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„Waren ein Bilderbuchehepaar“ – Kinder des Opfers (†64) sprechen im Sinsheimer Mordprozess

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Von: Teresa Knoll

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Beginn Prozess gegen Mann wegen Mordes an seiner Ehefrau in Sinsheim
Der Angeklagte sitzt im Verhandlungssaal des Landgericht neben seinem Anwalt Jens Klein (l). © Uwe Anspach/dpa

Heidelberg - Erster Tag des Mordprozesses gegen einen Mann, der seine Frau ermordet und im Kofferraum ihres Autos abgelegt haben soll. Seine Kinder treten als Zeugen auf:

Emotional wird die Zeugenaussage der Tochter, als sie über ihre Mutter spricht, die im Kofferraum ihres eigenen Autos in Sinsheim gefunden wurde. Die 39-Jährige spricht mit tränenerstickter Stimme, betont oft, wie wichtig die verstorbene Mutter für die Familie war. Auch den Vater lässt das nicht kalt. Immer wieder senkt er den Blick und bedeckt sein Gesicht mit der Hand, muss selbst ein wenig weinen, wenn seine Tochter vor Tränen nicht weiterreden kann.

Mordprozess um Tote aus Sinsheim: Noch am Morgen telefoniert sie mit ihrer Tochter

Noch am Morgen ihres Todestages hätte die 64-Jährige wie gewohnt mit ihrer Tochter telefoniert. Seltsam sei es rückblickend für die Tochter erst geworden, als der Vater sie mittags zu einer ungewohnten Zeit anruft. Allerdings hätte sie sich da noch keine großen Gedanken gemacht, wie sie vor dem Landgericht in Heidelberg sagt. Er behauptete, dass die Mutter zu ihrer Schwester gefahren sei. Die 39-Jährige ruft ihre Tante später an – dort ist die 64-jährige Mutter allerdings nie aufgetaucht.

Als die Mutter auf keinen der Anrufe ihrer Tochter reagiert und einige Stunden später am Nachmittag, ohne sich zu melden immer noch nicht aufgetaucht ist, habe die 39-Jährige gefühlt: Hier stimmt was nicht, denn es sei nicht die Art der Mutter gewesen, einfach so zu verschwinden. Im Gegenteil, sie wollte immer wissen, wo ihre Familie war und ob es allen gut ging. Der Abend des 23. Juni sei mit Herumtelefonieren und Fahrerei auf der Suche nach der Mutter in Sinsheim (Baden-Württemberg) vergangen, schildert die Tochter. 

Zwischen parkenden LKWs ist in Sinsheim eine Leiche in einem Auto gefunden worden.
Zwischen parkenden LKWs ist in Sinsheim eine Leiche in einem Auto gefunden worden. © Julian Buchner / Einsatz-Report24

Sinsheimer Mordprozess: Kinder sagen aus – Eltern waren „Bilderbuchehepaar“

Seltsam sei es gewesen, dass der Vater gar nicht mit auf die Suche nach der Mutter gehen wollte, sondern mit seinen Enkeln daheim blieb. Nachdem die Mutter aufgefunden worden war, sei es beiden, dem 31-jährigen Sohn und der 39-jährigen Tochter, aufgefallen, dass der Vater kaum über die Mutter sprechen wollte. Alle außer ihm hätten sich ständig darüber Gedanken gemacht, wer der Täter sein könnte. Aber, so hätten es sich die beiden Kinder der Toten erklärt, jeder gehe mit Trauer eben anders um.

Der Vater ist in den Schilderungen der Kinder der ruhige Part, erhält den Kontakt zu den Nachbarn, während die Mutter gerne unterwegs und in ganz Sinsheim bekannt ist, wo sie laut der Tochter ihr ganzes Leben gelebt habe. Dennoch sagen beide Kinder aus, dass es kaum einmal richtig Streit zwischen den Eltern gegeben habe, laut der 39-Jährigen waren die beiden ein „Bilderbuchehepaar“.

Sinsheim: Sohn findet Handy der Toten – „Als hätte es jemand aus dem Autofenster geworfen“

Der Sohn wirkt bei seiner Zeugenaussage aufgeregt. Er habe einen ganz normalen Alltag als Fahrlehrer gehabt und sich zuerst nichts dabei gedacht, als ihn der Vater zweimal anruft, denn er hatte schon seit drei Jahren kaum Kontakt zu seiner Familie. Durch seine Frau habe er dann allerdings erfahren, dass die Mutter vermisst werde. Trotz Kontaktabbruchs sei die Familie sein „Ein und Alles“, deswegen sei er sofort zu seinem Vater nach Hause gefahren. 

Dort kann er das Handy seiner Mutter per GPS ausfindig machen und fährt sofort zu dem Ort außerhalb von Sinsheim. Nach längerem Suchen findet er das Mobiltelefon – am Straßenrand im Gras, so „als hätte es jemand aus dem Autofenster geworfen“. Nicht weit von der Stelle entfernt sieht er das Auto der Mutter, doch da ist es schon zu spät: Der Sohn erfährt nur noch, dass seine Mutter tot ist.

Dem 31-Jährigen fallen zwei Details auf: In der Werkstatt seines Vaters kennt er sich etwas aus. Der Sohn behauptet, dass dort möglicherweise einer der Hammer fehlen könnte. Als Fahrlehrer hat er ein besonderes Auge dafür, wie das Auto mit der Toten im Kofferraum abgestellt ist. Es steht in einer recht schmalen Parklücke zwischen zwei anderen Fahrzeugen. Laut Aussage beider Kinder sei die Mutter allerdings keine besonders gute Fahrerin gewesen und hätte das Auto gar nicht so ordentlich einparken können. (resa)

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