So laufen Vermittlungen derzeit ab

Tierheime in der Corona-Krise: Werden jetzt mehr Hunde und Katzen vermittelt?

Aufgrund der Corona-Krise sind die Menschen mehr zu Hause, viele möchten sich deshalb ein Haustier zulegen. Doch dienen Hunde und Katzen nur dem Zeitvertreib? Wir haben mit Tierheimen gesprochen:

  • Tierheime aus Heidelberg, Mannheim und Sinsheim schildern, wie sie mit der Corona-Krise umgehen. 
  • Wie läuft die Vermittlung von Hunden, Katzen und Co. ab?
  • Und gibt es Grund zur Sorge, dass die Tiere nur dem Zeitvertreib dienen?

Das Coronavirus stellt unser Leben völlig auf den Kopf. Urlaubspläne werden zunichte gemacht, Freunde treffen wird zur Seltenheit und unser Alltag spielt sich fast nur noch in den eigenen vier Wänden ab. Viele Familien müssen jetzt den Spagat zwischen Home-Office und Kinderbetreuung leisten. 

Doch aus dieser ungewohnten und neuen Situation können wir dennoch das Beste machen und uns den wirklich wichtigen Dingen im Leben widmen. So haben wir endlich mal Zeit für die wichtigsten Menschen und auch viele Tierbesitzer freuen sich über die gewonnene Zeit, die sie mit ihren Haustieren verbringen können. In der Mittagspause kann Frauchen jetzt schnell mal mit dem Hund eine Runde Gassi gehen oder Herrchen hat während der Arbeit am Computer die Katze schnurrend auf dem Schoß liegen.

Doch was ist mit den Tieren, die aktuell noch auf eine Familie und ein glückliches Zuhause warten? Was passiert derzeit mit den Vierbeinern, die auf eine Vermittlung hoffen? Wir haben uns bei den Tierheimen aus der Region umgehört.

Tierheime in Zeiten der Corona-Krise geschlossen – Was passiert mit Hunden, Katzen und Co.?

Egal, ob Tierheim in Heidelberg, Mannheim oder Sinsheim – sie alle haben wegen der Corona-Krise ihr Gelände für Besucher geschlossen. Denn selbstverständlich müssen auch dort die Regeln hinsichtlich des Infektionsschutzes gewährleistet und die Mitarbeiter vor möglichen Ansteckungen geschützt werden. Im Tierheim in Heidelberg arbeiten die Mitarbeiter in zwei Schichtdiensten. So könne verhindert werden, dass bei einem Corona-Ausbruch alle Tierpfleger in Quarantäne müssen, wie uns Iris Mathea, Geschäftsleitung für den Vorstand des Tierschutzvereins Heidelberg, auf Nachfrage erklärt.

Da die Tiere natürlich weiterhin versorgt werden müssen, läuft unser Tagesbetrieb unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen wie in allen Pflegebereichen verhältnismäßig normal weiter“, versichert Florian Brenner vom Tierheim Mannheim. Allerdings gebe es größere Einschränkungen beim Gassi gehen. Nur „Stammgassigeher“ dürften derzeit auf das Tierheimgelände kommen und nur einzeln mit den Hunden eine Runde spazieren gehen. Größere Gruppen oder Anfänger seien derzeit nicht möglich. 

Corona-Krise: Tierheime vermitteln ihre Schützlinge – aber nur nach einem langen Gespräch

Trotz der guten Versorgung im Tierheim soll letztlich jeder vierbeinige Bewohner an ein neues liebevolles Zuhause vermittelt werden. In Zeiten der Corona-Krise läuft eine Vermittlung allerdings etwas anders ab als gewohnt. Wer ein Tier als Familienmitglied aufnehmen möchte, der muss beim jeweiligen Tierheim zunächst einmal telefonisch einen Termin vereinbaren. „Unsere Interessenten sind sehr verständnisvoll“, erklärt Mathea und sagt weiter: „Die Vermittlung wird unter strengen Hygieneauflagen durchgeführt und wir haben eher einen Anstieg der Vermittlungen, da viele Menschen aufgrund Home-Office die zeitliche Möglichkeit haben, das vermittelte Tier während der Eingewöhnungsphase intensiv zu begleiten und zu unterstützen.

