Streitthema „Hitler-Glocke“

Herxheim wählt neuen Bürgermeister

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Die protestantischen Kirche in Herxheim: Hier hängt die umstrittene „Hitler-Glocke“.

Herxheim - Nach monatelangen Diskussionen um die umstrittene „Hitler-Glocke“ soll in Herxheim am Berg am 3. Dezember ein neuer Bürgermeister gewählt werden.

Das beschließt der Gemeinderat der pfälzischen Gemeinde am Montagabend (25.September). 

Die Zeit bis zur Wahl solle dazu genutzt werden, alle Fakten zu sammeln, um über den Verbleib der Glocke entscheiden zu können, sagte der Erste Beigeordnete Gero Kühner (SPD) am Montag in einer Sitzung des Gremiums.

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Dazu sei ein Gutachten in Auftrag gegeben worden, mit dessen Ergebnis bis Mitte Dezember zu rechnen sei (WIR BERICHTETEN).

Die mit einem Hakenkreuz versehene Glocke trägt die Aufschrift „Alles fuer's Vaterland Adolf Hitler“. Sie hängt seit 1934 im Turm der protestantischen Kirche, gehört aber der politischen Gemeinde. Seit dem 8. September ist sie abgeschaltet. 

Bronzeglocke mit Hakenkreuz

Die Experten sollen auch klären, welche Institutionen das Relikt nach einer möglichen Entfernung übernehmen könnten.

Hintergrund

Eine pensionierte Lehrerin hatte vor einigen Monaten in einem Zeitungsartikel kritisiert, dass die Glocke immer noch genutzt wird und nichts auf ihre Geschichte hinweist. Seitdem wird über die Zukunft des 240 Kilo schweren Bronzeklangkörpers diskutiert.

Die Kirchengemeinde und die Ortsgemeinde haben unterdessen beschlossen, dass die Glocke vorerst nicht mehr läutet.

Der ehemalige Bürgermeister von Herxheim, Roland Becker, hat in einem Beitrag des ARD-Magazins „Kontraste“ unter anderem gesagt, man sei stolz auf die Glocke, davon gebe es deutschlandweit nur drei Exemplare. Der von 1934 stammende Klangkörper trägt ein Hakenkreuz und die Aufschrift „Alles fuer's Vaterland Adolf Hitler“.

Er hat außerdem kritisiert, dass mit Hitler „immer gleich die Judenverfolgung“ verbunden werde. Man solle auch die Dinge nennen, „die er in die Wege geleitet hat“ und die man heute noch benutze. Becker hat kurz nach seinen umstrittenen Aussagen seinen Rücktritt verkündet. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal entschied in der Zwischenzeit, dass sie keine Ermittlungen gegen den ehemaligen Bürgermeister und einen weiteren Bürger einleiten wird, die unter anderem wegen Volksverhetzung angezeigt worden waren.

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dpa/rob

Quelle: Mannheim24

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