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Silvester: Wortherkunft, Traditionen und Bräuche – alles, was Du über Silvester wissen musst

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Von: Leon Berent

Alles auf Anfang: Der Beginn eines neuen Jahres ist ein kleiner Einschnitt ins Leben, den viele für Veränderung nutzen wollen. Wie das gelingt und was es über Silvester zu wissen gibt:

Die Vorfreude beginnt spätestens am Morgen des 27. Dezember, wenn der Weihnachtszauber langsam abklingt und Du beim Naschen der letzten Plätzchen durch das Prospekt des nächsten Supermarkt blätterst. Es sind Produkte im Angebot, die „EXCALIBUR“, „OLYMP“ oder „BIG BOOMBASTIC“ heißen: Zeit, den Raclette-Grill aus dem Keller zu holen, das Bleigieß-Set aus Polen zu bestellen und das Silvester-Feuerwerk zu planen.

Silvester: Warum heißt „Silvester“ eigentlich „Silvester“?

Wir feiern schon so lange Silvester, dass wir uns nicht mehr fragen, warum es eigentlich Silvester heißt. Der Name geht zurück auf Papst Silvester I., der am 31. Dezember 335 starb. Aus seinem Todestag ist ein Namenstag geworden und so bekam auf die Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar ihren Namen.

Statur von Papst Silvester in Mantua, Italien.
Statur von Papst Silvester in Mantua, Italien. © Riccardo Speziari

Sein Name bedeutet „der Waldmann“ (von lateinisch silva „Wald“). Silvester ist Schutzpatron der Haustiere und wird um eine gute Futterernte und ein gutes neues Jahr angerufen.

Silvester: Alte Bräuche

Der 31. Dezember ist nicht nur der letzte Tag des Jahres, er liegt auch in der Mitte der sogenannten Rauhnächte, den zwölf Tagen zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar, denen im europäischen Brauchtum eine besondere Bedeutung zugemessen wird. Zur Mitte der Rauhnächte - in der Silvesternacht also - beginnt der Volkssage nach die „Wilde Jagd“: Angeführt vom germanischen Kriegsgott Wodan ziehen übernatürliche Jäger durch die Lüfte. Wer sie erblickt, soll sich niederwerfen.

Friedrich Wilhelm Heine: Wotans wilde Jagd (1882)
Friedrich Wilhelm Heine: Wotans wilde Jagd (1882) © Gemeinfrei

Die Germanen haben mit Vorgängern des heutigen modernen Feuerwerks versucht, diese und andere böse Geister in den Rauhnächten fernzuhalten. Nach dem Fall des römischen Reiches Ende des fünften Jahrhunderts nach Christus verteilten sich die unter dem Begriff „Germanen“ zusammengefassten Stämme in Europa und trugen so den Feuerwerksbrauch und die besondere Bedeutung des 31. Dezember in die Welt.

Das traditionelle Abfeuern von Raketen und Knallen von Böllern geht also zurück auf die Germanen. Darüber hinaus gibt es aber auch viele andere Traditionen, die wir an Silvester begehen. Traditionellere deutsche Silvestergerichte wie zum Beispiel Fisch gehen zumeist auf den Wunsch der Menschen zurück, im neuen Jahr viel Glück und Erfolg zu haben und alles Schlechte hinter sich zu lassen. So steckte man früher an Silvester in Deutschland eine Schuppe des Karpfens, der abends auf den Tisch kam, in die Geldbörse, in der Hoffnung, sie würde einem im kommenden Jahr stets zu ausreichend Geld verhelfen. Linsen aß man gern an Silvester, da man ihre Form, die an kleine Münzen erinnert, als Symbol für den erhofften Wohlstand betrachtete. Und auch jenseits des Essens war der Sinn oder Aberglaube, der sich hinter vielen deutschen Silvesterbräuchen verbarg, die Sehnsucht nach Glück, Gesundheit und einem guten Auskommen.

