Sinsheim, Schwetzingen und Eberbach

Corona im Rhein-Neckar-Kreis: Lage in Kliniken „relativ entspannt“ – Ruhe vor dem Covid-Sturm?

Rhein-Neckar-Kreis - Anders als im übrigen Land stellt sich die Lage auf den Intensivstationen im Rhein-Neckar-Kreis weniger kritisch dar. Ist das lediglich die Ruhe vor dem Covid-Sturm?

Der baden-württembergische Koordinator für die intensivmedizinische Versorgung von Covid-Patienten schlägt Alarm: „Die Entwicklung ist besorgniserregend, weil wir Ende April voraussichtlich eine Belegung der Intensivbetten mit Covid-Erkrankten von 40 Prozent erreichen“, so Götz Geldner gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Jetzt kämen die „Osteropfer“ – Patienten, die sich bei Treffen über die Feiertage angesteckt haben. Die derzeit größte Gruppe der Covid-Patienten, Menschen zwischen 45 und 65 Jahren, verweile auch länger auf den Stationen als die jüngere Altersgruppe. Deshalb werde es in Baden-Württemberg eng für andere Intensivpatienten und Notfälle, die etwa 60 Prozent der Kapazitäten brauchen.

Lankreis Rhein-Neckar
Verwaltungssitz Heidelberg
Einwohner 548.355 (31. Dez. 2019)
Landrat Stefan Dallinger (CDU)

Rhein-Neckar-Kreis: GNR-Kliniken stehen in der dritten Welle besser da

Nach Daten des Divi-Intensivregisters (www.intensivregister.de) sind von den rund 2.417 betreibbaren Intensivbetten in Baden-Württemberg rund 88,6 Prozent belegt (Stand 20. April). In den Kliniken der Gesundheitszentren Rhein-Neckar (GRN) ist die Situation am Montag (19. April) noch verhältnismäßig entspannt. Zum Zeitpunkt einer Anfrage von HEIDELBERG24 sind lediglich die Hälfte der für Covid-Patienten freigehaltenen Intensivbetten belegt:

Damit stehen wir im Rhein-Neckar-Kreis aktuell besser da, als noch in der ersten und zweiten Welle. Den bundesweiten Trend von Intensivstationen, die an ihre Kapazitätsgrenzen kommen, beobachten wir in den meisten unserer GRN-Kliniken aktuell glücklicherweise nicht. Einzig in der GRN-Klinik Sinsheim sind mit Stand von heute alle vier für Covid-Patienten zur Verfügung stehenden Intensivbetten belegt“, sagt Frauke Sievers-Kretz, Pressesprecherin der GRN-Kliniken.

Die Zahl der Schwerkranken mit Covid-19 auf deutschen Intensivstationen nähert sich am Dienstag (20. April) der Marke von 5000 (Symbolfoto).

Außerdem könne man in den GRN-Kliniken weitere Kapazitäten schaffen. Dafür müsse zum Beispiel der Regelbetrieb heruntergefahren werden. Dieser Schritt würde zulasten anderer Patienten mit lebensgefährlichen Krankheiten wie beispielsweise einem Krebsleiden gehen. „Das sollte aber erst letzte Konsequenz sein“ so Sievers-Kretz. Und so sieht Rüdiger Burger, Geschäftsführer der Gesundheitszentren Rhein-Neckar GmbH, gegenwärtig für Heidelberg, den Rhein-Neckar-Kreis und den Neckar-Odenwald-Kreis keine Probleme in der Versorgung.

In einer Stellungnahme von Mittwoch (21. April) teilt ein Sprecher der Universitätsklinik Heidelberg diese Einschätzung nicht. Dort wird der Regelbetrieb aufgrund der verstärkten Betreuung von Covid-Patienten bereits eingeschränkt.

Rhein-Neckar-Kreis: Alle Intensivbetten in Sinsheim sind belegt

Angesichts steigender Corona-Zahlen hat man in Sinsheim bereits vor knapp zwei Wochen vorgesorgt und die Kapazitäten auf der Intensivstation von zwei auf vier Betten verdoppelt.

