Mutter von Henri hat Buch geschrieben

Vom „Fall Henri“ zum „Kind Henri“

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Kirsten Ehrhardt mit ihrem Sohn Henri.

Walldorf - Der Streit um die richtige Schule für Henri machte bundesweit Schlagzeilen. Jetzt hat seine Mutter ein Buch über die Geschichte des Jungen mit Down-Syndrom geschrieben.

Es war ein harter Kampf um die schulische Zukunft ihres behinderten Sohns Henri, doch Kirsten Ehrhardt ließ sich nicht entmutigen. Sie wollte, dass er trotz seines Down-Syndroms ein Gymnasium oder eine Realschule besucht, und zwar gemeinsam mit seinen Grundschulfreunden. Die gesamte Republik diskutierte mit. 

Für Erhardt war klar, dass Henri nie einen Abschluss an der Regelschule schaffen wird. Aber darum ging es ihr auch nicht. Sie wollte einfach keinen Sonderweg für ihr Kind. Das war schon früh so, wie ihr Buch „Henri. Ein kleiner Junge verändert die Welt“ zeigt, das an diesem Montag (11. Mai) erscheint.

„Es ist auch eine Art Abschluss dieses Kapitels“

Nach einem wiederholten Jahr in der Grundschule wechselte Erhardts inzwischen zwölfjähriger Sohn nach den Sommerferien auf eine Realschule in Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis). Diese hatte ihn ein Jahr zuvor noch abgelehnt.

Es sei ihr wichtig gewesen, Henris ganze Geschichte zu erzählen. So geht es im Buch erst spät um die Schwierigkeiten bei der Schulwahl. Vielmehr ist es die Lebensgeschichte des Jungen und ein Lehrstück darüber, wie eine Familie lernt, Inklusion zu leben - gegen viele Widerstände. Im Buch schreibt die Mutter: „Oft war über den ‚Fall Henri‘ zu lesen. Aber: Henri ist kein Fall, Henri ist ein Kind.“

Ehrhardts Buch zeigt, dass es stark vom Umfeld abhängt, wie schwierig das Leben mit einem Kind mit Down-Syndrom ist. Es beginnt mit Henris Geburt am Valentinstag des Jahres 2003. Er hat eine Darmfehlbildung, muss operiert werden und liegt lange im Krankenhaus. Teils wird er mit einem besonderen Blick angeschaut, mit dem „Der-ist-nicht-nur-krank-sondern-auch-noch-behindert-Blick“. Ehrhardt erzählt von der Frau, die auf dem Markt in den Kinderwagen schaut und sagt: „Das muss doch heute nicht mehr sein!“ Von Förderdruck, komplizierten Antragsformularen und Menschen, die Henri unterschätzten. 

Schon früh entscheiden sich die Eltern gegen eine Sondereinrichtung und schicken ihn in einen Kindergarten, in dem Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam betreut werden. Später besucht er eine Regelgrundschule. „Henri soll nirgendwo nur Gast sein“, schreibt Ehrhardt. „Er soll Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Zumindest soll er es versuchen und nicht nur Obstsalat schnippeln.“

Der Weg in die Realschule steht ihm nun offen. Die nächste große Hürde wird wohl der Übergang in die Arbeitswelt. „Ich hoffe, dass sich in unserer Gesellschaft dann wirklich etwas verändert hat“, sagt Ehrhardt.

rob/dpa

Quelle: Mannheim24

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