Vorsitzender der Moschee:

Überzeugungsarbeit vor der Notunterkunft Walldorf

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Einige Flüchtlinge weigerten sich in die Notunterkunft in Walldorf zu ziehen – und campten auf dem Gehweg.

Walldorf - Wie konnten die zwölf campierenden Flüchtlinge überzeugt werden, doch in die Notunterkunft einzuziehen? Die Antwort gibt uns der Vorsitzende der IGMG Mevlana Moschee: 

Ganze vier Tage weigerten sich zwölf Flüchtlinge, in die Notunterkunft in Walldorf einzuziehen, und campierten stattdessen bei Regen und Kälte auf dem Gehweg gegenüber.

 

(WIR BERICHTETEN)

 Das Ordnungsamt kündigte am Montag an, den Gehweg zu räumen, falls die Männer weiterhin dort schlafen sollten.

Doch noch vor dieser drastischen Maßnahme können Mitarbeiter der IGMG Mevlana Moschee die Flüchtlinge am Dienstagmittag überreden, in die Unterkunft zu ziehen. 

Die wahren Gründe der Verweigerung

HEIDELBERG24 hat mit Kocer Y., dem Vorsitzenden der IGMG Moschee, gesprochen und Details über die Situation erfahren: 

Als die Polizei zur Räumung eintrifft, bitten Mitarbeiter der Moschee darum, ihnen noch fünf bis zehn Minuten mit den Flüchtlingen zu geben. Sie hätten jahrelange Erfahrung und wüssten, dass man in solch einer Situation „nicht mit der Tür ins Haus fallen darf.“  

„Man muss den Menschen das Gefühl geben, dass man für sie da ist und ihnen wirklich helfen will – dass man sie versteht,“ erzählt uns Kocer Y. (41). Sie unterscheiden die Meschen nicht nach ihrer Nationalität der Reliogin – sie wollen allen helfen. 

Aus diesem Grund bringt er den Imam Zekai Arslan, den ehrenamtlichen Mitarbeiter Akif Ünal und zwei Syrer mit, die dasselbe durchlebt haben und sich mit den Männern auf Arabisch unterhalten können. 

Sie erklären den Flüchtlingen, dass „es nicht richtig sei, auf dem Gehweg zu schlafen.“ Im Hof ließe sich reden und man könne möglicherweise eine Lösung finden – auf ihre Probleme eingehen. Doch was sind die genauen Probleme? 

Enttäuschung der Flüchtlinge ist groß 

Einer der Männer verrät Kocer, er habe ein Herzproblem und brauche einen Platz, wo er mehr Luft bekomme. Zudem seien die Spinde mit 30 Zentimetern einfach zu klein.

Kocer redet mit den Helfern – ermöglicht einen anderen Platz, einen weiteren Spind und sogar einen zweiten Kühlschrank. 

„Sie kommen aus Karlsruhe, dort ist die Unterbringung möglicherweise etwas besser. Sie dachten, sie werden in Wohnblöcke oder Kasernen versetzt. Diese Unterbringung war erstmal ein Schock für sie.“ 

Die Sauberkeit ist in der Unterkunft in Walldorf soweit in Ordnung – das bestätigt auch Kocer. Die Männer hätten nur etwas anderes erwartet – zum Beispiel einen Teppich auf dem Boden. 

Einblicke in die Walldorfer Notunterkunft

Doch das ist nicht der einzige Grund...

„Wir sollten ihnen nicht das Gefühl geben, dass wir verhandeln.“

Während des Gesprächs – man kann schon fast von einer Verhandlung sprechen – gesellen sich immer mehr Flüchtlinge zu der Gruppe und lauschen dem Gespräch. Fühlen sie sich nicht auch benachteiligt? 

„Ja das stimmt, wir sollten ihnen nicht das Gefühl geben, dass wir verhandeln,“ meint Kocer. Bei dem hohen Zustrom an Flüchtlingen könnten (oder wollten) die Helfer nicht auf die individuellen Bedürfnisse jedes Flüchtlings eingehen.

Doch genau das hält der Vorsitzende für falsch: „Wenn man die Möglichkeit mit freien Plätzen hat, sollte man versuchen, den Menschen entgegen zu kommen.“ 

Es wird nicht geredet...

Vielen Flüchtlingen fehlt die Kommunikation, es gibt keine Erklärungen, wieso etwas geschieht. 

Genau deswegen wollten Kocer und seine Helfer mit den Flüchtlingen reden – und am Ende schaffen sie es - mit viel Verständnis und Freundlichkeit - die Männer zu überzeugen. 

Auch jetzt werden sie die Flüchtlinge nicht allein lassen: In der Moschee gibt es unter anderem eine Fußballverein und es wird ein Deutschkurs für die Flüchtlinge angeboten. 

nis 

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