Fischsterben in der Jagst

Nach Chemie-Unfall: Giftbrühe am Freitag im Neckar?

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Am Freitag erreicht die Giftbrühe aus der Jagst bei Bad Wimpfen den Neckar. Kommende Woche wird die Giftfahne Heidelberg erreichen.

Rhein-Neckar-Kreis - Am Freitag gelangt die Giftbrühe aus der Jagst in den Neckar. Was sie dort anrichten wird, ist bislang unklar. Das Wasser- und Schiffartsamt ist vorbereitet.

Gut eine Woche nach dem verheerenden Chemie-Unfall, der tausenden Fischen in der Jagst das Leben gekostet hat, ist die Giftbrühe weiter in Richtung Neckar unterwegs. 

Nach Angaben des Landratsamts vom Montag sinken die Schadstoffwerte weiter. Sie seien inzwischen nur noch ein Zehntel so hoch wie anfangs im Kreis Schwäbisch Hall. Dort waren Tausende Fische erstickt. Im Kreis Heilbronn sei bisher kein größeres Fischsterben zu beobachten, teilte ein Behördensprecher mit.

Die 23 Kilometer lange Giftfahne franse an den Rändern zusehends aus, hieß es weiter. Nach jüngsten Berechnungen werde sie „im Laufe der späteren Woche“ kurz vor Bad Wimpfen den Neckar erreichen, hieß es beim Wasser- und Schifffahrtsamt Heidelberg. Am Neckar werde vorsorglich an 18 Wehren Wasser angestaut. Trifft die Fahne ein, könne das Wasser abgelassen werden, um das Gift weiter zu verdünnen. Bis zu einem Drittel könne die Wassermenge erhöht werden.

Gift nach Brand in die Jagst gespült

Bei einem Mühlenbrand in Kirchberg an der Jagst war am Samstag vergangene Woche mit dem Löschwasser Ammoniumnitrat aus Düngemittel in das Gewässer gespült worden (WIR BERICHTETEN). Die genaue Ursache kann nach Angaben der Behörden erst in einiger Zeit geklärt werden. Laut Umweltministerium ist für das Verenden der Fische Ammoniak verantwortlich, das im Wasser aus Ammonium entsteht.

Seither versuchen Hunderte Helfer etwa von Technischem Hilfswerk und der Feuerwehr die Giftbrühe nach und nach zu verdünnen. Sie bauen Barrieren, über die das Wasser sprudelt, oder wälzen Wasser um – so soll der Sauerstoffgehalt in der Jagst erhöht werden, um den Schadstoffabbau zu beschleunigen.

Löschwasser mit extrem hoher Ammonium-Konzentration

In einem Pufferbecken der Kläranlage in Crailsheim lagern laut „Hohenloher Tagblatt“ (Dienstag) 800.000 Liter Löschwasser mit einer extrem hohen Ammoniumkonzentration von 19 000 Milligramm pro Liter, das in der Brandnacht aus dem Löschwasserbecken abgepumpt worden war. „Die Stadt Crailsheim sucht gemeinsam mit dem Landratsamt nach einem angemessenen Entsorgungsweg“, teilte die Stadtverwaltung demnach mit.

Biologe Michael Pfeiffer vom Regierungspräsidium Stuttgart kritisiert in der Zeitung die Behörden im Kreis Schwäbisch Hall: „Die Katastrophe wurde ziemlich offensichtlich unterschätzt, und es wurden daher auch nicht die richtigen Maßnahmen eingeleitet.“ Es hätte nach seiner Einschätzung noch die Möglichkeit bestanden, Tausende Fische zu retten. Auf alle Fälle hätte man Schutzzonen schaffen können.

Von der Idee, das am Neckar ankommende Wasser mit Schiffsschrauben zu verwirbeln, sei man inzwischen abgekommen, hieß es in Heidelberg. Man könne vieles spontan entscheiden, sei auf verschiedene Dinge eingerichtet. Während an der Jagst die ersten Biotope wieder geöffnet werden konnten, würden die ökologisch sensiblen Böttinger Baggerseen am Neckar unterhalb von Gundelsheim mit sogenannten Big Packs (Säcken) abgedichtet, um ein Einströmen des Jagst-Giftes zu verhindern. Die Baggerseen gelten als wichtiges Laichgebiet.

Giftbrühe kommende Woche in Mannheim?

Von Bad Wimpfen bis Mannheim könnte die Giftfahne dann eine weitere Woche unterwegs sein, hieß es beim Wasser- und Schifffahrtsamt. Es sei aber davon auszugehen, dass sich das Gift auf dieser Reise immer weiter verteilt. Schon allein, weil der schiffbare Neckar ungleich breiter ist als die meist nur fünf bis zehn Meter breite Jagst.

dpa/rmx

Quelle: Mannheim24

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