Silvester: 10 deutsche Silvestertraditionen

Auf der ganzen Welt wird der Jahreswechsel ausgelassen gefeiert. Hier eine Auswahl von Traditionen, die an einem typisch deutschen Silvesterabend einfach dazugehören.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihren vergangenen 12. Neujahrsansprachen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihren vergangenen 12. Neujahrsansprachen. © dpa

Silvester International

Auch wenn es beim Feiern des neuen Jahres international viele Gemeinsamkeiten gibt, unterscheidet sich Silvester von Land zu Land. An manchen Orten wird es gar an einem anderen Tag gefeiert – verrückte Welt!

Auf den ersten Blick erscheint es völlig klar: Am 31. Dezember endet ein Jahr, am 1. Januar beginnt das nächste. Der Termin ist jedoch weitgehend beliebig und keineswegs weltweit einheitlich. So feiert China bis heute das Neujahrsfest am Tag des Neumonds zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar. Im westlichen Kulturraum hat sich der 1. Januar erst seit dem Mittelalter als Neujahrstag durchgesetzt. 1582 verkündete Papst Gregor XIII. eine Reform des Kalenders und setzte damit den Jahresbeginn auf den 1. Januar fest. Für das Kirchenjahr gilt das bis heute nicht - es beginnt am ersten Adventssonntag.

Silvester in Frankreich

Die meisten Franzosen feiern zu Hause, im Freundes- oder Familienkreis, mit einem Essen oder einer bescheidenen Party. Es wird elegant, aber nicht besonders aufwendig oder überschwänglich gefeiert. In Frankreich heißt Silvester außerdem „Réveillon“ oder „Saint Sylvèstre“ oder auch „Le Nouvel An“.

Silvester in China

Das chinesische Neujahrsfest, Chunjie, gilt als der wichtigste traditionelle chinesische Feiertag und ist eines der sechs asiatischen Mond-Neujahre. Der Neujahrstag, dessen Termin nach dem traditionellen chinesischen Lunisolarkalender berechnet wird, fällt auf einen Neumond zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar.

Silvester: Wie das mit den guten Vorsätzen gelingt

Ab dem 2. Januar drei Mal die Woche ins Fitness-Studio, kein Süßes mehr oder einfach mehr lesen: Gute Neujahrsvorsätze gibt es viele – und viele werden schon in den ersten Wochen wieder gebrochen. Das Problem, die guten Vorsätze nicht einhalten zu können, ist komplex und in unserer menschlichen Psychologie begründet. Wir machen uns keine Gedanken und legen uns keine Strategien zurecht, wie wir die Vorsätze umsetzten können. Frustration und Scheitern scheint vorprogrammiert. Einige psychologische Tricks können uns aber helfen, etwas zu ändern.

Eine Grundregel ist so einfach und naheliegend, das sie uns scheinbar gar nicht erst in den Sinn kommt: Besser 100 Dinge um ein Prozent ändern, als eine Angewohnheit um 100 Prozent. Wir sollten uns also nicht zu viel aufladen, sondern uns Vorsätze machen, die wir auch wirklich umsetzen können.

Auch ist die Motivation und Einstellung hinter den Vorsätzen entscheidend: Wir sollten wirklich den Willen zur Veränderung haben, sonst geben wir zu schnell auf. Stichwort: intrinsische Motivation. Das spektrum-Lexikon der Psychologie definert intrinsische Motivation wie folgt: „[I]ntrinsisches Verhalten [sollte] um seiner selbst oder eng damit zusammenhängender Zielzustände willen erfolg[en] und nicht bloßes Mittel zu einem andersartigen Zweck [...] Die Tätigkeit soll nicht über- oder unterfordernd sein, also die Kompetenz der handelnden Person in angemessener Weise fordern und damit ein optimales Aktivationsniveau hervorrufen. Außerdem soll sie ein freudiges Aufgehen in der Handlung selbst ermöglichen, das von Selbstvergessenheit und völliger Konzentration auf die Aufgabe (Flow) begleitet ist. Das ist vor allem bei Tätigkeiten der Fall, die den eigenen Interessen entsprechen. Desweiteren soll die Tätigkeit ein Gefühl der Selbstbestimmung vermitteln“. Wer Sport vor allem als Quälerei versteht, wird sich auch 2017 kaum dazu aufraffen können. Wird er hingegen als lustvolles Unterfangen in der Gruppe gesehen, ist das Gelingen wahrscheinlicher.

