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Squid Game (Netflix): Schüler ahmen Horror-Spiele nach – das sollten Eltern und Lehrer tun

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Von: Fabienne Schimbeno

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„Squid Game“ (Netflix) - Beängstigende Szenen spielen sich aktuell auf internationalen Schulhöfen ab. Kinder spielen das brutale Spiel nach, verprügeln sich gegenseitig. So können Eltern und Lehrer eingreifen:

Update vom 26. Oktober: Die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern der Stadt Mannheim gibt nun Entwarnung: Die gewaltvolle Nachahmung von Spielen aus der Netflix-Serie „Squid Game“ sei kein Massenphänomen. Vielmehr handele es sich um Einzelfälle. „Zwar zeichnet der größte Teil wissenschaftlicher Studien ein klares Bild, dass das Schauen gewalttätiger Filme das Risiko für aggressive Handlungen von Kindern und Jugendlichen vorübergehend erhöht“, wie die Beratungsstelle mitteilt. „Allerdings führt erst ein Zusammenspiel verschiedener weiterer Risikofaktoren zu einer dauerhaft erhöhten Wahrscheinlichkeit aggressiver Handlungen“. Risikofaktoren seien unter anderem eine ohnehin gesteigerte Aggressionsbereitschaft, ein niedriges Selbstwertgefühl oder eine schwierige familiäre Situation. Trotzdem sei Vorsicht geboten.

Aufklärung über „Squid Game“: Wie Zugangsbeschränkungen und Selbstreflexion helfen können

Die Serie sei laut Angabe der psychologischen Beratungsstelle in Mannheim aufgrund ihrer Altersbeschränkung von 16 Jahren definitiv nicht für den Konsum von Kindern geeignet. Ebenso wie die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in Ludwigshafen rät auch die Beratungsstelle in Mannheim dazu, den Zugang zu der Serie zu beschränken. Dies könne beispielsweise durch das Einrichten einer Kindersicherung bei Netflix erfolgen.

Bei Jugendlichen hingegen verhalte sich das Ganze etwas anders: „Heftige Reaktionen der Eltern, Verbote und rigide Strafen bewirken eher das Gegenteil“, wie die psychologische Beratungsstelle in Mannheim mitteilt. „Sie können eher oppositionelles Verhalten auslösen: Warum dürfen Mitschüler das sehen und ich nicht?“. Die Beratungsstelle rät davon ab, das Konsumverhalten der Jugendlichen mit Fragen wie „Was für einen Mist schaust du dir denn wieder an?“ abzuwerten. Hilfreicher könne es sein, Interesse zu zeigen oder auch gemeinsam mit den Jugendlichen eine Folge anzuschauen und so miteinander ins Gespräch zu kommen.

Eltern können laut Angaben der Beratungsstelle aber auch ihr eigenes Konsumverhalten in Bezug auf gewalthaltige Filme oder Serien reflektieren: Sie können sich Fragen stellen wie „Wie war das bei mir früher?“, „Was habe ich geschaut, womit meine Eltern niemals einverstanden gewesen wären und wie ging es mir damit?“. „Beispiele für umstrittenen Filme gibt es in jeder Generation“, so die Mannheimer Beratungsstelle.

Grundsätzlich könne die psychologische Beratungsstelle in Mannheim bei Problemen oder Fragen jederzeit von Eltern, aber auch jungen Menschen kontaktiert werden.

„Squid Game“ an Schulen: Wie Lehrer gewalttätige Handlungen von Schülern vermeiden können

In der Netflix-Serie „Squid Game“ werden verschiedene Themen behandelt, wie zum Beispiel Kapitalismuskritik, das Fehlen von Solidarität, Leistungsdruck, Zwänge in einer hochindustrialisierten Gesellschaft, Sexismus, Migration und gescheiterte Lebensentwürfe. Laut der psychologischen Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in Mannheim können diese Themen gerade in Schulen aufgegriffen und diskutiert werden: „Sie können für ein Lernen im sozialen Kontext genutzt werden und so etwa den Erwerb von sozialen und emotionalen Kompetenzen, Entwicklung von Wahrnehmungsfähigkeit, Empathie und Zivilcourage fördern“. Schulen könnten auch mit außerschulischen Einrichtungen und Diensten kooperieren und gemeinsame Projekte zur Gewaltprävention anbieten.

