Radfahrer leben gefährlich

2 Tage – 2 Radfahrer in Lebensgefahr: Neue Statistik bestätigt dramatischen Unfall-Anstieg

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Ein Rentner (79) wird in Langenbrücken auf seinem Pedelec von einem ausparkenden Auto auf erfasst. 

Region - Zwei Unfälle, zwei lebensgefährlich verletzte Fahrradfahrer – das ist die Bilanz zweier Tage. Die steigende Zahl von verunglückten Radfahrern ist erschreckend – besonders bei Kindern.

In Zeiten der drohenden Klimakatastrophe gibt es bei der Forderung nach mehr klimaneutraler Mobilität einen seltenen Schulterschluss zwischen Bürgern und Politikern. Beide glorifizieren das Radfahren und fordern, die umweltfreundliche Alternative attraktiver zu machen. Doch Fahrradfahren ist riskanter als viele denken. So ist die Gefahr in Deutschland, bei einem Unfall ums Leben zu kommen, auf dem Fahrrad dreieinhalb Mal höher als im Auto. 

Gegenüber dem „ZEITmagazin“ bekundet der Unfallforscher Siegfried Brockmann erschreckende Verkehrsdaten: Das Risiko schwerer Verletzungen sei demnach für Radfahrer sogar siebenmal höher, so Brockmann. Diese Gefährdung scheint sich aktuell zu bestätigen: Allein in dieser Woche ereignen sich mehrere Fahrrad-Unfälle in der Region. Gleich zwei Fälle binnen weniger Stunden sorgen besonders für Bedrückung: 

Bad Schönborn/Karlsruhe: E-Bike-Fahrer schwebt in Lebensgefahr 

Am Mittwochmorgen (17. Juli) wird das beschauliche Langenbrücken bei Bad Schönborn mit einem tragischen Verkehrsunfall konfrontiert. Bei der heftigen Kollision zwischen einem E-Bike und einem BMW wird der Radfahrer lebensgefährlich verletzt. Beim Ausparken übersieht die 30-jährige Autofahrerin den Rentner auf seinem E-Bike. Durch den Zusammenprall stürzt der Radfahrer gegen einen weiteren geparkten Wagen. 

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Obwohl der Zweirad-Fahrer einen Helm trägt, schwebt er infolge des Sturzes in Lebensgefahr und muss in einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen werden. 

BMW-Fahrerin erfasst Rentner (79) auf E-Bike: Lebensgefahr!

Hockenheim: 76-jähriger Fahrradfahrer bei Sturz lebensgefährlich verletzt 

In knapp 20 Kilometer Entfernung verletzt sich einen Tag zuvor ein weiterer Rentner auf der Landstraße K4250 lebensgefährlich. Vorbeifahrende Autofahrer entdecken am Dienstagnachmittag (16. Juli) den 76-jährigen Fahrradfahrer schwerverletzt auf dem Asphalt liegend. Nach der notärztlicher Erstversorgung vor Ort wird der in Lebensgefahr Schwebende in eine Unfallklinik geflogen. Am 22. Juli gibt die Polizei bekannt, dass der Mann an seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus gestorben ist. Die Hintergründe des Unfall sind weiterhin unklar. 

Polizei sucht Zeugen: 

Der Unfallhergang kann bislang noch nicht eindeutig geklärt werden. Daher sucht die Polizei dringend Zeugen, die den Unfall und den Sturz des Mannes beobachtet haben und bittet diese, sich bei der Polizei Mannheim unter ☎ 0621 1744045 zu melden. 

Fahrradfahrer in Gefahr: Zahl tödlicher Unfälle steigt stark an  

Die tragischen Unfälle sind keine Einzelfälle – denn die von Unfallforscher Siegfried Brockmann prognostizierte erhöhte Gefahr für Radfahrer ist durchaus real. Aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2018 ergibt sich eine traurige Erkenntnis. Im Gegensatz zu Fußgängern, Auto- und Motorradfahrern ist die Zahl der Todesopfer bei Fahrradfahrern im Straßenverkehr gestiegen.  

  • Insgesamt waren im Jahr 2018 88.850 Menschen mit dem Fahrrad auf deutschen Straßen in Unfälle verwickelt. 
  • Davon verunglücken 445 Menschen tödlich. Das sind 63 Fahrradfahrer mehr als im Vorjahr und der höchste Wert seit 2009.

Vor allem rechtsabbiegende Lkw stellen eine erhöhte Gefahr für Fahrradfahrer dar. In Mannheim kommt im Juni ein 34-Jähriger auf diesem Weg zu Tode

Weiß lackierte Fahrräder werden im Gedenken an verunglückte Radfahrer/innen aufgestellt.

Dass Fahrradfahrer im Straßenverkehr besonders gefährdet werden, zeigt ein weiterer Fall aus Mannheim: Dabei wird eine Frau Zeuge, wie ihr Ehegatte unmittelbar vor ihren Augen von einem BMW erfasst und ebenfalls lebensgefährlich verletzt wird.

Fahrradfahrende Kinder bis 15 Jahren besonders gefährdet 

Insbesondere für Kinder ist der Straßenverkehr ein gefährliches Pflaster. Nach Meinung verschiedener Experten sollen Kinder erst ab dem 15. Lebensjahr in vollem Umfang verkehrstüchtig sein. Leider macht sich diese Einschätzung in den verheerenden Zahlen des Statistischen Bundesamtes ebenfalls bemerkbar:

  • Besonders erschreckend ist der Umstand, dass unter den Unfallopfern auf Fahrrädern im vergangenen Jahr 10.225 Kinder gewesen sind. Das entspricht einer Steigerung von fast vier Prozent. 
  • Von den 445 ums Leben gekommen Radfahrern sind 21 Kinder, sechs von ihnen sind durch rechtsabbiegende Lkw getötet worden.
  • In Waibstadt stirbt Ende Juli ein 15-Jähriger, nachdem an einer Kreuzung die Vorfahrt eines Mercedes missachtet und mit diesem frontal zusammenstößt.     

Unverletzt bleibt zum Glück eine Gruppe vom Radfahrern am Mittwochabend (14. August) - Ein Autofahrer verliert die Kontrolle und löst eine gefährliche Kettenreaktion aus!

pol/esk 

Quelle: Mannheim24

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