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Erdgasleitung durch BW – Stadt Heidelberg prüft Punkte für mögliche Klage

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Von: Peter Kiefer

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Heidelberg - Die geplante Erdgasleitung durch Heidelberger Gemarkung und sogar Weinberge stößt auf massive Kritik. Jetzt behält sich die Stadt Heidelberg den Klageweg vor:

Update vom 6. Dezember: Nach einer vertiefenden Betrachtung der aktuellen Pläne für die Süddeutsche Erdgasleitung (SEL) über Heidelberger Gemarkung bekräftigt die Stadt Heidelberg ihre ablehnende Position. Die derzeit vorliegende Trassenführung ist demnach nicht akzeptabel, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Rathaus. Besonders problematisch sei nach Ansicht der Stadt der Abschnitt, der durch die Rohrbacher Weinberge führen soll.

Für den Fall, dass die nun vorliegende Trassenplanung im weiteren Verfahren Bestand haben und planfestgestellt werden sollte, behält sich die Stadt Heidelberg den Klageweg vor. Die Stadt prüft dafür schon heute Anhaltspunkte, insbesondere in Bezug auf die Ablehnung der Alternativtrasse „Nußloch-Süd“, heißt es aus dem Rathaus.

Mega-Erdgasleitung durch BW – Trassen-Verlauf bei Heidelberg stößt auf Kritik

Erstmeldung vom 1. Dezember: Erstmal Dampf ablassen... Die geplante Süddeutsche Erdgasleitung (SEL) von Hessen durch Baden-Württemberg bis nach Bayern stößt auf teils massive Kritik! Hintergrund: Für den Südwesten plant die in Stuttgart ansässige Terranets BW GmbH den Bau einer 250 Kilometer langen Erdgasleitung mit einem Rohrdurchmesser zwischen 100 und 120 Zentimetern.

Erdgasleitung führt 7,5 Kilometer durch Heidelberger Gemarkung

Vom Bau der SEL im Abschnitt zwischen Mannheim und Hüffenhardt (bei Mosbach) ist auch die Gemarkung Heidelberg auf rund 7,5 Kilometern betroffen. Die neue Leitung soll dabei über rund 30 private Grundstücke in den Stadtteilen Wieblingen, Kirchheim, Rohrbach und Emmertsgrund verlaufen.

Für den Abschnitt Mannheim bis Hüffenhardt hat Terranets BW nun einen grundstücksscharfen Trassenverlauf vorgestellt. Demnach verläuft die geplante Trasse über Wieblinger Gemarkung und vorbei am Grenzhof. Weiter geht es von der Eppelheimer Gemarkung kommend nördlich an Patrick-Henry-Village vorbei durch die Felder in Richtung Kirchheim. Dort soll die SEL direkt an der B535 und B3 südlich an Kirchheim und Rohrbach vorbeigeführt werden, bevor sie östlich des Gewerbegebiets Rohrbach-Süd parallel zu einem Feldweg nach Süden geführt wird.

Ein Experte mit einer Karte von der geplanten Trassenführung der Süddeutschen Erdgasleitung.
Ein Experte mit einer Karte von der geplanten Trassenführung der Süddeutschen Erdgasleitung. © Terranets BW GmbH

Kritik an Streckenführung für Erdgasleitung – Terranets lehnt Alternative ab 

Nördlich der L600 soll die Leitung mit dem Verlauf der Hochspannungsleitung gebündelt Richtung Lingental geführt werden und auf rund 700 Metern durch die Rohrbacher Weinberge in Richtung Leimen-Lingental verlegt werden. So sieht es die von Terranets vorgestellte Planung vor. Die Stadt erachtet diese Form der Trassenführung durch die Heidelberger Weinberge als nicht akzeptabel. 

Die Trassenalternative „Nußloch Süd“, die nicht durch die Weinberge führt und auf Bestreben der Stadt Heidelberg und der Öffentlichkeitsbeteiligung ins Verfahren aufgenommen wurde, hat Terranets abgelehnt. Als Gründe wurden unter anderem dicht besiedelte Stadtgebiete, Altlasten und gesetzlich geschützte Biotope genannt. Insbesondere auch das Altbergbaugebiet mit Stollen und Schächten in Nußloch führe laut Terranets zu unkalkulierbaren Risiken. Daher werde auch nach der Alternativenprüfung bestätigt, dass die Trassenführung entlang der bereits 2006 planfestgestellten Trasse am wenigsten schädlich für Mensch und Umwelt sei, erklärte Terranets.

„Neue Erdgasleitung problematisch“ – Erster Bürgermeister Odszuck äußert sich

„Klimaschutz und der Ausbau erneuerbarer Energien stehen in Heidelberg an erster Stelle. Deswegen halten wir eine neue Erdgasleitung zunächst grundsätzlich für problematisch. Wie wichtig allerdings eine hohe Versorgungssicherheit ist, führt uns leider die aktuelle Energiekrise dramatisch vor Augen. Das müssen wir bei der aktuellen Diskussion im Blick behalten – vor allem, weil das Unternehmen die Leitung auch für den Transport von Wasserstoff auslegen will“, so Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck (CDU).

Daher ermuntere man alle Bürger dazu, die Öffentlichkeitsbeteiligung zu nutzen, um sich zu informieren und den Trassenverlauf auf der Projekt-Webseite zu kommentieren. Auch die geplante Streckenführung der künftigen Bahntrasse zwischen Mannheim und Karlsruhe stößt auf Kritik. So wehren sich vor allem die Kommunen Heidelberg, Eppelheim, Plankstadt und Oftersheim gegen das Vorhaben.

Markierung für eine Erdgasleitung
Eine 250 Kilometer lange Erdgasleitung zwischen Hessen und Bayern stößt auf Kritik. (Symbolfoto) © Stefan Sauer/dpa/Symbolbild

Planfeststellungsverfahren ab Ende Mai 2023

Mit der Präsentation des grundstücksscharfen Trassenverlaufs hat Terranets die zweite Phase der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung eingeleitet. Der Trassenverlauf und eine Online-Beteiligung sind auf der Projektwebseite unter www.terranets-sel.de veröffentlicht. Über die Planung wird das Unternehmen auch zu Beginn des Jahres 2023 in Heidelberger Gremien informieren. Auch ein Infomarkt für Bürgerinnen und Bürger vonseiten Terranets ist in Heidelberg geplant, bei dem die Vorhabenträgerin den Trassenverlauf vorstellt.

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Bis Ende Mai 2023 plant Terranets, den Antrag auf Bau und Betrieb der SEL beim Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe zu stellen. Die Stadt Heidelberg wird im Planfeststellungsverfahren als Träger öffentlicher Belange beteiligt und kann im Zuge einer Anhörung Einwendungen gegen den Plan erheben. Diese Einwendungen werden dann bei einem Termin erörtert. Für die Erteilung der Genehmigung der Trasse ist das RP zuständig. Die Stadt Heidelberg ist nicht Trägerin der Planung. (pek mit PM)

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