Der Vergleich

Asien oder Australien? Das sind die Tipps unseres Autors

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Sydney: Opernhaus und Harbour Bridge.

Ayers Rock oder Chinesische Mauer? Bondi- oder Sunsetbeach? Bananenkuchen oder Reisgerichte? Unser Autor hat beinahe drei Monate lang Teile Asiens und Australiens besucht und wagt einen Vergleich. Es sind nicht die augenscheinlichen Dinge, die sein Fazit beeinflussen.

München – Traumstrände, Skylines, Essen: Was macht einen gelungenen Urlaub aus? Unser Autor wagt einen Vergleich zweier Kontinente, nachdem er beide bereiste. Dabei dürfte vorab folgendes wichtig sein:

Mit „Asien“ sind die Länder China (inkl. Hong Kong), Taiwan, Philippinen und Bali/Lombok gemeint. Es ist lediglich ein Eindruck, der sich durch Gespräche mit Menschen, die schon länger in diesen Ländern leben, sowie durch eigene Erfahrungen entstanden ist.*

Natur/Sehenswürdigkeiten: Unentschieden

Chinas imposantestes „Naturschauspiel“ ist mit ziemlicher Sicherheit die Chinesische Mauer bei Peking, die ich auf meiner Reise gleich zu Beginn besuchte. Ihre gigantische Größe und die unglaubliche Weite, auf die man von dort aus blickt, bleibt definitiv in Erinnerung.

Das riesige Shanghai bietet vor allem eine atemberaubende Skyline mit dem Shanghai Tower als zweithöchstes Gebäude der Welt. Auch Hongkong überzeugte mich mit tollen Towern und genialen Ausblicken vom Victoria Peak. Doch China hat auch Orte der Erholung. Ein Beispiel: Die etwas kleiner Stadt Hangzhou. Sie wird von einheimischen gerne „das Paradies auf Erden“ genannt.

Mein nächstes Reiseziel war Taiwan. Vor allem der Tower 101 sticht über den Dächern der Hauptstadt Taipeh heraus. Natur hat Taiwan vor allem im Osten und Süden der Insel zu bieten. Während sich über den östlichen Teil des Landes Gebirge erstrecken, lassen sich südlich vor allem die Strände genießen.

Die Philippinen bieten vor allem reichlich Natur. Wasserfälle im Tropenwald, traumhafte Strände sowie viele Tauch- und Schnorchelgelegenheiten auf diversen Inseln. Sie entschädigen für klassische Sehenswürdigkeiten, die irgendwie auch gar nicht in das Land mit den 7.641 Inseln passen würden.

Das indonesische Bali beeindruckt mit vielen Tempeln, zu welchen jede Menge Touristen pilgern. Ruhe findet man eher in den Bergen bzw. den Vulkanen. Traumhafte Strände, dazu großartige Landschaften. Bali hat einiges zu zeigen.

Australien im Gegensatz vereint das allermeiste in sich. Tolle Städte mit Sydney oder Melbourne. Tolle Sehenswürdigkeiten wie die Harbour Bridge oder das Opernhaus in Sydney, die Great Ocean Road bei Melbourne oder der Ayers Rock in der Mitte des riesigen Landes, das ebenso übersät von schönen Landschaften und gesegnet von schönen Stränden ist. Nicht zu vergessen ist dabei das Great Barrier Reef, in das sich ein Ausflug definitiv noch immer lohnt.

Sicherheit/Einschränkungen: Punkt für Asien

Das Sicherheitsgefühl ist in den bereisten Ländern Asiens ebenso gegeben wie in Australien. Das hört sich im ersten Moment überraschend an, doch ich kann mich nur an wenige Momente auf den Philippinen erinnern, in der ein Unwohlsein vorhanden war. Das hing allerdings eher mit der Polizei des Staates zusammen, denn mit der dort lebenden Bevölkerung. Denn in dem Inselstaat herrscht derzeit eher Willkür als Rechtsstaatlichkeit.

Gerade in China sind die Sicherheitskräfte stets präsent, in Taiwan sind sie ebenso wie in Bali dagegen angenehm zurückhaltend.

