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Susanne Eisenmann: Kultusministerin in der Kritik – und trotzdem Spitzenkandidatin des Landes?

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Von: Josefine Lenz

Susanne Eisenmann
Für ihrem Vorschlag erhält Susanne Eisenmann viel Kritik. © Christoph Schmidt/dpa

Susanne Eisenmann ist Kultusministerin von Baden-Württemberg, jetzt will sie Ministerpräsidentin des Landes werden. Allerdings stößt sie mit ihrer Politik bereits auf jede Menge Kritik:

Susanne Eisenmann (CDU) wurde von der Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport zur Kultusministerin von Baden-Württemberg. Jetzt strebt sie die Kandidatur als Ministerpräsidentin an. Allerdings rückte vor allem die Corona-Krise die Politikerin in ein schlechtes Licht.

NameSusanne Eisenmann
Geburtstag28. November 1964
GeburtsortBad Cannstatt
ParteiCDU

Susanne Eisenmann: Kandidatin Landtagswahl 2021 – Ihr Leben ganz privat

Susanne Eisenmann wurde am 28. November 1964 in Bad Cannstatt geboren und ist in Stuttgart-Heumaden aufgewachsen. Sie ging beim Geschwister-Scholl-Gymnasium in Stuttgart-Sillenbuch zur Schule und machte dort ihr Abitur. Nach ihrem Schulabschluss studierte sie Germanistik, Linguistik und Politikwissenschaft. Im Alter von 26 Jahren erlangte Susanne Eisenmann, die von Freunden „Nanni“ genannt wird, den Magister Artium an der Universität Stuttgart. Danach promovierte sie im Bereich Philosophie. Ihre Abhandlung trug den Titel „Sed corde dicemus: das volkstümliche Element in den deutschen Predigten des Geiler von Kaysersberg“. Im Jahr 2011 heiratete Susanne Eisenmann Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung. Er brachte fünf Kinder mit in die Ehe. Sie gilt als Vertreterin einer urbanen, moderneren CDU.

Susanne Eisenmann: Kandidatin Landtagswahl 2021 – Beginn ihrer politischen Laufbahn

Bereits im Alter von 16 Jahren trat Susanne Eisenmann der Jungen Union bei. 1990 war sie Bezirksbeirätin von Stuttgart-Sillenbuch. Ein Jahr später wurde sie persönliche Referentin des damaligen CDU-Vorsitzenden Baden-Württemberg, Günther Oettinger. Noch vor ihrem 30. Geburtstag wurde Susanne Eisenmann in den Stuttgarter Gemeinderat gewählt.

Kurz vor der Jahrtausendwende war sie stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion im Gemeinderat der Stadt Stuttgart. Im Zeitraum von 2004 bis 2005 war sie erste Vorsitzende der Fraktion. Danach wurde die Politikerin zur Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport gewählt. Elf Jahre später kam Susanne Eisenmann ins Kabinett von Winfried Kretschmann. Sie ist seither als Ministerin für Kultus, Jugend und Sport verantwortlich. Im Amtsjahr 2017 war sie Präsidentin der Kultusministerkonferenz. „In dieser Zeit hat sie die Schullandschaft in Stuttgart modernisiert und zukunftsfähig gemacht – und bewiesen, dass ihr die Themen Bildung und Sport am Herzen liegen“, heißt es auf der Webseite des Landes Baden-Württemberg.

2021 will die Bad Cannstatterin die Landtagswahl von Baden-Württemberg gewinnen. Mit starken 95,4 Prozent wurde Susanne Eisenmann von den Delegierten des CDU-Landesparteitags als Spitzenkandidatin für das Amt der Ministerpräsidentin gewählt. Sie wäre die erste Frau in dieser Position. Gleichzeitig ist sie jetzt schon die erste Frau, die von der CDU Baden-Württemberg für Ministerpräsidenten-Position gewählt wurde. „Lasst uns das Fenster aufmachen, durchlüften und durchstarten. Die CDU von heute ist jünger, weiblicher und vielfältiger“, so Eisenmann bei ihrer Bewerbungsrede. Sie gilt als zupackend und entscheidungsfreudig.

Susanne Eisenmann: Kandidatin Landtagswahl 2021 – Kritik an ihrer Bildungspolitik

2016 warb die CDU in Baden-Württemberg bei der Landtagswahl für mehr G9-Angebote. Man sollte die Schulzeit für das Abitur wieder verlängern. Allerdings schmetterte Susanne Eisenmann dieses Vorhaben nach ihrem Amtsantritt ab. Daraufhin wurde eine Elterninitiative für eine Rückkehr zum G9-Modell ins Leben gerufen, die insgesamt 25.000 Überschriften sammelte. Eisenmann erklärte 2018, dass diese Unterschriften kein Stimmungsbarometer seien. Allerdings: In einer Umfrage aus dem Jahr 2021 wünschten sich 90 Prozent der Eltern das neunjährige Gymnasium zurück. Die Umfrage stammte von der Arbeitsgemeinschaft der gymnasialen Elternbeiräte. „Dies ist ein Schlag ins Gesicht von Kultusministerin Eisenmann, die seit Jahren behauptet, dass die Eltern mit dem derzeitigen achtjährigen Gymnasium zufrieden seien“, hieß es vom baden-württembergischen Landesvorsitzenden des Deutschen Philologenverbands.

