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Katzen-Arrest in Walldorf: „Scheinheilige Diskussion“ – Tierschutzverein schaltet Anwalt ein

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Von: Marten Kopf

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Walldorf - Zum Schutz der Haubenlerche dürfen Katzen ab sofort nicht mehr ins Freie. Der örtliche Tierschutzverein äußert sich dazu gegenüber HEIDELBERG24 – und ist nicht begeistert:

Das Schicksal der Haubenlerche könnte vor Gericht entschieden werden. Zumindest das der drei letzten Lerchen-Brutpaare, die die Naturschutzbehörde Rhein-Neckar im vergangenen Jahr in Walldorf noch zählte. Es geht aber auch um das Schicksal der Katzen in Walldorf. Denn die dürfen – so verfügte es eben jene Behörde – bis Ende August nicht mehr vor die Tür. Wegen der Lerchen.

VogelHaubenlerche
OrdnungSperlingsvögel
VerbreitungEuropa, Afrika, Asien

Katzen-Arrest in Walldorf: „Das Beschwerdeaufkommen ist enorm“

In Walldorf im nördlichen Baden-Württemberg kochen inzwischen die Emotionen hoch. Die Ausgangssperre in Walldorf für Katzen wegen der brütenden Vögel gilt für den ganzen südlichen Bereich der Stadt, ein Teil des Zentrums mit inbegriffen. Bei der Stadtverwaltung gehen reihenweise Beschwerden ein. „Das Beschwerdeaufkommen ist enorm“, sagt Walldorfs Bürgermeister Matthias Renschler im Gespräch mit HEIDELBERG24.

„Sehr realitätsfern und nicht lebensnah“ nennt Renschler die von der Unteren Naturschutzbehörde erlassene Allgemeinverfügung für Walldorf, die die Vierbeiner unter Hausarrest stellt. Er rechne auch damit, dass sich Bürger auf juristischem Wege wehrten. Und tatsächlich geht das nun wohl schneller als gedacht.

Beschreibung des Gefahren- und Geltungsbereiches zur Allgemeinverfügung Haubenlerche
Innerhalb des grün markierten Bereichs müssen Katzen bis Ende August zu Hause bleiben. Rot markiert der Bereich, in dem die Lerchen während der letzten beiden Jahre nisteten. © Rhein-Neckar-Kreis/Screenshot HEADLINE24

Verfügung zum Schutz der Haubenlerche in Walldorf: Tierschutzverein prüft mildere Mittel

Der Tierschutzverein Wiesloch/Walldorf kündigte nun nämlich an, sich gegen die Verfügung wehren zu wollen: „Der Tierschutzverein Wiesloch/Walldorf klärt im Augenblick mit Juristen ab, inwieweit die Allgemeinverfügung des RNK vom 14.05.22 verhältnismäßig ist und ob die Maßnahme zur Erreichung des Ziels geeignet, erforderlich und angemessen ist oder ob es mildere Mittel zum Erreichen gibt“, teilt der Vorsitzende Volker Stutz auf Anfrage von HEIDELBERG24 mit.

Und genau das ist es, was es zu klären gilt: Wie verhältnismäßig ist es eigentlich, Freigang gewohnte Katzen über Monate einzusperren - um drei Lerchen-Paare zu schützen. Zu deren Feinden etwa auch Krähen und Marder zählen, die man kaum vom Jagen wird abhalten können. Der Tierschutzverein jedenfalls hält offenkundig wenig von der Behördenanordnung.

Hausarrest für Katzen in Walldorf: Tiere können depressiv werden

„Was der Tierschutzverein Wiesloch/Walldorf von dieser Maßnahme hält, erkennen Sie daran, dass wir Juristen eingeschaltet haben“, so Stutz weiter. Es sei im Augenblick wichtiger, die zum Teil verzweifelten Katzenhalterinnen und Katzenhalter zu beruhigen und zu versichern, dass der Verein alles ihnen Mögliche tun werde, um zu helfen.

Für den Fortbestand der Art komme es „auf das Überleben jedes einzelnen Jungvogels“ an, sagt dagegen der Landkreis, weiß aber durchaus selbst, wie hoch der Preis für die Katzen ist: „Es wird nicht verkannt, dass der fehlende Freigang und der nur sehr begrenzte Aktionsraum in der Wohnung nachteilige Auswirkungen auf die Verhaltensweise der Katzen haben können“, heißt in der Verfügung nämlich. So könnten die Tiere „depressiv werden und möglicherweise auch das Fressen verweigern“.

Tierschutzverein zu Katzenarrest: „Primitive Ebene sogenannter Fachleute“

Dazu hat Stutz eine sehr dezidierte Ansicht: „Wir werden uns nicht in weitschweifige und größtenteils scheinheilige Diskussionen einlassen oder uns auf die primitive Ebene sogenannter Fachleute begeben“, schreibt er gegenüber unserer Redaktion. Das sitzt. Es regt sich mittlerweile auch Widerstand gegen die Katzen-Ausgangssperre. Zwei Besitzer legen Widerspruch ein.

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Das Thema beschäftigt die Menschen. In sozialen Medien wie Facebook diskutieren hunderte Menschen das Für und Wider des Katzen-Arrests in Walldorf – mit deutlicher Tendenz zum Wider. (mko)

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