Was Naidoo, Hildmann und Co. glauben

Verschwörungstheorien: So entstehen Mythen über Gates, 5G und den Deep State 

Verschwörungstheorien gibt es schon seit Jahrtausenden. Doch gerade während der Corona-Pandemie nehmen sie besorgniserregend zu. Doch wie entsteht ein solcher Mythos – und ist er gefährlich?

  • Während der Corona-Krise mehren sich die Verschwörungstheorien über Ursache und Maßnahmen.
  • Prominente wie Xavier Naidoo, Attila Hildmann, Eva Herman oder Ken Jebsen teilen die Mythen.
  • Wie entstehen Verschwörungstheorien über Gates, 5G und den Deep State und wie gefährlich sind sie?

Das Coronavirus ist eine Biowaffe und wurde in einem geheimen Labor in China erschaffen, um eine neue Weltordnung herzustellen. Bill Gates hat Covid-19 erschaffen und will mit dem Verkauf eines bereits existierenden Impfstoffs noch reicher werden. Sars-CoV-2 gibt es gar nicht: es ist nur eine Ablenkung, damit Donald Trump und Wladimir Putin den Deep State ausschalten und die entführten und missbrauchten Kinder aus den Untergrundtunneln holen können. 

Dies alles sind Beispiele für die wahnwitzige Verschwörungsmythen, die in Zeiten der Corona-Pandemie gestreut werden und mit Xavier Naidoo, Sido oder Atilla Hildmann aktuell auch prominente Unterstützer finden. Die Anhänger dieser Theorien glauben den „Mainstreammedien“ nicht mehr und holen sich ihre Informationen aus dem Internet – von YouTube, Telegram und Blogs. Doch wie entstehen diese Mythen und wer glaubt daran?

Name

Xavier Kurt Naidoo

Geboren

2. Oktober 1971 in Mannheim

Größe

1,76 m

Bekannte Alben

Nicht von dieser Welt, Hin und Weg

Eltern

Eugene Naidoo, Rausammy Naidoo

Ehefrau

Julia

Verschwörungstheorien: „Aluhüte“ gibt es seit dem Mittelalter

Als Verschwörungstheorie wird im weitesten Sinne der Versuch bezeichnet, einen Zustand, ein Ereignis oder eine Entwicklung durch eine Verschwörung zu erklären, also durch das zielgerichtete, konspirative Wirken einer meist kleinen Gruppe von Akteuren zu einem meist illegalen oder illegitimen Zweck“, heißt es auf Wikipedia. Diese Mythen gehen bis in die Frühe Neuzeit (Mitte 13. Jahrhundert bis Ende 15. Jahrhundert) zurück und ziehen sich seitdem durch die Jahrhunderte. So auch die Rothschild- und Ritualmord-Legende, die zum Beispiel auch bereits von Sido und Xavier Naidoo verbreitet wurde.

Verschwörungstheoretiker werden oft auch abwertend als „Aluhüte“ bezeichnet. (Symbolfoto)

Während die „Aluhüte“, wie sie von vielen genannt werden – weil Alufolie die "Strahlung" vom Kopf abhalten soll – meist im Verborgenen unter sich bleiben und sich in Foren austauschen, hat die Corona-Pandemie für ein verstärktes Auftreten in der Öffentlichkeit gesorgt. „Verschwörungstheorien entstehen an sich in allen Krisen. Je größer die Krise, desto mehr und desto stärker. Was an sich auch kein neues Phänomen ist, sondern was es schon immer gab in der Geschichte“, sagt Kommunikationswissenschaftler Tilman Klawier. 

Verschwörungstheorien: Einfache Antworten auf komplexe Fragen

Sie entstehen in den allermeisten Fällen dadurch, dass jemand etwas nicht versteht und die Verschwörung die einfachste Erklärung, die einfachste Antwort anbietet“, erklärt Physiker und Verschwörungs-Experte Holm Gero Hümmler in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk. Auch der Lockdown komme aktuell erschwerend hinzu. Durch die soziale Isolation würde man nicht mehr von Freunden und Angehörigen berichtigt werden, wenn man anfängt „komische Sachen zu erzählen.“

Das unterstreicht auch eine Studie der Universität Osnabrück. Dort wurden vom 5. bis zum 11. Mai rund 1.000 Personen befragt, die noch nicht an Covid-19 erkrankt waren. Mindestens ein Drittel der Befragten hat den Indikatoren der Verschwörungstheorien zugestimmt und glaubt daran, dass das Virus im Labor entstanden sei. „Sie können außerdem mit Ungewissheit schlecht umgehen, darum sind ihnen Verschwörungstheorien willkommen, weil sie ihnen durch einfache Erklärungen wieder Kontrolle und Gewissheit zurückgeben“, erklärt Prof. Dr. Julia Becker von der Uni Osnabrück. Oft hilft zudem ein Feindbild, dem man gemeinsam die Schuld geben kann – zum Beispiel Juden, Politiker oder Satanisten. 

