Feuchtfröhliche Aktion

Die etwas andere WM: Pfälzer werfen Weihnachtsbäume

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Was für eine Gaudi bei der 11. WM im Weihnachtsbaumwerfen!

Weidenthal – Glühwein ist bei der WM im Weihnachtsbaumwerfen ein anerkanntes Dopingmittel. Der verrückte Wettstreit in der Pfalz hat wieder hunderte Zuschauer angelockt:

Mit Schmackes pfeffert Klaus Bahrdt die kleine Fichte in die Luft. In 3,50 Meter Höhe beschreibt sie einen eleganten Bogen um die Latte der Hochsprunganlage und stürzt zu Boden. Die Latte bleibt liegen.

„Für den Anfang ganz gut“, befindet Bahrdt, ein 57 Jahre alter Bauschlosser aus Meckesheim. Er nimmt an der Weltmeisterschaft im Weihnachtsbaumwerfen-Dreikampf teil, die am Sonntag zum elften Mal im pfälzischen Weidenthal stattfindet. Im vergangenen Jahr habe er nur zugesehen, doch nun wollte er es selbst probieren, sagt Bahrdt. 

Hat er gedopt? „Ja“, gesteht er freimütig. „Ich habe gut gefrühstückt heute Morgen.“ 

‚Doping‘ erlaubt: Pfälzer werfen um die Wette

Zahlreiche Männer, Frauen und Kinder sind gekommen, um das WM-Spektakel auf einem Sportplatz mitten im Pfälzerwald zu verfolgen – oder um mitzumachen. Die Teilnehmer müssen eine etwa 1,50 Meter große Fichtewie einen Speer werfen, wie einen Hammer schleudern und in der Hochsprunganlage über die Latte pfeffern - die Höhe dürfen sie selbst festlegen. Die Einzelwerte werden addiert; wer auf den größten Gesamtwert kommt, ist Sieger.

‚Doping‘ erlaubt

Bei den Männern belegt in diesem Jahr der 26 Jahre alte Lokalmatador Christopher Milloth mit einem Gesamtwert von 23,54 Metern den ersten Platz. Siegerin bei den Frauen wird Alexandra Köpper (43) aus Römerberg bei Speyer mit 15,95 Metern. Für manche Herren sei das ein richtig ernsthafter Wettbewerb, sagt Herbert Laubscher vom FC „Wacker“, dem örtlichen Fußballclub und Organisator der WM. Sie schauten sogar, welche Technik die Konkurrenten anwenden.„Aber für die meisten ist es auch Spaß.“ 

Für die Veranstalter auch, wie sich am vergleichsweise lockeren Regelwerk erkennen lässt. „Doping ist erlaubt“, sagt Laubscher – „aber mit Glühwein“. Der fließt am Rand des Sportfelds in Strömen und wird auch von jenen konsumiert, die nicht selbst beim Wettkampf antreten. Bei der Idee des Weihnachtsbaumwerfens hat der FC „Wacker“ nach Laubschers Angaben „ein bisschen abgekupfert“, und zwar bei einer schwedischen Möbelkette, die zum Weitwurf einlädt.

Schwedisches Vorbild

„Wir haben aber einen Dreikampf draus gemacht, wir wollten das nicht eins zu eins übernehmen“, sagt der 64-Jährige. So wurde die Weihnachtsbaum-WM zum Bestandteil des Knutfests, das der FC „Wacker“ nun zum 15. Mal feiert. Dabei sind die Menschen eingeladen, ihre alten Weihnachtsbäume mitzubringen, um sie auf einem großen Haufen zu verbrennen. Wer einen Baum bringe, bekomme einen Glühwein für umme“, sagt Laubscher. Im vergangenen Jahr wurden knapp 100 Bäume verbrannt. 

Die für den Wettbewerb genutzten Bäume sind aber keine Weihnachtsbäume – sie wurden nach Laubschers Angaben erst am Tag vor dem Wettbewerb im gemeindeeigenen Wald geschnitten, denn sie müssen etwas aushalten. 

Der 46 Jahre alte Oliver Koch zum Beispiel wirft den Baum unter den Anfeuerungsrufen seiner Bekannten 6,90 Meter weit. Im vergangenen Jahr war der Chemiker allerdings auf 8,55 Meter gekommen. Worauf führt er den Leistungsabfall zurück? „Die Bäume sind schwerer - oder wir werden älter“, scherzt er. 

Auch für einen 41-jährigen Mann aus Elmstein läuft es nicht rund – er scheitert beim Hochwerfen zweimal an der selbst auferlegten 4,50-Meter-Marke. „Ich wollte zu viel“, sagt der Elmsteiner. „Wenn man angreifen will, muss man was riskieren. Das hat nicht funktioniert.“ Nun gehe er einen Lumumba trinken, einen Kakao mit einem Schuss Rum. 

Die 50 Jahre alte Beate Pillmeier aus Oftersheim bei Heidelberg macht auf Anregung ihrer Familie mit. „Ich finde es ganz lustig“, sagt die Ergotherapeutin, nachdem sie den Baum im zweiten Anlauf über die bei 2,25 Meter liegende Latte geworfen hat. Sie nimmt die Erkenntnis mit: „Man braucht erst mal ein Gefühl.“

sag/dpa

Quelle: Mannheim24

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