Damit kommen wir derzeit trotz hoher Inzidenzwerte in der Region und einem vergleichsweise großen Einzugsgebiet gut zurecht. Wären inzwischen nicht schon einige gegen Covid geimpft, hätten wir ein deutlich größeres Problem“, erklärt Dr. Johannes Berentelg, Chefarzt Innere Medizin, Kardiologie-Intensivmedizin.

Da es sich bei den Geimpften vornehmlich um Ältere handelt, ist zu erwarten, dass mehr jüngere Patienten mit schweren Krankheitsverläufen eingeliefert werden. In den Statistiken der GRN-Kliniken spielt sich dieser bundesweite Trend aber nicht wieder. Vielmehr sind Patienten mit dem Coronavirus auf den Intensivstationen in Sinsheim, Schwetzingen, Eberbach und Weinheim im Schnitt etwa 70 Jahre alt.

Dennoch betont Dr. Berentelg den Einfluss der gefährlichen Corona-Mutante: „Aktuell behandeln wir auch viele Patienten im Alter von 50, 60 Jahren, die von der britischen Variante betroffen sind. Diese geht meiner Erfahrung nach mit längeren Aufenthalten und einer intensiveren Therapie einher“.

Rhein-Neckar-Kreis: Chefarzt aus Schwetzingen warnt vor „stündlich verändernden Schwankungen“

Seit ungefähr acht Wochen verzeichnet man auch in Schwetzingen einen erneuten Anstieg der stationären (intensivpflichtigen) Patienten mit Covid-19. Privatdozent Dr. Christian Bopp, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin in der GRN-Klinik Schwetzingen, betrachtet die aktuelle Lage als „Momentaufnahme“:

„Die freien Intensivkapazitäten sowohl für Covid-19 als auch für alle anderen wichtigen intensivpflichtigen Erkrankungen wie z.B. Herzinfarkt, Patienten nach erlittenem Herz-Kreislaufstillstand und erfolgreicher Reanimation oder Sepsis, unterliegen, wie auch außerhalb der aktuellen Corona-Pandemie erheblichen, teils stündlich sich verändernden Schwankungen. So bilden die jeweiligen Belegungszahlen nur eine Momentaufnahme ab“, so Dr. Bopp.

Rhein-Neckar-Kreis: Zu früh gefreut in Eberbach – Intensivstation wieder voll

Wie sehr Dr. Bopp mit seiner Einschätzung richtig liegt, zeigt sich bereits am Folgetag in Eberbach. Zu Wochenbeginn ist der Eberbacher Klinikleiter Tim Egger noch guter Dinge: „In Eberbach ist die Corona-Lage aktuell relativ entspannt, was gerade für unsere Mitarbeiter auf den Covid-Stationen die Möglichkeit gibt, nach den harten und Kraft zehrenden Zeiten etwas Energie zu tanken“, freut sich Egger.

Gesundheitszentren Rhein-Neckar: Übersicht der stationär behandelten Covid-Patienten (20. April).

Bereits am Dienstag (20. April) ist die Intensivstation mit zwei neuen Covid-Patienten wieder voll ausgelastet; gleiches gilt für Schwetzingen. Trotz höheren Zahlen auf den Intensivstationen bleibt die Corona-Lange nach Einschätzung der Verantwortlichen in den GRN-Kliniken unverändert. „Die in unserer Statistik aufgeführten Kapazitäten nicht starr, sondern können an die jeweiligen Situationen angepasst werden. Und es findet ein Austausch unter den Kliniken der Region statt. Sofern es notwendig ist, können Patienten in eine andere Klinik verlegt werden oder wir nehmen Patienten von einer anderen Klinik auf“, betont Pressesprecherin Frauke Sievers-Kretz.

Auf der anderen Seite ist Verdi-Gesundheitsexpertin Irene Gölz als Gewerkschafterin um das Klinik-Personal besorgt: „Wir müssen jetzt so steuern, dass die Beschäftigten uns noch helfen können, wenn wir als Notfall in die Klinik eingeliefert werden.“ Durch die Mutante habe sich die Situation auf den Stationen nochmals verschärft: „Jeder zweite beatmete Patient überlebt die Krankheit nicht.“ (esk mit dpa)

Rubriklistenbild: © dpa/Frank Molter

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