Dokumentation der Arbeitszeit

Bürokratie-Wahn auf dem Spargelfeld

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Spargelfeld zwischen Walldorf und St. Leon-Rot. 

Walldorf – Ob Arbeitsbeginn, Pausen, das Ende oder die Dauer – Die Dokumentation der täglichen Arbeitszeit ihrer Spargelstecher erfordert von Bäuerin Anke Birkenmaier viel Zeitaufwand. 

Seit dem 1. Januar 2015 gilt auch in der Landwirtschaft der gesetzliche Mindestlohn. Das hat nicht nur für die Spargelstecher weitreichende Folgen...

Spargelsaison: Mindestlohn sorgt für Ärger 

„Im Durchschnitt kostet das Kilo Spargel dieses Jahr 50 Cent mehr“, erzählt Anke Birkenmaier, Inhaberin des Tradions-Spargelhofes Mayer in Walldorf. „Es gibt Familien, die normalerweise zwei Mal in der Woche Spargel essen, sich die 50 Cent mehr aber nicht leisten können. Entweder wird dann nur noch ein Mal die Woche Spargel gegessen oder sie greifen auf niedere Sorten, wie Bruchspargel, zurück.

Zusätzliche Kosten verursachen aber auch die mit dem Mindestlohn einhergehenden Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten, die auch für Saisonarbeiter gelten. Arbeitgeber müssen Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit aufzeichnen. „Das schlimmste ist der Zeitaufwand durch die zusätzliche Dokumentation“, sagt Anke Birkenmaier.

Viele der Saisonarbeiter können kaum bis wenig Deutsch oder sind Analphabeten. Sie schaffen es gar nicht alleine, der Aufzeichnungs- und Dokumentationspflicht nachzukommen“, erzählt sie weiter. 

Aber auch die Einhaltung einer 48-Stunden-Woche erweist sich als schwierig. „Die Erntearbeiter kommen nach Deutschland, um Geld zu verdienen. Sie verstehen oft nicht, warum sie zwischenzeitlich auch mal einen Tag auf ihrem Zimmer verbringen müssen – dann haben sie nämlich ihr Wochenstundenbudget erreicht.“

Noch bis Ende Juni wird sich Frau Birkenmaier mit dem Bürokratie-Wahn herumschlagen müssen – dann geht die Spargelsaison 2015 zu Ende.

lin

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