In Australien greift der Staat stark ein. Viel Polizei, viele Restriktionen – darüber klagten viele Backpacker auf meiner Reise. Meine Vorstellung der großen Freiheit in Down Under konnte daher nicht bestätigt werden. Häufig teilten Schilder mit, wie man sich wo zu verhalten hatte. Auch in Sachen Alkohol mischt sich der Staat enorm ein. Das ist man aus Asien und Europa nur in Ausnahmefällen gewohnt. Die Folge: Supermärkte haben teilweise länger geöffnet als viele Bars. Alkohol gibt es fast nur in extra Läden. Zudem wird ab 3 Uhr nachts weder in Clubs, noch Bars Alkohol ausgeschenkt.

Aufgrund der Einschränkungen gibt das einen Punkt für Asien.

Aktivitäten: Punkt für Australien

Hier kann Australien punkten. Der Grund: Ich war nur an der Ostküste zwischen Sydney und Cairns, am Ayers Rock und in Darwin unterwegs. Ich habe also einiges gesehen – allerdings vieles noch nicht. Doch es gibt kaum Unternehmungen, die man nicht unternehmen kann in diesem Land. Ein Tagesausflug in den Regenwald bei Cairns zu den Krokodilen aber auch in eine kleine Schlucht, Walsichtungen mitten im Ozean, mit Haien schnorcheln, Koala und Kängurus streicheln, surfen und anderen Wassersport. Abenteuer sind garantiert. Und auch für diejenigen, die es ruhiger mögen ist mit Sicherheit etwas dabei. Etwa ein Ausflug zur Gold Coast im Süden von Brisbane.

Spannende Aktivitäten finden sich allerdings auch in vielen Teilen Asiens. In Oslob etwa, beim Schnorcheln mit Walhaien, Rollertrips ins Hinterland, Canyoning, das Wandern auf der Chinesischen Mauer mit tausenden Treppenstufen, Wassersport, oder Nachtwanderungen auf Vulkane auf Bali. Vielleicht muss man in Asien auch das Abenteuer eher suchen, in Australien wird es einem dagegen nahezu aufgedrängt. Asien ist aber wohl auch einfach ein Abenteuer für sich.

Menschen/Leben: Unentschieden

Im Nordosten des Landes ist eines ganz besonders auffällig: Die gespaltene Gesellschaft zwischen Australiern und ihren Ureinwohnern, den Aborigines. Allzu häufig bekam man die große Abneigung von Teilen der weißen Bevölkerung auf Aborigines mit. Doch ansonsten sind Australier, die mir begegnet sind, zumeist aufgeschlossene und nette, tolle Menschen.

Gewöhnungsbedürftig ist definitiv: Cafés schließen teilweise sonntags um 16h. In Restaurants gibt es teilweise keinen Kaffee und umgekehrt in Cafés nichts zu essen. Das verkompliziert das Leben das ein oder andere Mal (unnötig).

Auch beim Feiern gibt es Einschränkungen. Nach einer offenen Bar muss man unter der Woche lange suchen, das Alkoholverbot ab 3 Uhr nachts ist zudem gewöhnungsbedürftig. Aber: Dafür starten die Partys der Australier schon früher.

In den von mir bereisten asiatischen Staaten leben sicher viele Schurken, doch man fühlt sich immer wohl. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich nirgendwo in der Masse so viele freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen habe wie in Taiwan. Auch auf den Philippinen kommen ganze Familien aus ihren Gärten um einem zuzuwinken, wenn man mit dem Roller durch ihre Straße fährt.

Eine Ausnahme gibt es allerding: China. Die Menschen ignorieren Fragende, haben keine Zeit um Antworten zu geben, sind stürmisch und hektisch. Sie wirken unhöflich. Das mag daran liegen, dass die meisten Chinesen aufgrund ihrer (leider muss man das so deutlich sagen) miserablen Englischkenntnisse zu schüchtern sind, um mit einem zu sprechen. Vieles ist sicherlich tief verwurzelt, weil sich das Land erst ganz langsam anderen Kulturen öffnet.

Klima: Asien

Das Klima ist in Asien von Land zu Land unterschiedlich. In Taiwan, auf den Philippinen oder Bali aber ist das Wetter aufgrund ihrer Lage ganzjährig schön.

Innerhalb Australiens unterscheidet sich das Klima je nach Örtlichkeit deutlich. Im Winter kann es vielerorts sehr kalt, im Sommer sehr warm werden. Doch Achtung: In Deutschland und Australien sind die Jahreszeiten vertauscht. Dezember bis Februar sind häufig die wärmsten Monate in Down Under. Das Problem: Dann kann es so heiß werden, dass man es kaum aushält.

