüber der Bild-Zeitung an, R. nicht zu kennen und nichts davon gewusst zu haben. Die Laube hätte er nur sehr selten benutzt.

Oppenau: Einwohner halten Yves R. für gefährlich

Yves R. ist in der Gemeinde kein Unbekannter. Viele Menschen aus dem Ort beschreiben ihn als freundlichen Sonderling. Er habe schon als Kind in Oppenau gewohnt, hätte sich aber vor Kurzem dort abgemeldet. Er hätte nicht viele Freunde gehabt und sei in keinem Verein Mitglied gewesen. Es sei die richtige Entscheidung gewesen, Schulen und Kindertagesstätten in Oppenau zu schließen, sagt eine 77-jährige Frau vor einem Supermarkt. „Man weiß ja nicht, ob er vielleicht durchdreht.“ Sie hoffe, dass die Polizei den Gesuchten in dem dichten Waldgebiet rund um Oppenau bald finde.

Irene Eckenwalder (74) wohnt mitten im Oppenau und berichtet der Bild-Zeitung wie Yves R. früher mit einer Ratte durch den Ort gelaufen ist. Er sei dabei ganz in Schwarz gekleidet gewesen. Sie beschreibt ihn als Spinner und will das Haus nicht mehr verlassen, bis er gefunden wird. Auch sein ehemaliger Nachbar Hermann Hofer und Koch im Gasthaus „Schlüssel“ beschreibt Yves R. „auf jeden Fall als gefährlich“.

Oppenau: Yves R. schoss mit einer Armbrust auf seine Ex-Freundin

Seine Angst ist nicht unbegründet. Yves R. wurde bereits 2009 wegen gefährlicher Körperverletzung in Pforzheim zu dreieinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt. Er hat mit einer Armbrust auf seine Ex-Freundin geschossen. Das bestätigt die Staatsanwlatschaft dem SWR.

Die Bild-Zeitung zählt noch weitere Vorstrafen auf. So soll Yves R. gegen das Sprengstoffgesetz verstoßen haben, da er eine Explosion geplant haben soll. Auch Diebstahl, Sachbeschädigung, Besitz von Kinderpornographie und ein Totschlagsdelikt sollen auf sein Konto gehen.

Oppanau: Warum hat Yves R. die Polizisten entwaffnet und ist geflohen?

Wie Baden-Online nach einem Gespräch mit Yves bestem Freund Sebastian berichtet, soll er aus Angst gehandelt haben. Die Zeit im Gefängnis sei die schlimmste Zeit in seinem Leben gewesen, so sein Freund über die dreieinhalbjährige Haftstrafe, die Yves wegen Körperverletzung absitzen musste. Die Tat sei ein Unfall gewesen, betont sein Freund.

Oppenau: Staatsanwaltschaft fahndet wegen räuberischer Erpressung nach Yves R.

Nachdem Yves R. am Sonntagabend vier Polizisten entwaffnet hat und dann geflüchtet ist, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der besonders schweren räuberischen Erpressung in Tateinheit mit dem unerlaubtem Führen einer Schusswaffe. In der Nacht zum Dienstag, 14. Juli, geht die Polizei einem Hinweis aus der Bevölkerung nach und überprüft ein Objekt im Raum Offenburg. Gefunden haben die Beamten Yves R. jedoch nicht.

Polizei und Staatsanwaltschaft wollen die Öffentlichkeit in einem Pressegespräch um 14 Uhr in Oppenau über die aktuelle Lage informieren. (kp)

Rubriklistenbild: © Philipp von Ditfurth/Polizeipräsidium Offenburg

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