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Tierrettung Rhein-Neckar in der Ukraine im Einsatz: „Macht was mit einem“

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Von: Fabienne Schimbeno

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Die Tierrettung Rhein-Neckar hat in den vergangenen Tagen ein beispielloses Engagement gezeigt. Hunderte Tiere wurden aus dem Krisengebiet der Ukraine in Sicherheit gebracht:

Mehr als zwei Wochen ist es her, dass Russland der Ukraine den Krieg erklärt hat. Tausende von Menschen sind bislang aus ihrem Land geflohen, viele mussten ihre Haustiere zurücklassen, andere haben sie mit auf die Flucht genommen. Die Tierrettung Rhein-Neckar war vor Ort und hat zusammen mit anderen Tierhilfsorganisationen Mensch und Tier versorgt:

OrganisationBerufstierrettung Rhein-Neckar
SitzHochdorf-Assenheim (Rheinland-Pfalz)
InhaberMichael Sehr

Tierrettung Rhein-Neckar: 156 Katzen und 104 Hunde aus der Ukraine gerettet

„Heute treten wir die Heimreise nach Deutschland an. In den letzten 1,5 Wochen konnten wir hunderte Tierleben retten, Kinderaugen zum Strahlen bringen und der Welt zeigen, dass Tiere und Kinder in unserer Gesellschaft besonders geschützt werden sollten“, postet Tierrettungsinhaber Michael Sehr am Sonntag (13. März) auf seiner Facebook-Seite. Die Tierrettung Rhein-Neckar hat in den vergangenen Tagen Unglaubliches geleistet.

Gemeinsam mit weiteren Tierhilfsorganisationen, wie zum Beispiel PETA Deutschland, konnten insgesamt 156 Katzen und 104 Hunde aus dem Krisengebiet der Ukraine evakuiert werden. Unter besonderen Strapazen wie wenig Schlaf, kaum Nahrung haben die Helfer die Tiere in Tierheime Nahe der polnischen Grenzen sowie in Krakau untergebracht. Das geht aus verschiedenen Facebook-Posts der Tierhilfsorganisationen hervor.

Tierrettung in der Ukraine: Helfer beschreibt Situation vor Ort – „macht was mit einem“

„Ob ich es wieder machen würde? JEDERZEIT!!“, postet Frank Weisskirchen, Inhaber eines privaten Tiersicherungsdiensts, am Sonntag auf Facebook. „Wenn man einer älteren Dame mit Pekinesenmix ein gebrauchtes, zu grosses Hundemäntelchen gibt und sie daraufhin anfängt zu weinen, weil ihr Hund nicht mehr friert, dann macht das was mit einem“, beschreibt er eine Situation vor Ort.

Täglich kämen Tausende Menschen an die Grenze. Es herrschen Temperaturen von bis zu minus 8 Grad Celsius, Kinder tragen viel zu große Pullover, „die ihnen bis zum Knöchel reichen“. „Wenn wir keine Anforderungen hatten, haben wir Süßigkeiten gekauft und an die Kinder verteilt“, erzählt Frank Weisskirchen auf Facebook.

Tierretter warnt: Privat- oder Einzelpersonen sollten nicht an die Grenze reisen

Die Menschen und Tiere seien zum Teil bereits seit Tagen auf den Füßen. Kleine Hunde und Katzen würden auf dem Arm getragen werden, viele Tiere seien bereits aber auch entlaufen.

„Meiner Meinung nach sollten Privat- oder Einzelpersonen aber KEINESFALLS in den Osten reisen, um Tiere abzuholen“, warnt Frank Weisskirchen freiwillige Helfer. Sollten Personen Interesse an Unterstützung vor Ort haben, sollten sie sich mit den entsprechenden Hilfsorganisationen in Verbindung setzen. „Einzelkämpfer und Facebookhelden gefährden nicht nur sich, sondern werden auch früher oder später für Schwierigkeiten sorgen“, ermahnt Weisskirchen.

Übrigens: So kannst Du in der Rhein-Neckar-Region Menschen in der Ukraine unterstützen.

Krieg in der Ukraine: Tierschutzbund errichtet Basislager an polnischer Grenze

Der Deutsche Tierschutzbund hat derweil gemeinsam mit dem Bundesverband Gemeinschaft Deutscher Tierrettungsdienste e.V. ein Basislager an der polnischen Grenze errichtet. Dies sei durch Spenden der Bevölkerung möglich gewesen.

Bis spät in die Nacht seien die Teams der Tierrettung im Einsatz, um Tiere aus der Ukraine in Sicherheit zu bringen, sie zu versorgen und an polnische Tierschützer zu übergeben. Auch aus einem ukrainischen Tierheim sollen bereits 25 evakuierte Hunde, 18 Katzen sowie einige freilaufende Hunde an der Grenze in Empfang genommen worden sein. Darüber hinaus seien zahlreiche Welpen gerettet worden. Die Berufstierrettung Rhein-Neckar half übrigens auch im Frühjahr 2021 in Australien aus, als dort verheerende Waldbrände den Lebensraum von Millionen von Tieren zerstörten.

Ukraine-Krieg: Tierschutzbund fordert Genehmigung der Tierhaltung in Flüchtlingsunterkünften

Damit Mensch und Tier nicht voneinander getrennt werden, fordert der Deutsche Tierschutzbund eine Genehmigung der Tierhaltung in Flüchtlingsunterkünften. Die Vereinigung habe bereits einen öffentlichen Appell an den Bundeskanzler und andere politische Verantwortliche geschickt.

Eine Trennung von ihrem Haustier würde die Geflüchteten noch mehr belasten und bringe zudem die ersten Tierheime in Not. Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher weiterhin finanzielle Unterstützung der Tierhalter und Tierretter, eine Ausweitung der Quarantänemöglichkeiten sowie eine Lockerung der Einfuhr-Ausnahmeregelung bei Tierschutztransporten. (fas)

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