Klima, Corona, viel Futter

Zecken 2021 auf dem Vormarsch? Experten warnen vor FSME-Virus

Baden-Württemberg - Wird 2021 ein Zecken-Jahr? Wegen des Klimawandels und der Corona-Epidemie dürften Borreliose- und FSME Erkrankungen deutlich steigen, warnen Fachleute:

Die Temperaturen steigen nach dem Winter wieder, wegen der weiterhin um sich greifenden Corona-Pandemie verbringen viele Menschen auffallend mehr Zeit in der Natur. Aber besonders in Wäldern und auf Wiesen in Süddeutschland wartet ein kleiner achtbeiniger Blutsauger auf seine Opfer: die Zecke. In Baden-Württemberg, Hessen und Bayern übertragen die Parasiten gefährliche Krankheiten wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Jetzt warnen Experten davor, dass die Anzahl der FSME-Erkrankungen 2021 deutlich steigen kann. 2020 waren laut Robert-Koch-Institut (RKI) deutschlandweit 704 FSME-Erkrankungen übermittelt. Das waren 58 Prozent mehr Fälle als 2019. Auch Heidelberg und der Rhein-Neckar-Kreis zählen seit Jahren zu den FSME-Risikogebieten.

Zecken-Jahr 2021? Experte erwartet mehr FSME-Erkrankungen

Ich erwarte das zweithöchste FSME-Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2001“, sagte Franz Rubel vom Wiener Institut für Öffentliches Veterinärwesen am Mittwoch (10. März). Laut Prognose der Vetmeduni Wien dürfte es in Deutschland 2021 540 FSME-Fällen geben. Diese Prognose beinhaltet aber noch nicht den Einfluss der Pandemie auf das Freizeitverhalten der Menschen. „Wir brauchen da noch etwa zehn Prozent Corona-Aufschlag“, sagte Rubel. Menschen hielten sich in ihrer Freizeit häufiger im Freien auf, so steige das Risiko.

Nach 704 FSME-Erkrankungen im vergangenen Jahr, dem höchsten Wert seit Beginn der Meldepflicht vor 20 Jahren, erwartet Rubel daher insgesamt rund 600 Fälle im Jahr 2021. Gegen FSME gibt es eine Impfung, nicht jedoch gegen die ebenfalls von Zecken übertragene und in ganz Deutschland verbreitete Borreliose. FSME-Infizierte bleiben in der Regel ohne Beschwerden, in schweren Fällen kann diese Viruserkrankung aber zu einer Gehirnentzündung führen und das Rückenmark schädigen.

Ein Schild in einem Wald warnt vor Zecken.

Nach Angaben des RKI schwankt die jährliche FSME-Fallzahl seit 2001 stark. Die Erkrankung ist vor allem in Süddeutschland bis hinein nach Hessen, Thüringen und Sachsen verbreitet. 2018 und 2020 wurden in Baden-Württemberg die meisten Fälle gezählt. „Letztes Jahr sind hier 331 Menschen an FSME erkrankt“, sagte Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. „Das trägt natürlich auch zum deutlichen Anstieg der deutschlandweiten Fallzahlen bei.“ Bayern war der Hotspot im Jahr 2019.

Deutlich mehr Zecken in 2021 ‒ Blutsauger früher unterwegs

Wegen der gestiegenen Temperaturen werde es 2021 in Deutschland überdurchschnittlich viele Zecken geben, prognostizieren Rubel und andere Forscher der Vetmeduni Wien aufgrund eines mathematischen Modells zur Zeckendichte. Das Prognosemodell wurde mit Zeckenbeobachtungen aus Süddeutschland im Zeitraum 2009 bis 2020 entwickelt. Seine Basis bilden unter anderem Populationszahlen, die von Gerhard Dobler vom Nationalen Konsiliarlabor für FSME der Bundeswehr an einem Infektionsherd in Bayern erfasst wurden. In die Vorhersage fließen auch biologische Parameter wie etwa die Zahl der Bucheckern und Eicheln zwei Jahre vor dem kommenden Sommer, die jährliche Durchschnittstemperatur im vergangenen Jahr und die aktuelle Wintertemperatur ein. Aus diesen Daten formulieren Rubel und andere Fachleute eine frühe Prognose für eine zu erwartenden Zeckendichte zu formulieren.

Ein Schild warnt vor Zecken.

Bestimmte Zeckenarten könnten aufgrund klimatischer Veränderungen bereits früher auf Wirtssuche sein, warnen Experten. Damit steige auch das Risiko, früher an den Erregern zu erkranken. Dobler empfiehlt Menschen, die sich in der Natur aufhalten und potentiell von Zecken gestochen werden könnten, sich impfen zu lassen. In Risikogebieten wie Baden-Württemberg und Bayern übernehmen Krankenkassen die Kosten für die Impfung.

Zecken in Baden-Württemberg: Nur ein Kreis nicht FSME-Risikogebiet

Zu einem besonderen baden-württembergischen Zecken-Zentrum entwickelt sich nach Angaben Oehmes der Landkreis Ravensburg: „Bereits im Jahr 2018 traten dort 22 Fälle auf. Mit 21 Fällen blieb die Zahl im vergangenen Jahr auf einem hohen Niveau stabil“.

Ganz Baden-Württemberg gilt laut RKI als FSME-Risikogebiet. Einzige Ausnahme: der Stadtkreis Heilbronn. 2020 wurden die meisten FSME-Fälle neben Ravensburg im Landkreisen Freudenstadt und im Ortenaukreis registriert. Keine Erkrankungen wurden dagegen in Heilbronn, in den Landkreisen Schwäbisch Hall, Neckar-Odenwald und Rhein-Neckar sowie in Heidelberg bekannt. (rmx mit dpa)

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa - Bildfunk

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