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Steinen: Freudentränen im Seniorenzentrum – Café darf für Geimpfte wieder öffnen

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Von: Sylvia Niestroj-Haß

Die Freude ist groß – Kaffeemühle darf für Geimpfte wieder öffnen
Seniorencafé in Steinen darf wieder öffnen. © Philipp von Ditfurth/dpa

Steinen – Es war ein Festtag für die Bewohner*innen des Seniorenheims Mühlehof – nach langem Warten darf das hauseigene Café wieder für seine geimpften Gäste öffnen.

Das lange Warten und der erbitterte juristische Kampf haben sich gelohnt: Seit letzter Woche dürfen die Bewohner*innen des Seniorenheims Mühlehof in Steinen wieder gemeinsam essen. Am vergangenen Mittwoch nehmen die Senior*innen zum ersten Mal seit vielen Wochen in ihrer „Kaffeemühle“, wie das hauseigene Café heißt, ein gemeinsames Mittagessen ein. Es gibt, zur Feier des Tages, ein Festessen.

Aber das ist bei weitem nicht das Wichtigste, denn die „Kaffeemühle“ ist weit mehr als nur ein Restaurant: Sie ist sozialer Mittelpunkt für seine Bewohner*innen.

Café-Wiedereröffnung für Geimpfte – „Kaffeemühle“ als zentraler Treffpunkt der Bewohner

Seit Beginn der Pandemie hat das Café „Kaffeemühle“ des Seniorenwohnheimes „Mühlehof“ im südbadischen Steinen geschlossen. Ein immenser Verlust für seine Bewohner*innen, für die das hauseigene Café weit mehr bedeutet als die bloße Einnahme der Mahlzeiten. Für die Menschen hier ist es ein Treffpunkt, ja ein Stück der eigenen, kleinen Welt: Hier trifft man sich, tauscht sich über Alltägliches aus; viele Geburtstage wurden hier gefeiert. Wie so vielen anderen Millionen Senior*innen in Deutschlands Senioren- und Altenwohnheimen leiden die Bewohner*innen sehr unter der Schließung des Cafés. Dadurch sind sie noch isolierter, noch abgeschnittener von der Umwelt.

Café-Wiedereröffnung für Geimpfte – Forderung der Öffnung ursprünglich für März geplant

Seit dem Ausbruch der Pandemie wird intensiv an Impfstoffen gegen das Coronavirus geforscht und in nur kurzer Zeit ist den Forscher*innen die Entwicklung von Impfstoffen gelungen. Seit Ende 2020 wird in Deutschland geimpft, wobei zunächst die über 80-jährigen ihre Corona-Schutzimpfung erhielten. So wie auch die Bewohner des Betreuten Wohnens „Mühlehof“ in Steinen. Von den knapp 56 Bewohner*innen haben sich 55 impfen lassen.

Seit einigen Monaten ist bekannt, dass gegen das Coronavirus geimpfte Menschen nicht nur selbst gegen das Virus geschützt, sondern auch so gut wie nicht ansteckend sind. Aus diesem Grund existiert schon seit Längerem eine Debatte über die Bevorzugung Geimpfter. In Zusammenhang mit der Not der durch Corona besonders isolierten Senior*innen im Heim entsteht bereits im März die Forderung nach einer Öffnung der „Kaffeemühle“. Ursprünglich geplant ist damals Ende März.

Café-Wiedereröffnung für Geimpfte – Angelegenheit geht vor drei Gerichte

Die ganze Angelegenheit geht insgesamt vor drei Gerichtsinstanzen: Zunächst wird die Forderung vom Verwaltungsgericht Freiburg und dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim abgelehnt. Daraufhin erhebt der Anwalt des Seniorenzentrums, Patrick Heinemann, eine Anhörungsrüge und ruft zugleich das Bundesverfassungsgericht an.

Anfang April wendet sich die ganze Angelegenheit: Hintergrund ist eine Neueinschätzung des Robert-Koch-Instituts, laut der Geimpfte kaum ansteckend seien. Demnach dürfte eine Öffnung des Cafés im Seniorenheim keine Gefahr darstellen. Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim bittet daraufhin das Landratsamt Lörrach, sich zu diesem Vergleichsvorschlag bis zum 12. April zu äußern. Am 12. April dann, nach schier unendlichem Warten, die erfreuliche Nachricht: Die „Kaffeemühle“ darf ihre Tore wieder für die 55 geimpften Bewohner*innen des Mühlehofs öffnen!

Café- Wiedereröffnung für Geimpfte – das erste gemeinsame Mittagessen gleicht einem Fest

Die Freude ist groß und für die Senior*innen gleicht der Tag der Eröffnung einem Festtag. Bei dem ein oder anderen Bewohner fließen sogar Freudentränen. Es ist mit Sicherheit ein bedeutender Tag, nicht nur für die Bewohner*innen des Seniorenwohnheimes Mühlehof – schließlich ist der Fall deutschlandweit bislang einzigartig. Er ist ganz klar einzubetten in die Debatte um die Grundrechte von Geimpften: Das Schicksal des Seniorenheimes Steinen könnte zu einem Präzedenzfall werden – richtungsweisend für andere Heime in der ganz Deutschland.

Café-Wiedereröffnung für Geimpfte richtungsweisend für Seniorenheime in BaWü

In Baden-Württemberg ist geplant, dass nun in vielen stationären Betreuungseinrichtungen wieder mehr Besuche und Kontakte der Bewohner untereinander ermöglicht werden, wenn mindestens 90 Prozent von ihnen komplett durchgeimpft sind; dies ist in Steinen nach Angaben des Betreibers der Fall. Trotzdem sollen vor Ort weiter die üblichen Regelungen während der Pandemie gelten, wie eine Maskenpflicht oder das Testen von Besuchern.

Café-Wiedereröffnung für Geimpfte – Happy End nicht nur für die Bewohner des Mühlehofs?

Diese Entwicklung ist für die vielen in deutschen Pflegeeinrichtungen lebenden Senior*innen gleichbedeutend mit einer Rückkehr in die Freiheit: Mussten sie doch das gesamte letzte Jahr seit Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland fast vollständig isoliert verbringen. Mittlerweile ist von den rund 900.000 Bewohner*innen in deutschen Pflegeeinrichtungen ein Großteil geimpft. Somit ist also ein Licht am Ende des Tunnels für diese Menschen wohl schon absehbar – und das kleine Seniorenheim im beschaulichen südbadischen Steinen wird zum Pionier und Hoffnungsträger. (snh)

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