1. Heidelberg24
  2. Region

Tübingen: Mann (37) hortet Waffen und Munition – selbst im Baby-Zimmer

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Daniel Hagen

Landgericht Tübingen
Ein Mann aus Tübingen hortet zahlreiche Waffen und landet dafür vor dem Landgericht. (Symbolfoto) © Sebastian Kahnert/Polizei Siegen-Wittgenstein/dpa

Tübingen - Ein Mann hortet unzählige Waffen und baut sogar Sprengstoff, um damit eine Bürgerwehr zu gründen. Dafür ist er jetzt verurteilt worden.

Über mehrere Jahre hinweg hat ein 37-Jähriger aus Baden-Württemberg Munition, Waffen- und Schussvorrichtungen gekauft
und gehortet – bis er von der Polizei geschnappt worden ist. Zum Prozessbeginn am Landgericht Tübingen hat der Staatsanwalt über eine Stunde lang rund 1.000 Beweismittel aufgezählt. Der Angeklagte hat laut eigener Aussage eine Bürgerwehr damit gründen wollen. Die Richterin ist davon aber nicht hundertprozentig überzeugt. Warum er für den geplanten Aufbau einer Bürgerwehr auch Schalldämpfer besorgt hat, sei ihr unklar. Außerdem soll der gebürtige Thüringer Sprengstoff hergestellt haben.

Tübingen: Mann hortet Waffen und Sprengstoff – für Bürgerwehr

„Ich habe 2015 aufgrund der Flüchtlingskrise damit begonnen und mich wegen der Unruhen bedroht gefühlt“, erklärt der Angeklagte den Kauf der zahlreichen Waffen. Laut der Vorsitzenden Richterin versteckt der Mann die Waffen, darunter auch vier Kriegswaffen, an verschiedenen Orten. Sogar im Wickelzimmer seiner wenigen Monate alten Tochter haben die Ermittler eine scharfe Waffe gefunden! Im Fall der Fälle habe er fünf bis sechs Menschen mit Kurz- und Langwaffen ausstatten wollen. Die Ermittler haben bei dem Hauptangeklagten auch Bücher über Sprengstoff und Munition gefunden.

Der 37-Jährige bestreitet vor Gericht aber, Sprengsätze gebaut zu haben. Die gefundenen Chemikalien habe er zum Pökeln und
wegen seiner Schweißfüße bestellt. Für das Gericht steht jedoch fest, dass er Chemikalien für den Bau von kleineren Sprengsätzen besessen und auch Probesprengungen vorgenommen hat. „Wir konnten nicht aufklären, was sie mit dem Sprengstoff wollten. Das
ungute Gefühl bleibt“, sagt die Richterin, die auch die Motivation hinter dem Waffenkauf nicht komplett glaubt. „Ich glaube Ihnen das nur bedingt. Es mag sein, dass die Flüchtlingskrise für Sie Auslöser war.“ Ob ein gezielter Angriff oder sogar ein Anschlag geplant gewesen ist, ist nicht bekannt.

Tübingen: Mann zu Haftstrafe verurteilt

Aufgrund der Faktenlage und der gefundenen Waffen verurteilt das Landgericht Tübingen den 37-Jährigen am Dienstag (31. August) zu einer Strafe von dreieinhalb Jahren Haft. Seine drei Komplizen werden zu Bewährungsstrafen und Sozialstunden verurteilt. Laut Gericht haben sie nach der Festnahme des Hauptangeklagten im August vergangenen Jahres einen Teil des Waffenarsenals weg gebracht, um den Hauptangeklagten zu schützen. Seine 24-jährige Lebensgefährtin wird zu zehn Monaten auf Bewährung
verurteilt, zwei Männer - 48 und 43 Jahre alt - zu einem Jahr und drei Monaten beziehungsweise zu acht Monaten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Bei einer Razzia im Oktober 2020 werden Einsatzkräfte auch in Baden-Württemberg und Bayern fündig. In mehreren Wohnungen und einem Waldstück finden die Beamten zahlreiche illegale Waffen, Nazi-Uniformen und verfassungsfeindliche Symbole. (dpa/dh)

Auch interessant

Kommentare