Trotz der vielen Zeit zu Hause muss ein Haustier wohlüberlegt sein.

Doch während das Tierheim in Heidelberg sogar einen Anstieg an Vermittlungen verzeichnet, sieht es bei den Tierheimen in Mannheim und Sinsheim anders aus.

Corona-Krise: Tiere als Zeitvertreib? Tierheim-Betreiber haben schlimmen Verdacht

Zwar gebe es auch im Tierheim Mannheim viele Anfragen, aber in den Gesprächen stelle sich schnell heraus, dass Tiere scheinbar nur ein netter Zeitvertreib während der Corona-Krise sind. „Sobald die Frage aufkommt, ob für das Tier danach auch weiterhin die Zeit bleibt, wird schnell klar, dass eine dauerhafte Übernahme in den seltensten Fällen sinnvoll ist“, so Brenner. 

Auch das Tierheim Sinsheim verdeutlicht, dass ein Tier nicht nur zum Schmusen da ist, sondern Arbeit, Zeit und Geld kostet. „In diesen Vermittlungsgesprächen ist uns aufgefallen, dass sich einige Menschen nur aus Langeweile und da man im Moment viel Zeit hat, ein Tier zulegen möchten. Diese Menschen machen sich gar keine Gedanken was mit dem Tier im Alltag nach der Corona-Krise passiert, wenn die Kinder wieder in die Schule gehen und die Eltern Arbeiten sind, wenn also keine Zeit mehr vorhanden ist. Diese Leute machen sich auch keine Gedanken, was ein Tier kostet. Vor allem die Tierarztkosten sind ja immens hoch“, verdeutlicht Gaby Strobel-Maus vom Tierheim Sinsheim.

Die Tierheime erhalten auch viele Anfragen für Pflegeplätze. „Dies haben wir strikt abgelehnt. Für das soziale Wesen eines Hundes wäre dies extrem kontraproduktiv, ihn für ein paar ‚schöne‘ Wochen in einer Familie zu verbringen, um ihn danach wieder ins Tierheim zu stecken“, erklärt Mathea. Auch das Tierheim in Mannheim vermittelt keine Tiere an einen Pflegeplatz während der Corona-Krise.

Werden nach der Corona-Krise Hunde und Katzen ins Tierheim abgeschoben?

Während der Corona-Krise sind bislang Meerschweinchen, Hasen und Hunde nicht häufiger bei den Tierheimen abgeben worden. „Es gab eine kurze Phase, in der wir viele Anfragen zur Abgabe von Katzen hatten, da es hieß, sie seien Corona-Überträger, aber das hat sich schnell wieder gelegt“, so Brenner. Doch wie sieht es aus, wenn die Corona-Krise endet? Was geschieht mit den Tieren, wenn Situationen auftreten, vor denen das Tierheim Sinsheim beispielsweise warnt? 

Während der Corona-Krise einen Hund zur Pflege nehmen? Tierheime wollen das nicht.

Am Anfang als die Corona-Krise losging, befürchteten viele Tierheime, dass die Menschen ihre Tiere abgeben oder aussetzen. Nun glauben wir, dass dies eher eintreten wird nach der momentanen Situation“, so die Sprecherin vom Tierheim Sinsheim. Werden also aus den einst geliebten neuen Familienmitgliedern bald lästige Anhängsel, die man schnellstmöglich loswerden will?

Wir hoffen, dass es nach Corona keine Flut von ausgesetzten Tieren oder Anfragen zu Abgabe von Tieren geben wird, da wir generell immer nur wenig Kapazitäten für private Abgaben haben. Was dann jedoch mit den Tieren passiert, sollten wir sehr viele Abgabeanfragen ablehnen müssen, ist wiederum ungewiss“, meint Brenner vom Mannheimer Tierheim und sagt abschließend: „Bleibt zu hoffen, dass die Leute vernünftig sind und auch beispielsweise im Home-Office, wenn die Kinder stören, diese nicht mit Tieren ruhig gestellt werden sollen oder ähnliche Dinge.

Übrigens: Im Juli soll eine Meldepflicht für Haus- und Zootiere kommen, die sich mit Corona infiziert haben.

jol

Rubriklistenbild: © picture alliance / Fredrik von Erichsen/dpa

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