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Tübingen: OB Palmer platzt Kragen nach Ekel-Vergleich – „Holocaust nicht so missbrauchen“

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Von: Daniel Hagen

Boris Palmer regt sich über Ekel-Vergleich auf. (Fotomontage)
Boris Palmer regt sich über Ekel-Vergleich auf. (Fotomontage) © Tom Weller/Sebastian Kahnert/Boris Roessler/dpa

Tübingen - Oberbürgermeister Boris Palmer lässt seiner Wut auf Facebook freien Lauf. Der Grund dafür: mehrere Personen vergleichen ein Armband der Stadt Tübingen mit dem Judenstern.

Der Judenstern gehört zu einer der dunkelsten Zeiten der Weltgeschichte. Mit der Verabschiedung der Nürnberger Rassengesetze im Jahr 1935 waren jüdische Mitmenschen in Deutschland dazu verpflichtet, einen gelben Stern an der Kleidung zu tragen, damit man sie sofort von Nichtjuden unterscheiden konnte. Dabei handelte es sich um einen der ersten Schritte hin zum Holocaust, bei dem etwa 6 Millionen Jüdinnen und Juden systematisch ermordet wurden. Heute – 85 Jahre später – fürchtet sich eine bestimmte Menschengruppe erneut vor einer solchen Verfolgung. Dafür missbrauchen sie den Judenstern im Kampf gegen die Corona-Maßnahmen. Diese Tatsache bringt Boris Palmer nun zum Kochen.

NameTübingen
BundeslandBaden-Württemberg
Bevölkerung89.011 (31. Dez. 2011)
OberbürgermeisterBoris Palmer (Die Grünen)

Tübingen: Boris Palmer wird wütend wegen Vergleich mit Judenstern

Einen Judenstern einzusetzen, um das Testen oder Impfen zu diffamieren, würde niemand einfallen, der sich ernsthaft mit unserer Geschichte befasst oder wie ich Verwandte im Holocaust verloren hat. Auf so eine Idee kommen bezeichnenderweise vor allem Leute, deren Profile Fake sind und viele Bezüge zur AfD aufweisen. Den Holocaust auf diese Weise zu verharmlosen, ist nur in diesem Milieu denkbar“, schreibt der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer auf Facebook. Doch was genau ist da passiert?

Eine Person trägt ein Shirt mit der Aufschrift: Früher hieß es Judenstern, heute Impfpass!
Auf Querdenker-Demos wird der Holocaust relativiert. © Sebastian Kahnert/dpa

Angehörige aus dem rechten Lager und Verschwörungsideologen, wie bei Querdenken oder der AfD, halten die Corona-Maßnahmen für Verstöße gegen die Menschenrechte. Deutschland wird mittlerweile sogar als „Corona-Diktatur“ bezeichnet. Die Befürchtung der Masken- und Impfverweigerer ist, dass sie für ihre Taten verfolgt, ausgegrenzt oder sogar ermordet werden – so wie die Juden im Nationalsozialismus. Aus diesem Grund bezeichnen sie sich selbst als die „neuen Juden“, die durch Masken und Impfausweise gekennzeichnet werden sollen. Dabei handelt es sich aber komplett um Geschichtsrevisionismus, weil Maskengegner nur ein Bußgeld erhalten und es keine Impfpflicht gibt.

Tübingen: Querdenker verharmlosen Holocaust

Trotzdem sind auf Querdenker-Demos – wie zuletzt in Stuttgart – immer wieder Menschen zu sehen, die einen Judenstern auf ihrer Kleidung tragen. Darin steht das Wort „Ungeimpft“. Nun sind diese Personen aber noch einen Schritt weitergegangen und haben sich auf das Tübinger Modellprojekt eingeschossen. In der baden-württembergischen Stadt geht man nämlich einen etwas anderen Weg, um das Coronavirus eindämmen zu wollen. So sind alle Läden geöffnet und man darf sie mit einem tagesaktuellen negativen Coronatest besuchen. Zur Erkennung muss ein QR-Armband getragen werden, das nun von Menschen mit rechter Gesinnung als neuer Judenstern bezeichnet wird.

Die sachlichen Unterschiede sind ja so offensichtlich, dass man darüber eigentlich nichts schreiben muss. Juden wurden von den Nazis systematisch ermordet. Tests und Impfungen sind freiwillig. Das Tübinger Tagesticket und der europäische Impfausweis dokumentieren, dass ein Mensch einen Beitrag geleistet hat, andere nicht anzustecken. Und nur deshalb können mehr Kontakte riskiert werden. Wer sich nicht impft oder testet wird weder verfolgt noch gekennzeichnet noch ermordet“, erklärt auch Boris Palmer und mahnt, dass man den Holocaust nicht auf eine so schäbige Weise missbrauchen solle.

Antisemitismus ist aktuell leider wieder auf dem Vormarsch. Den Grund dafür hat der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung, Dr. Michael Blume, in Mannheim erklärt. Auch Attila Hildmann und Xavier Naidoo hetzen auf ihren Telegram-Kanälen immer wieder gegen Juden. Eine Strafe müssen die beiden aktuell aber nicht fürchten – denn Naidoo ist nach Spanien geflohen und Hildmann in die Türkei, wo er in Luxusvillen lebt. (dh)

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