Klein jetzt allein verantwortlich

Nach einem halben Jahr: Co-Chefin Morgan verlässt SAP 

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Jennifer Morgan verlässt SAP.

Walldorf - Nach einem halben Jahr hört die erste DAX-Konzernchefin auf: Jennifer Morgan wird SAP verlassen. Christian Klein wird das Unternehmen jetzt allein leiten: 

  • SAP-Vorstandschef Bill McDermott tritt zurück
  • Nachfolger sind Jennifer Morgan und Christian Klein
  • Nach knapp sechs Monaten verlässt Jennifer Morgan den Software-Riesen. 

Update vom 21. April: SAP beendet das „Experiment“ mit der Doppelspitze nach einem halbem Jahr. Wie der Software-Riese am Montag (20. April) mitteilte, wird Co-Chefin Jennifer Morgan das Unternehmen nach 16 Jahren verlassen. Christian Klein soll „als alleiniger Vorstandssprecher“ die Geschicke des größten europäischen Software-Herstellers leiten. Die „beispiellose Krise“ fordere schnelles Handeln und starke, eindeutige Führungsverantwortung, heißt es dazu in einer Mitteilung von SAP. Die 48-jährige Morgan habe sich mit dem Aufsichtsrat einvernehmlich darauf geeinigt, das Unternehmen zum Monatsende zu verlassen. Morgan war die erste Vorstandschefin eines Dax-Konzerns überhaupt.

SAP: Christian Klein führt Software-Riesen jetzt allein

Christian Klein (39) steht nun allein vor der Aufgabe, den Konzern durch die Corona-Krise zu führen. Trotz aller Schwierigkeiten hat SAP im ersten Quartal einen deutlichen Gewinn eingefahren. Zwischen Januar und März verdienten die Walldorfer 811 Millionen Euro. Vor einem Jahr war erstmals seit fast 17 Jahren ein Quartalsverlust in Höhe von 108 Millionen Euro angefallen, weil SAP viel Geld in einen Stellenumbau gesteckt hatte. Auch die aktienbasierte Mitarbeitervergütung fiel dieses Mal deutlich schwächer ins Gewicht, weil der Aktienkurs nicht mehr so stark zugelegt hat. Viele Mitarbeiter bei SAP werden auch gemäß steigender Kurse der eigenen Aktie vergütet.

SAP hatte bereits vorläufige Zahlen vorgelegt und wegen der Corona-Krise seine Jahresprognose zusammenstreichen müssen. Der Umsatz war im ersten Quartal noch um 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro gestiegen, gegen Ende hatte der Konzern aber schon die Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen. Eine bedeutende Zahl von Neuabschlüssen sei verschoben worden, was sich vor allem in einem erheblichen Rückgang der Erlöse aus dem Verkauf von Softwarelizenzen widergespiegelt habe, hieß es. 

Für das gesamte Jahr 2020 rechnet SAP nun mit einem Umsatz in der Größenordnung von 27,8 bis 28,5 Milliarden Euro und einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 8,1 bis 8,7 Milliarden Euro.

Vorstandswechsel! SAP-Chef wirft überraschend hin

Grundtext vom 11. Oktober: Überraschende Nachrichten vom Software-Riesen SAP: Vorstandschef Bill McDermott tritt mit sofortiger Wirkung zurück! Das teilt der Walldorfer Dax-Konzern am Freitagmorgen (11. Oktober) mit. Die Geschicke von Europas größtem Softwarehersteller werden künftig die Vorstandsmitglieder Jennifer Morgan und Christian Klein leiten.

SAP: Rücktritt von Bill McDermott als Vorstandschef

Einen konkreten Grund für den überraschenden Rücktritt McDermotts als SAP-Boss wurde zunächst nicht genannt. „Jetzt ist der Moment gekommen, ein neues Kapitel aufzuschlagen“, wird McDermott zitiert.

Führungswechsel bei SAP: Bill McDermott tritt zurück, Jennifer Morgan (r.) und Christian Klein (l.) übernehmen.

McDermott ist seit 2002 im Unternehmen, fungierte ab 2010 als Vorstandschef von SAP. Seit 2014 führte der heute 58-jährige US-Amerikaner das wertvollste deutsche börsennotierte Unternehmen allein. Sein Vertrag lief noch bis 2021, er will bis Ende des Jahres noch als Berater zur Verfügung stehen. Mit dem Führungswechsel greife die langfristige Nachfolgeplanung des Kontrollgremiums, hieß es.

SAP: McDermott baute Unternehmen um

McDermott baute SAP stark in Richtung Cloudsoftware zur Miete aus dem Internet um. „Von dieser Weichenstellung wird das Wachstum von SAP noch viele Jahre profitieren“, sagte Aufsichtsratschef und SAP-Mitgründer Hasso Plattner, der zu den reichsten Deutschen zählt. 

