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Sinsheimer Mordprozess gegen Ehemann (66) – so geht‘s am Landgericht Heidelberg weiter

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Von: Katja Becher

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Beginn Prozess gegen Mann wegen Mordes an seiner Ehefrau in Sinsheim
Der Angeklagte im Verhandlungssaal des Landgerichts Heidelberg. © Uwe Anspach/dpa

Heidelberg - Aus Habgier soll er seine Frau umgebracht und ihre Leiche in einem Auto in Sinsheim abgestellt haben. Der Mordprozess gegen einen 66-jährigen Mann vor dem Landgericht:

Update vom 30. Januar: Das verhandelnde Landgericht Heidelberg hat die Fortsetzungstermine für den Mordprozess (Az. 6 Ks 100 Js 16363/22) gegen den 66-jährigen Gerd G. angekündigt, der seine Ehefrau (64) getötet haben soll. Die Verhandlungen finden am Montag (30. Januar) sowie am 31. Januar, 2., 3., 6. und 8. Februar jeweils um 9 Uhr morgens statt.

„Habe meine Frau sehr geliebt“: Angeklagter Ehemann äußert sich im Sinsheimer Mordprozess

Erstmeldung vom 16. Januar: Am 23. Juni 2022 wird in einem Auto in einem Gewerbegebiet in Sinsheim (Baden-Württemberg) die Leiche einer 64-jährigen Frau gefunden. Ihr Ehemann steht unter Verdacht, sie aus Habgier getötet zu haben. Am Montag (16. Januar) hat am Landgericht Heidelberg der Mord-Prozess gegen den 66-Jährigen begonnen. Am ersten Tag der Verhandlung kommt nicht nur der Angeklagte zu Wort, sondern auch die erwachsenen Kinder des Ehepaares.

Prozess-Auftakt nach Mord in Sinsheim – Gerd G. (66) soll Ehefrau aus Habgier getötet haben

Zu den Tatvorwürfen will sich der angeklagte Gerd G. nicht äußern. Wie HEIDELBERG24 berichtet spricht der gelernte Schlosser aber zum Prozessauftakt am Montag über sein Leben mit der Frau, die er getötet haben soll. „Glauben Sie mir, ich habe meine Frau sehr geliebt“, versichert der 66-Jährige bei seiner Vernehmung unter Tränen. „Wir haben eine sehr gute Ehe geführt“, erläutert er weiter. Es habe nicht viele Streitigkeiten gegeben und auch zu Gewalt sei es in rund 40 Jahren Ehe nie gekommen.

Die Staatsanwaltschaft zeichnet an diesem Tag ein anderes Bild: Aus deren Sicht habe Gerd G. spätestens in der Nacht zum 23. Juni 2022 den Entschluss gefasst, seine Ehefrau zu töten. Im Keller des gemeinsamen Hauses in Sinsheim habe er seiner Frau am Morgen zunächst den Mund zugehalten und ihr anschließend mit einem schweren Gegenstand, vermutlich einem Hammer, einen Schlag gegen den Kopf versetzt, so Oberstaatsanwältin Kerstin Anderson bei der Verlesung der Anklage.

Zwischen parkenden LKWs ist in Sinsheim eine Leiche in einem Auto gefunden worden.
Juni 2022: Der Fundort der Leiche in einem Auto im Gewerbegebiet von Sinsheim. (Archivfoto) © Julian Buchner / Einsatz-Report24

Sinsheimer Mordprozess – Kinder des Ehepaars treten als Nebenkläger auf

Die 64-jährige Frau habe einen offenen Bruch am Kopf erlitten, sei bewusstlos geworden und schließlich an ihrem Erbrochenen erstickt. Dann soll der Beschuldigte die Tote in den Kofferraum ihres eigenen Autos gelegt haben, zu einem Parkplatz am Rande des Sinsheimer Gewerbegebiets gefahren sein und den Wagen dort abgestellt haben. Die Tat sei aus „abstoßendem Gewinnstreben um jeden Preis“ geschehen. Auch Sicht der Staatsanwaltschaft wollte der Angeklagte an die Hinterbliebenenrente seiner Frau kommen. Ihm wird Habgier und Heimtücke vorgeworfen.

Eine zentrale Rolle im Sinsheimer Mordprozess werden auch die beiden erwachsenen Kinder des Rentner-Ehepaares spielen, die als Nebenkläger teilnehmen. Sie sitzen ihrem Vater bei der Verhandlung gegenüber, die Tochter hat ein Bild ihrer getöteten Mutter aufgestellt. Darauf zu sehen: Eine hellhaarige Frau mit getönter Sonnenbrille und Perlenkette. Tochter und Sohn sollen vor dem Landgericht am Montagnachmittag gehört werden.

Prozess nach Mord in Sinsheim – Kommissar spricht über erste Vernehmung von Gerd G.

Am ersten Prozesstag kommt auch der Kriminalhauptkommissar zu Wort, der Gerd G. nach dem Leichenfund im Juni 2022 vernahm – damals noch als Zeugen. Der 66-jährige habe noch in der Nacht des Leichenfundes ausgesagt, dass seine Ehefrau im Laufe des Tages zu ihrer Schwester gefahren und dann nicht mehr aufgetaucht sei. Er habe eigenen Angaben zufolge daraufhin mehrfach versucht, seine Frau anzurufen – Anrufe, die die Ermittler später auf dem Handy der Getöteten jedoch nicht feststellen konnten.

Gegenüber dem Kommissar habe Gerd G. in der Zeugenvernehmung im Juni bestritten, etwas mit dem Tod seiner Frau zu tun zu haben. Erst im Juli 2022 erhärtet sich der Tatverdacht gegen den Ehemann. Bei seiner Festnahme sei der Mann „auffällig ruhig“ und fast teilnahmslos gewesen, schildert der Ermittler. Das Schwurgericht am Landgericht Heidelberg hat im Sinsheimer Mordprozess sechs Fortsetzungstermine geplant. Es könnte demnach Anfang März ein Urteil sprechen. Bis dahin will es noch zahlreiche Zeugen und einen Sachverständigen hören. (kab)

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