Die Beratungsstelle rät weiterhin dazu, dass Schulen gewalttätige Handlungen im Zusammenhang mit der Serie „Squid Game“ abstrafen sollten, so wie das bei anderen Gewalthandlungen an Schulen auch der Fall sei. 

„Squid Game“: Deshalb sind Kinder und Jugendliche so fasziniert von der Serie

Laut der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern der Stadt Mannheim gibt es verschiedene Gründe, weswegen Kinder und Jugendliche so fasziniert von „Squid Game“ sind: „Da ist unter anderem das Phänomen der Angstlust zu nennen“, wie die Beratungsstelle erklärt. „Die Serie kann für Kinder und Jugendliche eine Art Mutprobe sein, mit der sie herausfinden können, wie viel sie aushalten“. Aber auch die soziale Komponente spiele eine Rolle: „Die Fragen, was die Freunde schauen, worüber in der Pause geredet wird und welche Themen in den sozialen Medien aufgegriffen werden“. 

Darüber hinaus könne auch der Reiz des Verbotenen von Bedeutung sein, gerade wenn Kinder und Jugendliche entsprechende Filme und Serien nicht konsumieren dürfen. „Die Serie kann aber auch als Provokation gegen die Eltern und als Abgrenzung von einer Gesellschaft, die die Vorstellung hat, ihr Nachwuchs solle nur mit Geschichten aus einer „heilen Welt“ konfrontiert werden, verstanden werden“ erklärt die psychologische Beratungsstelle weiterhin. Schließlich trage auch die Begeisterung für die koreanische Popkultur (z.B. K-Pop, K-Drama) gerade bei Jugendlichen zur Faszination von „Squid Game“ bei.

Squid Game (Netflix): Schüler ahmen Horror-Spiele nach – was Eltern jetzt wissen müssen

Update vom 25. Oktober: Wie die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in Ludwigshafen auf Anfrage der Redaktion mitteilt, wird Eltern geraten, mit den Kindern über „Squid Game“ und die darin gezeigten Gewaltszenen zu sprechen. Man müsse dem Kind klarmachen, dass die Serie fiktiv sei und Konflikte in der Realität anders gelöst werden können, wie eine Psychologin der Beratungsstelle erklärt. Darüber hinaus könne ein eigener Account für Kinder auf Netflix mit Zugangsbeschränkungen erstellt werden.

„Squid Game“ (Netflix): Kinder ahmen Horror-Spiele nach – Schulen schlagen Alarm

Erstmeldung vom 23. Oktober: Rotes Licht, grünes Licht – „Squid Game“ ist DER Serienerfolg in der Geschichte des Streaming-Dienstes Netflix. Die südkoreanische Serie ist zwar erst seit dem 17. September auf der Plattform zu sehen – doch bereits vier Wochen nach Veröffentlichung haben sich rund 111 Millionen Nutzer in über 90 Ländern die Staffel auf Netflix angesehen. Schulen auf der ganzen Welt schlagen jetzt jedoch Alarm: In einigen Ländern ahmen Kinder auf Schulhöfen die brutalen Spiele der Serie nach und verprügeln sich gegenseitig. Spielen sich bald schon ähnliche Szenen in der Rhein-Neckar-Region ab?

SerieSquid Game
ProduktionslandSüdkorea
Staffel1
Episoden9
Erstausstrahlung17. September 2021 auf Netflix

„Squid Game“ (Netflix): Kinderspiele mit brutalen Regeln - darum geht es in der Serie

Der spielsüchtige und hochverschuldete Protagonist Seong Gi-Hun wird dazu eingeladen, um ein sagenhaftes Preisgeld in Höhe von 45,6 Milliarden Won - das entspricht rund 33 Millionen Euro - zu spielen. Gemeinsam mit 455 anderen Personen wird er abgeholt, betäubt und an einen mysteriösen Ort gebracht, wo sie von maskierten und bewaffneten Menschen Anweisungen bekommen. Die rund 500 Teilnehmer sollen in scheinbar harmlosen Kinderspielen gegeneinander antreten. Scheitern sie, scheiden sie nicht nur aus, sondern bezahlen mit ihrem Leben.