Zuletzt hatte McDermott noch einen Plan zur längerfristigen Effizienzsteigerung für Mitte November angekündigt. Investoren hatten die seit langem unter dem starken Ausbau des Cloudgeschäfts leidende Marge immer wieder bemängelt, McDermott hingegen setzte voll auf das Wachstum bei der Software, die über das Internet genutzt wird und im Abo-Modell oder gegen Nutzungsgebühr bezahlt wird. 

McDermott gilt als begnadeter Verkäufer, Zaudern und Zweifeln ist seine Sache nicht. Für das Wachstum in der Cloud steckte SAP in seiner Zeit viele Milliarden in teure Zukäufe. Unter seiner Ägide wurde der Konzern zum wertvollsten deutschen Börsenkonzern, aktuell ist SAP rund 130 Milliarden Euro wert.

SAP: Positive Quartalszahlen

Die in der Nacht zum Freitag ebenfalls vorgelegten Zahlen zum dritten Quartal konnten sich sehen lassen. Umsatz und Gewinn kletterten unerwartet kräftig, nachdem SAP im Vorquartal noch den Handelsstreit zwischen den USA und China zu spüren bekommen hatte. 

Den Erlös steigerte der Konzern im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro, unter dem Strich blieben mit 1,26 Milliarden Euro 30 Prozent mehr Gewinn übrig. Im Tagesgeschäft steuerte auch das Cloudgeschäft spürbar mehr Gewinn bei. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg insgesamt um 20 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Das war deutlich mehr als Analysten erwartet hatten, die operative Marge lag mit 30,6 Prozent überraschend hoch. Finanzchef Luka Mucic führte das unter anderem auf Kostensenkungen und andere Effizienzmaßnahmen zurück. Die Finanzprognosen für das laufende und die kommenden Jahre bestätigte das Management. 

Noch im Januar hatte McDermott einen weiteren großen Konzernumbau angestoßen. Das Unternehmen streicht bis zu 4400 Stellen in Bereichen, die laut dem Management keine große Zukunft haben. Allerdings wollen die Walldorfer in vielversprechenden Bereichen wie Künstlicher Intelligenz Stellen schaffen. Im ersten Halbjahr hatte das Umbauprogramm unter anderem wegen Abfindungen gut eine Milliarde Euro gekostet.

SAP: Jennifer Morgan und Christian Klein übernehmen

Wie der Konzern in den kommenden fünf Jahren seine Marge kontinuierlich steigern will, müssen nun Jennifer Morgan und Christian Klein den Investoren Mitte November darlegen. Die Erwartungen sind groß: Im April gab der aktivistische und in vielen Chefetagen wenig willkommene US-Investor Paul Singer an, sich mit seinem Hedgefonds Elliott im großen Stil bei SAP eingekauft zu haben und Anteile im Wert von 1,2 Milliarden Euro zu halten. 

Morgan ist 48 Jahre alt und stammt wie McDermott aus den USA. Bisher steuert sie im SAP-Vorstand die Cloudsparte. Sie ist seit 2004 im Unternehmen, seit 2017 im Vorstand. Klein ist 1980 geboren und ist derzeit für die Produktentwicklung im Vorstand verantwortlich. Er ist seit 1999 im Unternehmen und seit vergangenem Jahr im Vorstand.

Das neue Führungsduo Jennifer Morgan und Christian Klein wolle den Kurs von Vorgänger Bill McDermott fortsetzen. Man dürfe erwarten, dass Klein und sie sich auf eine entscheidende Botschaft konzentrierten - und die laute: Kontinuität, sagte Morgan am Freitag in einer Telefonkonferenz. Die 48-jährige US-Amerikanerin wird Europas größten Softwarekonzern künftig gemeinsam mit Klein führen und ist damit die erste Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns. Klein verwies darauf, dass schon die SAP-Gründer Hasso Plattner und Dietmar Hopp gemeinsam an der Spitze gestanden hätten und es auch danach schon Führungsduos bei SAP gegeben habe. Er und Morgan ergänzten sich sehr gut.

Aufgrund des Coronavirus haben mehrere Firmen aus der Region ihren Arbeitern in China Richtlinien aufgegeben. Damit wollen unter anderem BASF und SAP ihre Angestellten vor einer Ansteckung schützen.

Im Auftrag der Bundesregierung sollen das Unternehmen SAP und die Telekom eine Corona-App entwickeln. Diese soll helfen, die Pandemie einzudämmen. 

dpa/rmx

Quelle: Mannheim24

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