Transport: Unentschieden

In jedem bereisten Land Asiens präferieren Touristen andere Transportmittel. Während vor allem die Bahn in China durch den Faktor Kosten sowie dem engmaschigen Netz gut zu gebrauchen ist, sind es gerade Roller in Taiwan. Sie sind meist relativ günstig auszuleihen, die meisten Straßen optimal für sie ausgelegt. Ansonsten Züge. Auf den Philippinen sind es für Touristen meist Trycycles, also alte Motorräder mit Beisitzer, die einen irren Lärm machen. Auf Bali sind es ebenfalls Roller, aber auch Taxen/Uber sind bezahlbar.

Australien hat etwa in Sydney ein gutes Bus- und Bahnnetz. Gerade Busse sind gute Fortbewegungsmittel. Für weitere Fahrten aber rentiert es sich ein eigenes Auto auszuleihen. Ganz weite Fahrten, von denen es in Australien einige gibt, erledigt man am besten in der Luft. Dazu gibt es genügend Billig-Airlines, die einen sicher und einigermaßen komfortabel ans Ziel bringen.

Sehr schwer zu vergleichen, doch die super Struktur in China verhilft Asien zum Remis.

Hostels: Asien

Ein riesiger Unterschied zwischen Australien und Asien liegt im Bereich der Unterkunft. Hier kann Asien glänzen. Saubere, wohl organisierte Hostels mit beinahe optimaler Wlan-Versorgung und einem meist im Preis inkludierten Frühstück. Preislich liegen Asiens Hostels (mein Durchschnitt 10 Euro) weit vor den Australischen (20 Euro). Auch das Personal war meist fürsorglicher, die Hostels waren generell lieblicher. Zudem glänzt Asien auch mit vielen günstigen Bungalows in Meeresnähe. Für diesen Preis bekommt man in Australien meist keinen Platz in einem Achtbettzimmer.

Man trifft in Asien Menschen aus mehreren Kulturen, in Australien vor allem Deutsche, Franzosen und Asiaten. In Asien liegt das Durchschnittsalter höher, denn in Australien sind es meist junge Leute nach dem Abitur.

In Australien hat man häufig das Gefühl einer unter sehr sehr vielen Gästen zu sein. In Asien wird einem eher das Gefühl gegeben, der einzige Gast zu sein. Zudem sind dort die Hostels nicht heillos überlaufen. In Australiens Hostels sind die Wlan-Verbindungen häufig gar so schlecht, dass man sich lieber eine Prepaid-Karte holt und über die mobilen Daten surft und telefoniert.

Kosten: Asien

Dieser Vergleich dürfte alles sagen: Für vier Wochen Australien habe ich in etwa so viel gezahlt wie für zwei Monate Asien.

Essen: Asien

Klarer Punkt für Asien. Streetfood an allen Ecken, traditionelle Gerichte, leichte Kost, zumeist mit Reis: Das alles macht Asien aus. Und Australien? Das Land hat kaum traditionelle Kost. Mir fällt lediglich das Bananenbrot/-kuchen ein. Ansonsten ist das Essen unglaublich teuer und häufig fettig. Es fehlt vor allem ein ordentliches Gericht für drei bis vier Euro.

Fazit:

Asien ist günstiger, das Klima in den bereisten Ländern (mit Ausnahme Chinas) ganzjährig warm, das Leben befreiter (mit Ausnahme Chinas), die Menschen unbezahlbar freundlich und die Hostels schlicht besser. Meinen persönlichen Vergleich gewinnt Asien mit 8:4. In den meisten Punkten war es Kopf-an-Kopf-Rennen, denn auch Australien bietet das allermeiste davon. Essen, Kosten und die Einschränkungen leiten mich allerdings zu diesem persönlichen Urteil, das auch deshalb so schwierig zu fällen ist, weil China so anders ist, als die restlichen von mir besuchten asiatischen Staaten.

Vielleicht sollte man auf folgendes hinweisen: Das Ergebnis des Artikels legt keinerlei Wert auf Allgemeingültigkeit.

*Autor: Maximilian Kettenbach, 28 Jahre, reiste drei Monate (April bis Juli 2017) durch die Länder China, Taiwan, Philippinen, Australien und Bali.

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