Verschwörungstheorien: Skeptiker greifen zu unethischen Mitteln

Laut der Studie neigen zudem viele Verschwörungstheoretiker zum Machiavellismus – also dem Glauben, dass Macht höher steht als Moral. Dadurch sind auch unethische Mittel Recht, um ein Ziel zu erreichen. „Oft sehen solche Personen keinen Sinn in den ‚Corona-Einschränkungen‘ und halten sich nicht an die ‚Corona-Regeln‘, weil sie sich nicht in ihren Grundrechten einschränken lassen wollen“, sagt Prof. Dr. Becker. Der eigene finanzielle Verlust oder die Sorge um die Gesundheit stehen damit höher als das Wohl der Gesellschaft. 

In Stuttgart haben sich tausende Menschen zur Querdenker Demo getroffen. 

So treffen sich tausende Menschen bei Demonstrationen und fordern ein Ende der Covid-19-Maßnahmen – ein Teil davon aufgrund von Verschwörungsmythen. Dabei reihen sich besorgte Bürger neben Rechte, Linke und viele andere Gruppierungen. Eine Mischung, die es zuvor so nie gegeben hätte. 

Verschwörungstheorien: Wie verbreiten sie sich?

Fernsehen und Internet haben sehr viel zur schnellen Verbreitung von Verschwörungsmythen beigetragen. Mit einem Klick findet man im World Wide Web alle wichtigen Informationen, die man gerade braucht. Vor allem lässt sich immer etwas finden, dass die eigene Meinung und Weltansicht widerspiegelt. Mittlerweile werden täglich zahlreiche Theorien und Fake News über YouTube, Telegram, Blogs und Foren in die Welt getragen – und erreichen damit alle Gesellschaftsschichten. 

Wenn man sich die Medien anguckt, die das anstacheln. Also so Geschichten wie KenFM oder aus der Schweiz KlagemauerTV oder BewusstTV, diese Online-Video-Kanäle. Die sprechen natürlich genau diese Themen an. Die sprechen die Mobilfunkgegner gezielt an, die sprechen die Impfgegner an, die sprechen die eher ausländerfeindlich eingestellten Leute gezielt an. Und das ist genau die Klientel, die sich auf solchen Demonstrationen wiederfindet“, sagt Holm Gero Hümmler.

Verschwörungstheorien: Prominente machen Stimmung – Überzeugung oder PR?

Auch immer mehr Prominente geben ihre Meinung zur Corona-Krise und den damit verbundenen Maßnahmen wieder. Oft haben sie einfach nur die Schnauze voll vom Lockdown oder haben Angst um ihren Job. Doch andere nutzen die Aufmerksamkeit, um ihre kruden Ansichten an ihre Fans zu bringen. So wie Xavier Naidoo, Attila Hildmann, Eva Herman, Detlfe D Soost, Sonja Zietlow und noch einige mehr. Da ihnen Facebook, Instagram und YouTube teilweise mit ihren Anti-Fake-News-Regeln nicht mehr gefällt, greifen sie zur russischen App Telegram und erreichen dort tausende ihrer Anhänger. 

Doch ist das alles echt oder wollen ein paar der Promis nur mal wieder im Rampenlicht stehen? Der Psychiater Borwin Bandelow von der Universität Göttingen glaubt, dass Leute wie Attila Hildmann oft von Narzissmus und Geltungssucht getrieben würden. So könnten mit der Krise Klicks und Follows gewonnen werden. Wirklich sicher kann man sich dabei aber nicht sein – vor allem wenn Glaube zu Gewalt führt!

Verschwörungstheorien: Wenn aus Mythen Gewalt wird

Die Verschwörungsmythen sind allerdings nicht nur bloß Worte und Behauptungen, die man einfach ignorieren kann. Denn manche Menschen stecken so tief in ihrem Glauben, dass sie bereit für Gewalt sind. So wie der US-Amerikaner Edgar Welch, der im Dezember 2016 eine Filiale der Pizzakette „Comet Ping Pong“ in Washington stürmte – mit einem Schnellfeuergewehr in der Hand. Er glaubte an Pizzagate – eine Verschwörungstheorie aus dem US-Wahlkampf – laut der Hillary Clinton dort einen Kinderpornoring führen würde. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

Doch auch im Jahr 2020, während der Corona-Krise, sind solche Szenen vorstellbar. Vor allem wenn Attila Hildmann mit Waffen posiert und ankündigt, zusammen mit Xavier Naidoo „Kopfschüsse“ für die Sache zu kassieren. Oder wenn der Kardiologe und „Corona-Rebell“ Thomas Binder in der Schweiz den bewaffneten Kampf ausruft und nach einem Waffenfund in seiner Wohnung in die Psychiatrie eingeliefert wird. Doch nicht alle Skeptiker, Leugner und Verschwörungstheoretiker kann man als psychisch krank bezeichnen. „Einzelne abwegige Äußerungen sind noch lange kein Hinweis auf eine ernsthafte psychische Erkrankung”, meint Borwin Bandelow dazu.

dh

Quelle: Mannheim24

Rubriklistenbild: © dpa/picture alliance/ Screenshot Youtube Wissensmanufaktur/ KenFM

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