Von Bettwäsche bis Zwiebelschalen

Kennst Du diese kuriosen Weihnachts- und Silvesterbräuche aus dem Rhein-Neckar-Kreis?

Eröffnung der Christkind-Postfiliale in Engelskirchen
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Früher war es in Familien öfter der Fall, dass das Christkind zur Bescherung am Heiligen Abend persönlich vorbeischaute. (Symbolbild)

Rhein-Neckar-Kreis – Fast jede Familie hat ihre eigenen Weihnachts-und Silvesterbräuche. Doch kennst Du diese alten und teilweise etwas kuriosen Traditionen aus der Region?

Lebkuchen und Spekulatius im September, auch Schokonikoläuse bereits lange vor dem Advent, in unserer eiligen Zeit ist dann vieles, wenn die wirklich heilige Zeit beginnt alltäglich und gewöhnlich. Trotz aller Hektik aber hat das Jahr in den Tagen um Weihnachten noch immer einen besonderen Reiz, der sich in verschiedenen Bräuchen ausdrückt, von denen einige kaum noch zu finden sind, andere sich aber bewahrt und sogar intensiviert haben.

Weihnachten im Rhein-Neckar-Kreis: Christlkinnel kumm in unser Haus

Früher war es in Familien öfter der Fall, dass das Christkind zur Bescherung am Heiligen Abend persönlich vorbeischaute. Manchmal hatte sogar ein goldenes Buch dabei, in dem stand, wie brav die Kinder das Jahr über gewesen waren, ähnlich dem Auftritt des Nikolaus mit seinem Gehilfen Knecht Ruprecht am 6. Dezember oder der Kombination daraus, dem Belzenickel. 

Das Christkind erschien in der Gestalt einer weiß gekleideten und verschleierten Frau oder eines Mädchens, angelockt von einem sehr bekannten Gedicht: „Christlkinnel kumm in unsere Haus, leer dei goldnes Säckel aus, stell de Christbaam uf de Tisch, dass mer sieht, dass Weihnacht is.“

Rhein-Neckar-Kreis: Der Christbaum und Liselotte von der Pfalz

Der Christbaum darf nicht fehlen, erstmals erwähnt wird er übrigens für unsere Region in einem Brief der Liselotte von der Pfalz vom 11. Dezember 1708. „Da richtet man Tische wie Altäre her und stattet sie für jedes Kind mit allerlei Dingen aus, wie neue Kleider, Silberzeug, Puppen, Zuckerwerk und alles Mögliche. Auf diese Tische stellt man Buchsbäume und befestigt an jedem Zweig ein Kerzchen; das sieht allerliebst aus und ich möchte es heutzutage noch gern sehen.“

Mancherorts hat sich die Tradition erhalten, am Heiligen Abend oder am ersten Weihnachtstag Stadt- und Feuerwehrkapellen, Posaunenchöre oder Gesangvereine kleine Konzerte unter freiem Himmel, auf Friedhöfen, in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen zu veranstalten.

Kurioser Silvesterbrauch: Bloß keine Bettwäsche waschen!

In der Zeit der 12 Rauh-Nächte, die an Weihnachten anschließende Zeit bis Dreikönig, galt früher oft die Regel, dass man keine (Bett-) Wäsche waschen sollte, damit im neuen Jahr nicht ein Mitglied des Haushaltes stirbt. Denn dies war eine aus der heidnischen Überlieferung kommende heilige Zeit, die eher zum Feiern denn zur Arbeit genutzt werden sollte. 

Wettervorhersage mal anders: Dieser alte Brauch beinhaltetet Zwiebelschalen

Manche behalten den Brauch bei, in diesen Tagen das Wetter zu beobachten, um es für das kommende Jahr zu deuten. Jeder Tag steht für einen Monat, neben dem einfachen Schauen bestand eine andere Methode darin, 12 Zwiebelschalen, für jeden Monat eine, vor das Fenster zu legen. In jede Zwiebelschale kam etwas Salz. Je nachdem wie nun das Salz in einer Zwiebelschale mehr oder weniger feucht geworden war, schloss man daraus auf das Wetter des betreffenden Monats.

Silvesterbräuche aus dem Rhein-Neckar-Kreis

Orakel befragte man in verschiedenster Form in der Silvesternacht. Noch heute ist etwa das Bleigießen vielerorts beliebt. Um Mitternacht werden überall die Kirchenglocken geläutet. Feuerwerk begrüßt das neue Jahr, Menschen daheim, bei Silvestermenüs in Lokalen oder auf der Straße wünschen sich „Prost Neujahr“.

Auch gibt es mancherorts noch Turmblasen oder Auftritte um Mitternacht von evangelischen Posaunenchören sowie örtlichen Blaskapellen. 

Der Nachtwächterumzug auf dem Dilsberg 

Eine Besonderheit und heute zugleich ein Besuchermagnet ist der Nachtwächterumzug auf dem Dilsberg. Er knüpft an das früher allenthalben übliche Neujahrsansingen der Nachtwächter an. Gegen Mitternacht versammelt man sich vor dem historischen Torturm der Bergfeste. 

Nach dem Verklingen der Glocken ertönen zwölf tiefe Hornstöße, worauf die Nachtwächter folgenden Choral singen: „Hört ihr Leut und lasst euch sagen, unsere Glock' hat zwölf geschlagen. Das alte Jahr ist vergangen, das neue hat angefangen. Wir wünschen euch allzugleichen, den Armen wie den Reichen, wir wünschen euch allzumal, ein glückseliges neues Jahr! Lobet Gott den Herrn!“

Dann singen alle Versammelten „Großer Gott, wir loben dich“. Anschließend wünschen die Nachtwächter den Besuchern und Einwohnern bei einem Rundgang durch die Feste ein gutes Neues Jahr. Dieser schöne Brauch steht im krassen Gegensatz zur Party-Event-Böllerkultur und den üblichen Ausschweifungen zu Silvester. Beides kann in diesem Corona-Jahr leider nicht stattfinden. Ein Überblick über die Corona-Regeln in Baden-Württemberg zu Weihnachten und Neujahr.

Glücksbringer zu Neujahr  

Am Neujahrsmorgen gibt es in vielen Familien Neujahrsbrezeln, in der Pfalz Neijoorsche genannt, früher ein klassisches Patengeschenk, Glücksschweinchen oder Schonsteinfeger-Figuren, allesamt Glücksbringer für das neue Jahr. Zwar kein Glücksbringer, aber trotzdem kurios: Deutscher Brauch? Was es mit der Weihnachtsgurke auf sich hat.

Was bedeutet CMB über den Türen?

Und an Dreikönig schließlich ziehen die Sternsinger durch die Straßen, ein katholischer Brauch, der heute in vielen Gemeinden sogar in ökumenscher Verbundenheit über den Türen der Kirchen, Häuser und Wohnungen den Wunsch anbringt: + C + M + B + Das bedeutet nicht wie viel glauben: Caspar, Melchior und Balthasar, sondern „Christus Mansionem Benedicat - Christus segnet dieses Haus.“ (kp)

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