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Ei, Ei, Einfach tierisch – Darum ist der Osterhase ein (halber) Heidelberger

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Von: Peter Kiefer

Heidelberg - „Mama, woher kommt der Osterhase? Und warum bringt er Eier?“ Dieser Artikel beantwortet alle Fragen in den nächsten Tagen und was Heidelberg damit zu tun hat:

Jedes Kind weiß: Die bunten Ostereier bringt und versteckt der Osterhase. Traditionell werden die Eier am Morgen des Ostersonntags gesucht. Doch warum ist das so? Woher stammt dieser jahrhundertealte Brauch? Wie hat es der Osterhase geschafft, seine Konkurrenten wie den Osterfuchs (in Westfalen), den Storch (in Thüringen), den Hahn (in Böhmen) oder den Kuckuck (in der Schweiz) aus dem Rennen zu werfen? HEIDELBERG24 hat sich aus aktuellem Anlass mal auf die Fährte des Mümmelmanns begeben.

Viele weniger romantisch veranlagte Menschen vermuten hinter der Etablierung des Osterhasen die Süßwaren-Industrie des 19. Jahrhunderts, die schlichtweg auf Kommerz aus gewesen ist, um das Ostergeschäft anzukurbeln. Klar, die industrielle Massenproduktion von billigem Zucker für die Herstellung von Schoko-Hasen und Schoko-Eiern hat ihr Übriges zum Siegeszug des Osterhasen beigetragen.

Was die Osterdekoration angeht, hat jeder andere Vorstellungen. (Symbolbild)
Was die Osterdekoration rund um den Osterhasen angeht, hat jeder andere Vorstellungen. (Symbolbild) © dpa/Paul Zinken

Heidelberg: Darum wurde der Osterhase vor 339 Jahren erstmals in Heidelberg erwähnt

Doch die Tradition reicht viel weiter zurück – genauer gesagt ins alte Heidelberg des 17. Jahrhunderts! Denn es ist überliefert, dass der Osterhase das allererste Mal in der Dissertation des Frankfurter Arztes Johannes Richier auftaucht, der laut Wikipedia im Jahr 1682 an der Uni Heidelberg beim renommierten Heidelberger Medizinprofessor Georg Franck von Franckenau promoviert hat. Der Titel seiner wissenschaftlichen Abhandlung: „De ovis paschalibus – von Oster-Eyern“.

NameRuprecht-Karls-Universität (Ruperto Carola)
StandortHeidelberg
Gründungsjahr1386
Studierende28.653 (WS 2019/20)
RektorBernhard Eitel

Darin schildert der französische Pastorensohn von einem Brauch, der in Pfalz, Oberdeutschland, Elsass und angrenzenden Gebieten weit verbreitet gewesen ist. Gemäß dieses Brauchs legt der Osterhase die Eier, um sie dann im Gras, in Gärten, im Unterholz und im Gestrüpp zu verstecken. Es sei seit jeher ein Riesen-Spaß für Alt und Jung, diese dann unter Gelächter zu suchen und zu verspeisen. Speziell für Kinder natürlich ein großes Vergnügen. Richier bezeichnet das Prozedere als „eine Fabel, die man Einfältigen und Kindern aufbindet“.

Ostertradition: Warum ausgerechnet das Ei als Oster-Symbol?

Spätestens seit dem Mittelalter hat das Ei in vielen europäischen Ländern eine symbolische Verbindung zum christlichen Osterfest: Seit Ambrosius von Mailand im 4. Jahrhundert gibt es bereits eine ältere Deutung des Hasen als Symbol der Auferstehung, wie es das Christentum an Ostern feiert. In diversen mittelalterlichen Gemälden und Kunstwerken ist diese Hasen-Symbolik thematisch verarbeitet worden. Dennoch ist bis heute die Verbindung zwischen Hase und dem Brauch des Eierlegens und -versteckens ungeklärt. Unbestritten ist jedoch die Fruchtbarkeit der Hasen – nicht nur zur Frühlingszeit.

Ein Hase sitzt auf einer Wiese neben einem Korb mit gefärbten Ostereiern (Archivbild).
Ein Hase sitzt auf einer Wiese neben einem Korb mit gefärbten Ostereiern (Archivbild). © Birgit Egarter/dpa

Zwei Hypothesen haben sich über die Jahrhunderte hartnäckig gehalten, die Wikipedia wie folgt aufführt:

1. Einige frühe bemalte Ostereier zeigen das Dreihasenbild, einer Darstellung von drei Hasen mit insgesamt nur drei Ohren, bei denen aufgrund der „Doppelverwendung“ von Ohren dennoch jeder Hase zwei Ohren hat; dies ist heute ein bekanntes Symbol für die Dreieinigkeit. Eventuell könnte man ausgehend von dieser Darstellung auf den Hasen als Überbringer der Eier gekommen sein.

2. Auch bereits in der Bibel (Psalm 104,18) wird an einer Stelle zumindest in älteren Übersetzungen von „Hasen“ gesprochen. Ausschlaggebend dafür ist, dass der Theologe Hieronymus das hebräische „schafan“ (Klippschliefer) mit „lepusculus“ (Häschen) übersetzt hat. Und genau diese Stelle wird seit der Spätantike als Symbol für den schwachen Menschen (Hase) interpretiert, der seine Zuflucht im Felsen (Christus) sucht. Diese Auslegung begründete die Hasensymbolik in der christlichen Ikonographie.

Und während der Weihnachtsmann nur eine Postadresse hat, ist der Osterhase unter gleich drei Adressen für die Wünsche der Kinder erreichbar:

NiedersachsenHanni Hase, Am Waldrand 12, 27404 Ostereistedt
SachsenOlli Osterhase, Oberlausitzer Osterhasenpostamt, OT Eibau, Hauptstraße 214a, 02739 Kottmar
Sachsen-AnhaltOsterhase, Siedlungsstraße 2, 06295 Osterhausen
Ein Schild mit der Aufschrift „Frohe Ostern“ hängt unter dem Ortsschild am Ortseingang von Ostereistedt.
Ein Schild mit der Aufschrift „Frohe Ostern“ hängt unter dem Ortsschild am Ortseingang von Ostereistedt. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Übrigens: Deutschsprachige Auswanderer haben schließlich dafür gesorgt, dass der beliebte Osterhase auch bis weit über die europäischen Grenzen hinaus gehoppelt ist. Speziell in den USA, aber auch im fernen Australien und in Neuseeland hat der „Easter Bunny“ eine große Fangemeinde. (pek)

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