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SAP: Homeoffice auch nach Corona? Software-Riese erlaubt es Mitarbeitern dauerhaft

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Von: Peter Kiefer

Die SAP-Zentrale in Walldorf.
Die SAP-Zentrale in Walldorf. © HEIDELBERG24/Robin Eichelsheimer

Walldorf - Die typische 5-Tage-Bürowoche ist für die meisten Arbeitnehmer wohl auch nach der Pandemie Geschichte. So heißt es etwa bei SAP „Homeoffice forever“ – für jeden der will:

Dauerhaft Homeoffice? Die Arbeitswelt von morgen erschien für die meisten Menschen bis zum Frühjahr 2020 als reine Utopie. Und wurde dann schlagartig Realität: Binnen weniger Tage drängte die Pandemie im Zuge des hochansteckenden Coronavirus zu Beginn der Krise Millionen Arbeitnehmer ins Homeoffice. Inzwischen haben sich viele an die Heimarbeit gewöhnt. Angestellte wie Firmen haben die Vorteile zu schätzen gelernt. Einen Weg zurück in eine jahrzehntelang typische 5-Tage-Bürowoche dürfte es vielerorts auch nach der Pandemie kaum geben. Etliche Unternehmen haben ihren Mitarbeitern schon flexiblere Arbeitsmodelle für die Zukunft zugesichert – einige gehen noch weiter und wollen das Homeoffice dauerhaft als neue Normalität etablieren.

NameSAP
ZentraleWalldorf
BrancheSoftware
Mitarbeiter102.430 weltweit (Stand: 2020)
Umsatz27,3 Mrd. Euro (Stand: 2020)

Zu sehen ist das besonders in der IT-Branche. So versucht Europas größter Softwarekonzern SAP, der seinen Beschäftigten schon vor der Pandemie die Möglichkeit von bis zu vier Homeoffice-Tagen pro Woche einräumte, nochmals an Flexibilität zuzulegen. „Bei den meisten SAP-Mitarbeitern spielt es keine Rolle, von wo aus sie arbeiten. Wenn es die Tätigkeit nicht zwingend verlangt, an einem bestimmten Ort präsent zu sein, haben die Mitarbeiter bei der Wahl ihres Standorts alle Freiheiten“, sagt Cawa Younosi, der als Deutschland-Personalchef bei dem Konzern für rund 25.000 Beschäftigte zuständig ist.

Walldorf: So begründet der SAP-Personalchef das Homeoffice forever

Der SAP-Personalchef argumentiert im dpa-Interview auch mit einer gestiegenen Erwartungshaltung junger Talente auf dem Arbeitsmarkt. „Während viele Firmen vor der Pandemie möglicherweise Bedenken hatten, ob es funktionieren kann, wenn jemand regelmäßig von ganz woanders als im Büro arbeitet, ist die Sache doch jetzt klar: Ja, es funktioniert für viele Berufe.“ Nach den positiven Erfahrungen in der Pandemie habe ein Betrieb, in dem Homeoffice von der Tätigkeit her generell möglich ist, doch „gar keine Argumente mehr, wenn er einem talentierten Mitarbeiter jetzt sagt: Wenn du für uns arbeiten willst, musst du aber von Berlin zum Beispiel nach Schwäbisch Hall umziehen, weil da unsere Firma sitzt“.

Der Walldorfer SAP-Personalchef Cawa Younosi ist zuständig für 25.000 Beschäftigte des Software-Riesen.
Der Walldorfer SAP-Personalchef Cawa Younosi ist zuständig für 25.000 Beschäftigte des Software-Riesen. © SAP Firmenbild

Der Wunsch nach flexibleren Modellen ist in der Arbeitnehmerschaft ausgeprägt. Vier von fünf Beschäftigten, die bisher regulär im Büro arbeiten, wollen einer Erhebung des Beratungsunternehmens EY zufolge künftig zumindest einen Teil ihrer Arbeitszeit im Homeoffice verbringen. 38 Prozent möchten pro Woche nur noch drei- bis viermal, 36 Prozent nur noch ein- bis zweimal ins Büro.

Hannah Schade vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund führt das auch auf eine gestiegene Job-Zufriedenheit der meisten Arbeitnehmer im Homeoffice zurück. Das liege zu einem Großteil daran, dass die Menschen sich ihre Arbeit daheim besser einteilen könnten als im Büro. Zudem sende eine Firma durch freimütige Homeoffice-Angebote Signale des Vertrauens und der Wertschätzung. „Man fühlt sich doch gleich viel ernster genommen, wenn man weiß: Mein Arbeitgeber traut mir und stellt mich nicht unter einen Generalverdacht, wonach ich vielleicht nicht genug arbeite, wenn man mich im Büro quasi nicht überwacht.

Der Hype um Homeoffice – das sagen Gewerkschaften dazu

Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter sehen den Hype ums Homeoffice nicht unkritisch, zumal das Arbeiten von zu Hause leichter zu unbezahlten Überstunden führen könne. Auch könnten neue Homeoffice-Modelle zu verstärkten Einsparungen bei Firmenräumlichkeiten führen, was vielen Mitarbeitern bei Bedarf den Weg zurück ins Büro erschweren könnte.

Mit den gelockerten Regeln endet bald auch die Pflicht zum Arbeiten im Homeoffice. (Symbolbild)
Immer mehr Firmen lockern ihre einst strikten Regeln bezüglich Homeoffice. (Symbolbild) © Annette Riedl/dpa

Obendrein lässt sich auch der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter im Homeoffice schlechter sicherstellen. Das Thema war schon in der alten Arbeitswelt wichtig - und dürfte es in der neuen bleiben. Denn wer wann und wie lange arbeitet, lässt sich bei mobiler Arbeit oft gar nicht mehr überprüfen. Wissenschaftlerin Hannah Schade sieht hier eine Gefahr, zumal die im deutschen Arbeitsleben „stark verankerte“ Präsenzkultur im Homeoffice-Zeitalter keineswegs überwunden sei.

Auch wenn sich die Art und Weise ändert: Der Arbeitgeber freut sich weiter, wenn er weiß, dass seine Arbeitnehmer am Platz sind. Und viele Arbeitnehmer freuen sich weiter, wenn sie beweisen können, dass sie präsent und produktiv sind“, sagt Hannah Schade. Ihre Omnipräsenz könnten Mitarbeiter künftig etwa verstärkt dadurch demonstrieren, „dass sie sofort auf eine E-Mail antworten – sogar abends, sogar am Wochenende“. Im Endeffekt bleibe die Erholung auf der Strecke, sagt Schade. „Im besten Fall gibt es klare, verbindliche Absprachen mit dem Arbeitgeber, wann man das Recht dazu hat, nicht erreichbar zu sein.“ (dpa/pek)

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