Was der niedrige Rheinpegel damit zu tun hat

Benzin-Engpässe befürchtet – Geht Tankstellen jetzt der Sprit aus?

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Kommt es wegen des Niedrigwassers im Rhein zu einem Benzin-Engpass? 

Rhein-Neckar-Kreis - Der Pegelstand des Rheins steigt trotz Regen nur wenig. Mannheimer Frachtschiffe laden inzwischen nur noch ein Viertel ihrer normalen Menge. Wird unser Benzin deswegen knapp?

Mannheimer wundern sich: Viele Schiffe bleiben im Hafen, obwohl es in den letzten Tagen geregnet hat. Doch der Wasserstand in Rhein und Neckar steigt nur um wenige Zentimeter an. 

Erschreckend: Der Rheinpegel beträgt am Montag (29. Oktober) nur 1,25 Meter, der Neckar bei Heidelberg 2,08 Meter. Die Pegelstände sollen laut Prognose bis zum 4. November sogar weiter fallen!

Eigentlich sollten jetzt mehr Schiffe unterwegs sein. Tatsächlich sind es aber immer weniger, weil die Fracht zu teuer wird. 

Anhaltende Hitze führt zu Niedrigwasser im Rhein

Herr Hofmann von der Niederländischen Reederei im Hafen Mannheim zum aktuellen Stand: „Es werden immer mehr Aufträge zurückgezogen, weil die Produkte sonst zu teuer werden. Es wird auf Schiene oder Lkw umgeladen.“

Dabei steigen die Benzinpreise immer weiter, teilweise bezahlt man 1,66 Euro den Liter für Super und 1,54 Euro den Liter für Diesel! Hängen die hohen Benzinpreise mit dem Niedrigwasser zusammen?

Schiffe fahren mit nur 25 Prozent Fracht

Am Montagmorgen telefonieren wir mit der Reederei und erfahren, dass ein Schiff gerade im Hafen warten muss. Normalerweise mit 3.200 Tonnen beladen, transportiert es an diesem Tag nur 750 Tonnen. Laut Hofmann wartet es auf eine „kleine Welle“, um im Mannheimer Hafen losfahren zu können. Die meisten 2.000-Tonner laden wegen des niedrigen Rheinpegels nur 500 Tonnen. Das ist gerade einmal ein Viertel des normalen Volumens.  

Im Bereich Karlsruhe fahren im Moment gerade einmal die Hälfte der Schiffe. Wie stark die Gewinne in der Reedereibranche in diesem Jahr eingebrochen sind, kann noch nicht gesagt werden.

Wird das Benzin sogar knapp durch das Niedrigwasser in Rhein und Neckar? Steigen die Benzinpreise deshalb?

Viele fragen sich: Gibt es einen Zusammenhang zwischen den steigenden Benzinpreisen und dem Niedrigwasser in Rhein und Neckar? Könnte es sogar zu einem Versorgungsengpass kommen? 

Kaufmännischer Geschäftsführer der regionalen Rohölraffinerie „Miro Oberrhein“ in Karlsruhe, Markus Scheib, klärt auf: „Nein. Wir haben das Glück, von einer durchgehenden Pipeline mit Rohöl aus Norditalien direkt versorgt zu werden. Schlimmer sieht es bei den Erdölprodukten aus, die weiterverkauft werden. Die werden deutlich teurer."

Warum sprechen dann Tankstellen im Hunsrück oder Eifel schon vom Benzin-Notstand?

Bernd Zieger vom Bundesverband Freuer Tankstellen klärt auf: „Die Engpässe entstehen aufgrund eines logistischen Durcheinanders.“

Seit dem Brand in der bayerischen Raffinerie Vohburg sind die Tanklaster voll ausgebucht. Dort sind 6 Millionen Tonnen ausgefallen, die durch „Miro“ beliefert werden müssen. Viele Transportwege sind länger, Tankwagen rund um die Uhr unterwegs. 

Manche Verbraucher scheinen laut Stephan Zieger schon zu horten. Dies sei jedoch nicht notwendig. Alle Pendler-Regionen seien gut versorgt! Er schlägt vor, mit seiner Tankstelle vor Ort zu kommunizieren. In Zukunft wird sich zeigen, ob vieles neu organisiert werden muss.

Hintergrund: So setzt sich der Benzinpreis zusammen

Laut Angaben von „Shell“-Pressesprecherin Cornelia Wolber setzt sich der Benzinpreis aus folgenden Faktoren zusammen: Energiesteuer, Mehrwertsteuer, EBV-Abgabe, Deckungsbeitrag und Beschaffungskosten.

Fazit: Obwohl die Preise für das Barrel Brent Rohöl in Russland seit Ende September wieder leicht gesunken sind, hat es wenig bis keine Auswirkungen auf den Benzinpreis – genauso wenig wie die Frachtkosten! Der Benzinpreis ist abhängig vom Ölpreis am Weltmarkt – und der ist nach wie vor hoch.

1. Energiesteuer für Kraftstoffe: 65 Cent/Liter bei Benzin; 47 Cent/Liter bei Diesel

2. 19 Prozent Mehrwertsteuer

3. EBV-Abgabe für Ölbevorratung: das macht nochmals 0,27 Cent/Liter für Ottokraftstoffe und 0,3 Cent/ Liter für Dieselkraftstoffe aus.

4. Deckungsbeitrag: Daraufhin antwortet uns die Pressesprecherin von „Shell“ Deutschland, Cornelia Wolber: „Die Vermarktung von Kraftstoffen, Transport und Verteilung sowie der Unterhalt eines modernen Tankstellennetzes kosten viel Geld. Hierfür muss ein Deckungsbeitrag erwirtschaftet werden. Zu den anfallenden Kosten der Vermarktung kommen auch die Provisionen der Tankstellenpartner.

5. Beschaffungskosten: Laut Pressesprecherin Wolber: „Shell verkauft weltweit etwa viermal mehr Mineralölprodukt als wir selbst herstellen. Das heißt, auch wir sind auf die globalen Märkte angewiesen. Dafür ausschlaggebend ist der Preis für das Barrel Öl auf dem Rohölmarkt auf der einen, und die Preise für die Tonne Diesel und die Tonne Super auf den Märkten für Mineralölprodukte auf der anderen Seite.“

kpo

Quelle: Mannheim24

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