Der Wettkampf besteht aus insgesamt sechs Spielen, die auf koreanischen Kinderspielen basieren. Spiele wie Tauziehen oder Murmeln haben zwar einfache Regeln, doch bereits ein kleiner Fehler kostet den Mitspielern das Leben. So zum Beispiel im ersten Spiel „Rotes Licht, grünes Licht“, bei dem die Teilnehmer innerhalb von 5 Minuten ein Feld durchqueren müssen. Erst wenn sich eine übergroße Roboterpuppe vom Feld wegdreht und „Rotes Licht, grünes Licht“ singt, dürfen sich die Spieler bewegen. Dreht sich die Puppe um und ein Teilnehmer bewegt sich immer noch, wird er von Bewegungssensoren in den Augen der Puppe erkannt und sofort erschossen. Bereits nach dem ersten Spiel sind nur noch 201 Teilnehmer am Leben.

Netflix-Serie „Squid Game“: Internationale Schulen schlagen Alarm - Kinder ahmen Spiele nach

Weltweiten Meldungen zufolge sollen bereits zahlreiche Kinder auf Schulhöfen die brutalen „Squid Game“-Szenen nachahmen. An einer belgischen Schule an der Grenze zu Frankreich in Erquelinnes sollen Kinder das Spiel „Rotes Licht, grünes Licht“ (in Belgien „1-2-3 soleil“, in Deutschland „Ochs am Berg“) nachgespielt haben, wie es in einem Artikel von RUHR24* heißt. Zwar sollen sie nicht ganz so heftig vorgegangen sein wie in der Serie, die Verlierer des Spiels sollen aber von ihren Mitstreitern verprügelt worden sein. Schulen appellieren nun an die Eltern: Laut der englischen Tageszeitung „Mirror“ werden bereits erste Warnbriefe von einer Schule in London an die Eltern zuhause geschickt, wonach Kinder, die die Spiele nachahmen, mit erheblichen Konsequenzen zu rechnen haben.

Die Netflix-Serie „Squid Game“ ist offiziell ab 16 Jahren. Offensichtlich wird die Gewaltserie jedoch von deutlich jüngeren Kindern und Jugendlichen konsumiert. Der Reiz für den Konsum von gewalttätigen Medieninhalten bei jüngeren Zuschauern ergibt sich laut der Initiative „klicksafe.de“ aus zwei wesentlichen Faktoren: Der emotionale „Kick“ und das Überschreiten von Grenzen und das gemeinsame Bestehen von extremen Situationen.

Schüler ahmen „Squid Game“-Spiele nach: Drohen in der Region ähnliche Szenarien?

Auf Anfrage beim Polizeipräsidium Mannheim sollen bislang keine Fälle bekannt sein, in denen Kinder aufgrund von „Squid Game“ aufeinander losgehen. „Sollten Sachverhalte bekannt werden, die sich in Zusammenhang mit dieser Serie bringen lassen“, so das Präsidium, „würde natürlich seitens der Polizei ein strafrechtlich relevantes Verhalten geprüft werden“. Die Schulen und Polizeireviere im Bereich des Polizeipräsidiums Mannheim stünden in engem Austausch hinsichtlich Präventionsangeboten für Schüler, heißt es weiterhin. Mehrere Anfragen an regionalen Schulen zu möglichen Gewalttaten von Kindern im Zusammenhang mit der Serie „Squid Game“ bleiben bislang ohne Auskunft.

Dass sich Trends aus anderen Ländern durchaus auch in der Region durchsetzen können, zeigt das Jahr 2016, als die fiesen Horror-Clowns von den USA an Neckar und Rhein schwappen. Erst im vergangenen Jahr soll in Ludwigshafen wieder einer zugeschlagen haben. (fas) *RUHR24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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