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Waghäusel: Mann (27) stößt Schwerbehinderten brutal vor Zug – Fall wird neu aufgerollt

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Von: Eliran Kendi

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Die Angeklagten im Berufungsverfahren um einen lebensgefährlichen Stoß vor einen Zug warten im Schwurgerichtssaal des Bundesgerichtshofs mit ihrem Anwalt auf den Beginn der Verhandlung (6. April 2022).
Die Angeklagten im Berufungsverfahren um einen lebensgefährlichen Stoß vor einen Zug warten im Schwurgerichtssaal des Bundesgerichtshofs mit ihrem Anwalt auf den Beginn der Verhandlung (6. April 2022). © dpa/Uli Deck

Waghäusel - Offenbar aus Frust stößt ein Asylbewerber einen Schwerbehinderten vor einen Zug. Obgleich der Täter bereits verurteilt worden ist, wird der Fall neu aufgerollt.

Am Bahnhof in Waghäusel bei Heidelberg hat sich im Sommer 2020 unfassbares ereignet: Am Abend des 28. Juli wird ein schwerbehinderter Mann von einem damals 25-jährigen Asylbewerber ins Gleisbett gestoßen. Als ein Güterzug mit rund 90 Kilometern pro Stunde heranfährt, bettelt der 54-Jährige, dass er auf den Bahnsteig klettern darf. Doch der Syrer tritt und schlägt zu und verhindert so gezielt die Rettung. Sein ebenfalls anwesender jüngerer Bruder (22) soll nach Polizeiangaben den Tatort abgesichert haben.

WaghäuselGroße Kreisstadt in Baden-Württemberg
Einwohnerzahl20.548 (Dezember 2008)
Fläche42,84 Quadratkilometer

Landgericht Karlsruhe: Asylbewerber soll brutale Tat in Waghäusel aus Frust begangen haben

Dass das Opfer die brutale Tat am Bahnhof in Waghäusel überlebt, ist kaum zu glauben: Nur wegen seiner schmalen Statur schafft es das Opfer, sich in eine Lücke zwischen Betonwand und Zug zu quetschen. Dennoch erleidet der Mann schwere Verletzungen, Knochen brechen – bis heute spürt er die Folgen.

Die Angeklagten haben sich während des Verfahrens nicht geäußert. Der Haupttäter, wie sein Bruder, soll als Flüchtling nach Deutschland gekommen und frustriert über seine Lebenssituation gewesen sein. Schulabschlüsse sind nicht anerkannt worden. Hier und da habe er sich ein wenig Geld verdient.

Das Landgericht Karlsruhe sprach das Brüderpaar im April 2021 schuldig. Die Kammer verurteilte den inzwischen 27-jährigen Syrer wegen Mordversuchs zu zehn Jahren Haft, seinen 24-jährigen Bruder wegen unterlassener Hilfeleistung zu neun Monaten auf Bewährung.

Grausame Tat in Waghäusel: Verfahren wird am Bundesgerichtshof in Karlsruhe neu aufgerollt

Doch weil der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe Versäumnisse bei der Beurteilung psychischer Krankheiten sieht, muss eine andere Kammer des Gerichts den Fall seit Mittwoch (6. April) noch einmal verhandeln.

Demnach soll die Schuldfähigkeit des 27-Jährigen nicht richtig beurteilt worden sein: „So wurde eine paranoide Schizophrenie nicht ausreichend untersucht, weil das Landgericht die Auffälligkeiten in seiner Lebensführung im Tatzeitraum nur unzureichend gewürdigt hat“, teilt das Gericht mit.

„Zudem lassen die Ausführungen des Landgerichts eine – sich aufdrängende – Auseinandersetzung mit einer drogeninduzierten Psychose vermissen.“ Mit anderen Worten: Das Landgericht habe nicht berücksichtigt, dass der Täter wegen Drogenmissbrauchs an einer Geisteskrankheit litt.

Karlsruhe: Cannabis, Kokain und Crystal Meth – psychiatrische Gutachterin soll Schuldfähigkeit klären

Zu klären sei, ob der Mann in ein psychiatrisches Krankenhaus muss. So fragt der Vorsitzende Richter am Mittwoch auch immer wieder gezielt nach Symptomen und Drogenkonsum. Nach Angaben einer Gutachterin soll der ältere Bruder regelmäßig Cannabis sowie hin und wieder Kokain und Crystal Meth genommen haben. Optische und akustische Halluzinationen sind ebenso ein Thema.

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Für das neue Verfahren hat das Landgericht zunächst drei weitere Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird Anfang Mai erwartet.

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