Und vor allem ist wichtig: Scheitern ist menschlich. Wir sollten also gut mit uns selbst sein, auch wenn wir unsere Neujahrsvorsätze brechen.

Silvester: Wo kommt das Feuerwerk ursprünglich her?

Die Erfindung des Feuerwerks wird gemeinhin in Asien verortet. Die Wissenschaft hat jedoch eine andere Antwort auf Ursprung von Raketen, Böllern und Knallfröschen gefunden: Es wird angenommen, dass sich die Chinesen eher am Wissen des Westens bedient haben, als andersherum. Das Feuerwerksbuch von des Arabers Hasan al-Rammah zeigt, dass er sich schon im Jahr 1285 an die Herstellung von Schwarzpulver wagte. Die Chinesen benutzten es erst ein wenig später - damals vor allem zu Kriegszwecken.

Das erste bekannte Lustfeuerwerk, also Feuerwerk, das bei einer Feier und nicht im Krieg eingesetzt wurde, hat an Pfingsten 1379 im italienischen Vicenza, bei dem eine feuersprühende Taube herabschwebte, stattgefunden.

Ganz genau kann uns das die Wissenschaft aber auch nicht sagen. Nur eines ist sicher: Die Zusammensetzung des Grundstoffes Schwarzpulver hat sich über die Jahrhunderte hinweg nicht wesentlich geändert. Es besteht zu 75 % aus Salpeter (Kaliumnitrat) und wird mit 10 % Schwefel und 15 % Holzkohle angereichert. Trotz Variationen in den Mischungsverhältnissen stellt Salpeter die Hauptsubstanz dar. Bis zur Erfindung von Nitroglycerins 1847, blieb Schwarzpulver die einzig bekannte Sprengsubstanz für Bergbau, Krieg und Feuerwerk.

Silvester 2020: Feuerwerk verboten? Kommt das „Böllerverbot“?

Auf der Bund-Länder-Konferenz, die aufgrund des Corona-Virus aktuell wöchentlich stattfindet, sind sich Bundeskanzlerin und Ministerpräsident*innen am 18. November in Bezug auf Silvester nicht einig geworden. Die Ministerpräsident*innen haben nun eine Beschlussvorlage für die Corona-Regeln im Dezember erstellt, die auf der Bund-Länder-Konferenz am 25. November diskutiert werden soll.

In einer Version vom 22. November heißt es: „Zum Jahreswechsel 2020/2021 sind der Verkauf, Kauf und das Zünden von Feuerwerk verboten, insbesondere um die Einsatz- und Hilfskräfte zu entlasten, die Kapazitäten des Gesundheitssystems freizuhalten und um größere Gruppenbildungen zu vermeiden“. Ein Böllerverbot?! Fans von Silvester-Feuerwerk – und auch der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) – im Schock.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) fasst die Meinung seiner Partei zum Böllerverbot wie folgt zusammen: „Dass es ein Verbot von Böllern und Silvesterraketen gibt, das ist nicht vorstellbar, weil auch nicht durchsetzbar. Ich denke mal an der Stelle sollten wir auf die Vernunft der Menschen setzen“ (tagesthemen 22:55 Uhr, 23.11.2020, 4:15). Es sind die von der SPD regierten Bundesländer, die auf ein Böllerverbot pochen:

Nach einer mehrstündigen Telefonkonferenz der Ministerpräsident*innen am Montagabend (23. November) kommt die Entwarnung: Zum Jahreswechsel 2020/2021 wird empfohlen, auf Silvesterfeuerwerk zu verzichten. Auf belebten Plätzen und Straßen wird die Verwendung von Pyrotechnik untersagt, um größere Gruppenbildungen zu vermeiden. Die örtlich zuständigen Behörden bestimmen die betroffenen Plätze und Straßen. Öffentlich veranstaltete Feuerwerke sind untersagt“. EXCALIBUR, OLYMP und BIG BOOMBASTIC stehen bereit. (lpb)

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