Aufgrund von Etatkürzungen entschied Susanne Eisenmann im Oktober 2016 zahlreiche Projekte, die von ihren Vorgängern bereits auf dem Weg gebracht wurden, wieder abzubrechen. Zu den Projekten zählten die Einführung des Fachs Informatik in die siebte Klasse, Inklusion von Kindern mit Behinderungen und der Ausbau von Ganztagesschulen. Die Entscheidung wurde kritisiert, da unter anderem die Integration von Behinderten in den Unterricht erschwert wurde.

Die Politikerin schaffte das Landesinstitut für Schulentwicklung ab und setzte dafür auf zwei neue Einrichtungen: Das Institut für Bildungsanalysen sowie das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung. Durch sie sollen wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen und konkrete Maßnahmen gefunden werden.

Im April 2018 beschwerten sich Schüler über das Englisch-Abitur. Es sei zu schwierig gewesen, woraufhin eine Online-Petition ins Leben gerufen wurde. Rund 36.000 Stimmen wurden gesammelt. Susanne Eisenmann nahm zu den Vorwürfen Stellung und sagte, dass das „Niveau der betreffenden Aufgaben angemessen war“ und sie „vollstes Vertrauen in die Lehrkräfte“ habe. Am Ende lag der Notendurchschnitt genau bei dem Wert, wie die letzten vier Jahren zuvor (2,9).

Susanne Eisenmann: Kandidatin Landtagswahl 2021 – Kritik wegen Corona-Entscheidungen

Susanne Eisenmann stand auch in Zeiten der Coronavirus-Krise in Kritik. Nach dem ersten Lockdown ließ sie schrittweise Kitas in Baden-Württemberg öffnen. Allerdings wurden ihr deshalb Versäumnisse vorgeworfen. Unter anderem wurde die Informationspolitik von Eisenmanns Kultusministerium bemängelt. Auch Eltern und Schulleiter warfen der Politikerin Planlosigkeit bei der Wiedereröffnung vor. Trotz mehrfacher Anfragen hätte es laut Elternvertretern kein nachvollziehbares Konzept aus dem Kultusministerium gegeben. Deshalb demonstrierten im Sommer 2020 hunderte Menschen in der Stuttgarter Innenstadt.

Susanne Eisenmann sorgte außerdem im Winter 2020 mit einer Entscheidung für weitere Kritik. Bund und Länder hatten sich Ende November bei einer Corona-Schalte dazu entschieden, die Weihnachtsferien in allen Ländern bereits am 19. Dezember beginnen zu lassen. Auch Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, bestätigte bei einer Sondersitzung dieses Datum. Allerdings sagte Susanne Eisenmann, dass man den Plan von Bund und Länder nicht umsetzen werde und am späteren Ferienbeginn festhalten wolle.

Die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina richtete einen dringenden Appell an die Politiker. Unter anderem forderte sie einen harten Lockdown und eine Schulschließung bereits ab dem 14. Dezember. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte Susanne Eisenmann: „Manche Forderungen zeigen, dass die Leopoldina bei den Corona-Maßnahmen nicht ganz auf der Höhe der Zeit zu sein scheint.“ Der frühere Kultusminister Andreas Stoch äußerte sich dazu. Er sagte: „Es sei besonders gefährlich, dass die Ministerin auch Ratschläge der Wissenschaft, etwa von seiten der Leopoldina, ignoriere und als nicht zeitgemäß abkanzele“. Auch dass das E-Learning-System Moodle kurz nach Schulstart weitgehend ausfiel, sorgte für Unmut.

Susanne Eisenmann forderte im Frühjahr 2021 außerdem, dass Schulen „unabhängig von den Inzidenzzahlen“ öffnen sollen. Daraufhin gab es Rücktrittsforderungen gegen die Kultusministerin. Aufgrund der Infektionslage wurde dieser Plan aber nicht umgesetzt.

Im Januar 2021 warb Susanne Eisenmann außerdem für eine neue, von ihr erarbeitete Teststrategie – allerdings ohne Absprache mit dem Gesundheitsministerium Baden-Württemberg. Gesundheitsminister Manne Lucha warf der Kultusministerin deshalb „mangelnde Kooperation und Inkompetenz“ vor. (jol)

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